Sport : Selbstbetrug in Sachen Betrug

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Mit Vorfestlegungen hat Theo Zwanziger seine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Zuge der Schiedsrichter-Schlammschlacht um Obmann Manfred Amerell sprach er dem jungen Referee Michael Kempter frühzeitig das Vertrauen aus – später stellte sich allerdings heraus, dass dessen Aussagen nicht so vertrauenswürdig waren wie öffentlich von Zwanziger angenommen. Bei einem ähnlich sensiblen Thema könnte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes nun ähnlich irren.

Diesmal geht es nicht um Amtsmissbrauch im größten Sportverband der Welt, sondern um Spielmissbrauch auf dem wichtigsten Fußballmarkt Europas. Theo Zwanziger kann nach wie vor „keine greifbaren Merkmale“ erkennen, dass Spiele im deutschen Profifußball verschoben worden sind. Die Bochumer Staatsanwaltschaft sieht das anders und hat Zwanziger erstmals öffentlich widersprochen. „Es gibt Anhaltspunkte, dass es tatsächlich passiert ist – auf jeden Fall“, sagte Staatsanwalt Andreas Bachmann, der Ankläger im zweiten Wettskandal. Tatsächlich sind viele Anhaltspunkte für verschobene Spiele augenscheinlich: Wettpaten bis hin zu Ante Sapina belasten deutsche Fußballer der Manipulation. Mehrere Profis haben bereits zugegeben, Geldbeträge entgegengenommen zu haben (streiten aber den dafür geforderten Betrug ab). Spieler haben sich sogar schon gegenseitig belastet. Und noch sind die Ermittlungen, zu denen der DFB kaum beitragen kann, nicht abgeschlossen.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Diesem Credo sollte Theo Zwanziger, der im ersten Wettskandal noch den Aufklärer gegeben hatte, nicht verfallen. Damit tut er dem deutschen Fußball keinen Gefallen. Sich als Jurist auch nicht.

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