Tour de France : Team Sky: Starke Mannschaft, starke Zweifel

Sky dominiert die Tour. Doch beim Thema Doping ist „null Toleranz“ offenbar nur ein Slogan.

Der Brite Chris Froome vom Team Sky fährt im Gelben Trikot.
Der Brite Chris Froome vom Team Sky fährt im Gelben Trikot.Foto: dpa

Team Sky ist das Referenzteam der Tour de France. Viermal hat der Rennstall in den vergangenen fünf Jahren die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Doch der Ruf der von britischen TV-Geldern bezahlten internationalen Truppe ist nicht der beste. Obwohl Sky angetreten war, die Tour de France sauber zu gewinnen, wachsen die Zweifel. Erst irritierte, dass Ärzte und sportliche Leiter mit Dopingvergangenheit angestellt wurden. Dann wurde die Vergabe von leistungssteigernden Präparaten an die Fahrer bekannt. Die Medikamentenlieferungen sind jedoch nicht dokumentiert, was den Verdacht auf Vertuschung weckt. Und auch gegen das Spritzenverbot im Radsport hat das Team verstoßen.

Mittlerweile ermittelt die britische Antidopingagentur und eine Untersuchungskommission des britischen Parlaments gegen Sky. Ein Untersuchungsgegenstand ist eine dubiose Medikamentenlieferung an Top-Star Bradley Wiggins zum Criterium du Dauphiné 2011. Am Tag des Zeitfahrens, bei dem Wiggins das Gelbe Trikot übernahm, wurde in Manchester, dem gemeinsamen Hauptquartier von Sky und dem britischen Radsportverband, ein Kurier bestellt, um ein Medikament für Wiggins abzuholen. Er brauchte drei Tage Reisezeit. Was im Päckchen war, ist nur durch eine mündliche Aussage von Teamarzt Richard Freeman bekannt: Angeblich ein Hustenlöser, der in jeder Apotheke zu haben ist, Kostenpunkt etwa zehn Euro. Die Reise kostete fast 700 Euro.

Ausnahmegenehmigungen

Bei der Befragung vor dem Parlament kamen noch andere Details heraus: So sollen ungewöhnlich große Mengen des Schmerzmittels Tramadol und von Kortison-haltigen Präparaten im Umlauf gewesen sein. „Wir haben schriftliche Aussagen vom Teamarzt Dr. Freeman über das Ausmaß der Bestände von Triamcinolon. Wie viele Profis es erhielten, wollten sie uns wegen der ärztlichen Schweigepflicht nicht sagen“, sagte Damian Collins, der Vorsitzende der Kommission, dem Tagesspiegel.

Triamcinolon, ein Kortison-Präparat, wurde Wiggins mittels therapeutischer Ausnahmegenehmigungen verabreicht, und zwar kurz vor der Tour de France der Jahre 2011 und 2012 sowie vor dem Giro d'Italia 2013. In der Medizin als entzündungshemmendes Medikament eingesetzt, kann Kortison im Sport leistungssteigernde Effekte haben. Auch für Christopher Froome, der die diesjährige Tour anführt, gab es eine Ausnahmegenehmigung – für den Mai 2013, also zwei Monate vor seinem Toursieg.

Die Kortisongabe im Mai dürfte im Juli nicht mehr gewirkt haben. Fraglich ist aber, wer die anderen Kortisongaben bekam, auf die die Kommission stieß. Andere Rennställe, darunter die in Deutschland lizensierten Teams Bora-hansgrohe und Sunweb, gehören der „Bewegung für den sauberen Radsport“ (MPCC) an. Sie verzichten von sich aus auf Kortisongaben oder nehmen Fahrer, bei denen aus Gesundheitsgründen Kortison notwendig ist, aus dem Rennen. Sky gehört der MPCC nicht an.

Ex-Profi erhebt Vorwürfe

Weitere Zweifel löste die Beichte des früheren Sky-Profis Josh Edmondson in der BBC aus. Edmondson spritzte sich nach eigenen Angaben in der Saison 2014 Aminosäuren und wirft seinem Ex-Team Vertuschung vor. „Sie hätten öffentlich sagen müssen: Da spritzte sich ein junger Fahrer in unserem Team.“ Sky aber veröffentlichte den Vorfall nicht; angeblich aus Sorge um den psychischen Zustand des Sportlers. Korrekt ist: Edmondson litt an Depressionen – ausgelöst durch das Schmerzmittel Tramadol. Eben das Mittel, das in ungewöhnlich großen Beständen in der gemeinsamen Apotheke von British Cycling und Team Sky gebunkert war.

Unklar ist, ob es sich um Einzelfälle handelt oder um ein System, in dem der legale Spielraum des Medikamenteneinsatzes ausgereizt wird und vielleicht sogar rote Linien überschritten werden. Im Herbst nach der Tour de France weiß man mehr. Dann werden die Abschlussberichte des Parlaments und der Antidopingagentur veröffentlicht. Schon jetzt ist allerdings klar, dass das von Sky selbst ausgegebene Motto „Null Toleranz“ beim Thema Doping zweifelhaft ist.

Recherchen für diesen Text wurden im Rahmen der Berichterstattung der ARD-Dopingredaktion getätigt.

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