Sinan Akdag : Der Stolz der Familie

Der Krefelder Sinan Akdag ist der erste türkischstämmige Profi in der DEL.

Claus Vetter
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Sinan Akdag. Eishockey-Profi.Foto: promo

Berlin - Eishockey in der Türkei? Sinan Akdag schmunzelt. „Ja, das gibt es“, sagt der junge Verteidiger von den Krefeld Pinguinen. „Und das verfolge ich schon.“ Wenn die Nationalmannschaft mal gewinnt, dann freue ihn das natürlich. Oft ist das ja nicht der Fall bei den Türken, die sich im kommenden April in der D-Gruppe der WM in der unter dem Namen „Division 3“ firmierenden untersten internationalen Etage mit Gegnern wie Neuseeland und Luxemburg auseinandersetzen dürfen.

Aber was will man schon erwarten, bei 790 registrierten Spielern und zwei Eishallen im Lande? Wenig, sagt Sinan Akdag. Auch der 19 Jahre alte Verteidiger hätte sich in der Heimat seiner Eltern wohl kaum fürs Eishockey entschieden. „Aber ich bin in Rosenheim gleich neben der Eishalle aufgewachsen, da kommt man automatisch zum Eishockey.“ Natürlich habe er auch Fußball gespielt. „Aber Eishockey macht mehr Spaß.“ Trotzdem hätten seine Eltern das wohl eher als exotisches Hobby angesehen. „Das ich es bis zum Profi schaffe, haben die nie geglaubt.“ Doch Akdag ist oben angekommen: Seit dieser Saison ist er Stammspieler bei den Krefeld Pinguinen – als erster türkischstämmiger Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Er sagt: „Das macht mich schon sehr stolz.“ Und erst die Familie: „Fast meine gesamten Verwandten wohnen in Istanbul und Ankara. Die verfolgen jetzt alle die DEL.“

Dabei war der Weg nach oben nicht immer einfach für ihn. Früher, da sei er schon ob seiner im Eishockey ungewöhnlichen Herkunft angepöbelt worden von gegnerischen Spielern. So sei das eben, wenn man irgendwo der Erste sei, sagt er. Seinen Durchbruch bei den Profis hat Sinan Akdag Trainer Igor Pawlow zu verdanken, der russische Trainer setzt in Krefeld verstärkt auf den Nachwuchs – mit viel Erfolg. Die Krefelder treten heute als Tabellenzweiter in Berlin bei den Eisbären an (Beginn 12 Uhr, O2-World). „Der Trainer gibt den jungen Spielern viel Verantwortung“, sagt Akdag. Im Fall des 1,87 Meter großen Verteidigers lohnt sich das auch: Seine statistischen Werte sind hervorragend, sein erstes DEL-Tor hat er hinter sich und im Zweikampfverhalten und beim Checken geht Akdag erstaunlich routiniert zu Werke. Bereits jetzt gilt er als der beste Defensivverteidiger der Pinguine. Der ehemalige Krefelder Christian Ehrhoff, inzwischen in der nordamerikanischen Profiliga NHL bei den San Jose Sharks, sagte unlängst: „Der Sinan hat das Zeug in meine Fußstapfen zu treten.“

NHL? Akdag lacht bescheiden. „Natürlich ist das ein Traum.“ Seine Nahziele aber sind andere. „Als junger Spieler darfst du nicht zufrieden sein mit deiner Leistung“, sagt er. Das sei gefährlich. Er wolle sich jetzt nur auf Krefeld und dann auf die U20-WM im Dezember in Kanada konzentrieren – denn er besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde in den Juniorenkader berufen. Und geht er weiter seinen Weg, wird er irgendwann einen Anruf von Bundestrainer Uwe Krupp bekommen. Die Gefahr, dass er wie im Fußball von türkischen Scouts abgeworben wird, besteht wohl nicht. Einen Traum habe er aber trotzdem, sagt Sinan Akdag: „Einmal will ich gegen die Türkei spielen.“ Das wird sicher ein Traum bleiben – die NHL muss dagegen kein Traum bleiben für Sinan Akdag.

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