Türkischer Fußball : Männerverbot im Stadion von Fenerbahce

Der in eine Bestechungsaffäre verstrickte türkische Meister Fenerbahce Istanbul durfte als Strafe für Ausschreitungen in einem früheren Spiel keine erwachsenen männlichen Anhänger zum jüngsten Heimspiel ins Stadion lassen. Und so füllten 41.000 Frauen und Kinder die Ränge.

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Stimmung im Stadion bei Fenerbahce Istanbul: Nur Frauen und Kinder waren beim Heimspiel gegen Manisaspor als Zuschauer erlaubt.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
22.09.2011 13:55Stimmung im Stadion bei Fenerbahce Istanbul: Nur Frauen und Kinder waren beim Heimspiel gegen Manisaspor als Zuschauer erlaubt.

Die Menge im Stadion jubelte und ließ die Heimmannschaft hochleben. Tausende waren in Trikots ihres Teams erschienen, einige brachten ihre Kinder mit, andere selbst gebastelte Transparente. Sie feuerten ihr Team an und stießen Flüche gegen den Hauptrivalen aus. Ein ganz normaler Fußballabend im Stadion Sükrü Saracoglu in der türkischen Metropole Istanbul? Nein. Alle Zuschauer auf den Rängen waren Frauen und Kinder. Für Männer war das Stadion gesperrt.

So etwas hat es in der Türkei und wohl im ganzen Weltfußball noch nicht gegeben. Der in eine Bestechungsaffäre verstrickte türkische Meister Fenerbahce musste als Strafe für Ausschreitungen in einem kürzlichen Spiel alle erwachsenen männlichen Anhänger beim jüngsten Heimspiel gegen den westtürkischen Club Manisaspor vor der Tür lassen. Und so füllten 41.000 Frauen und Kinder unter 12 Jahren die Sitze – und verliehen dem Spiel eine ganz ungewohnte und gewaltfreie Karnevalsatmosphäre. Doch die Frauenpower im Stadion ist umstritten. Einige Beobachter erkennen eine herablassende Macho-Haltung - schließlich sei es als Strafe gemeint gewesen, den Frauen das Stadion zu überlassen.

In einem Land, in dem die Zeitungen fast jeden Tag über neue Gewaltverbrechen an Frauen berichten, hatte der Abend in Sükrü Saracoglu für viele eine tiefe symbolische Bedeutung. In der Türkei ist Fußball gewöhnlich Männersache, doch an diesem Abend war es anders. „Die Männer werden bestraft, die Frauen sind frei. Die Rollen sind vertauscht“, kommentierte die Zeitung „Milliyet“.

Für Hausfrauen wie Hanife Akagac war der Stadionbesuch ein unvergessliches Erlebnis. „Was hatten wir für einen Spaß“, schwärmte sie in der „Milliyet“. Draußen vor dem Stadion wartete unterdessen ihr Ehemann, wie mehrere hundert andere ausgesperrte Fenerbahce-Fans. Ihr Gatte sei etwas ungehalten, weil das Spiel 1:1-Unentschieden ausgegangen sei, verriet Frau Akagac.

Lesen Sie auf Seite 2, wie es zum tausendfachen Besuch der Frauen im Stadion gekommen war.

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