• Unser Blog zur Bundesliga-Saison 2015/16: FC Bayern München: Einfach unersättlich

Unser Blog zur Bundesliga-Saison 2015/16 : FC Bayern München: Einfach unersättlich

Zum Saisonabschluss: Die erste basisdemokratische Ausgabe dieses Blogs - da kommt jeder mal dran. Zum Schluss: Bayern München.

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Ist das wirklich euer Ernst? Pep Guardiola wird von Karl-Heinz Rummenigge eindrucksvoll beschenkt.
Ist das wirklich euer Ernst? Pep Guardiola wird von Karl-Heinz Rummenigge eindrucksvoll beschenkt.Foto: dpa

22.00 Uhr: Das war es jetzt also schon wieder. Nach der Bundesliga verabschiedet sich auch der Bundesliga-Blog in die Sommerpause. Am 29. August geht’s weiter. Noch 105 Tage.

Bayern München. An Rekorden hat es den Bayern in den vergangenen Jahren ganz sicher nicht gemangelt. Vier Mal Meister hintereinander – unerreicht. Genauso wie das Geschenk, das die Bayern ihrem Trainer Pep Guardiola zum Abschied überreicht haben. Unerreicht hässlich. Wer bisher noch gedacht hat, dass diese Beziehung eine innige Liebe bis zum letzten Tag gewesen ist, der dürfte spätestens beim Anblick der Skulptur eines Besseren belehrt worden sein. Wahrscheinlich wurde sie von Karl-Heinz Rummenigge in stundenlanger Arbeit höchstselbst im eigenen Hobbykeller geschaffen.

Der Stachel, dass Guardiola in drei Jahren kein einziges Mal die Champions League gewonnen hat, scheint doch tiefer zu sitzen, als sie bisher zugegeben haben. Anders ist das Präsent an den bald Ex-Trainer, dem ja eine gewisse Geschmackssicherheit zu eigen ist, nicht zu erklären.

Günter Netzer ist einen Rekord los - den für das hässlichste Abschiedsgeschenk.
Günter Netzer ist einen Rekord los - den für das hässlichste Abschiedsgeschenk.Foto: Imago

Bisher durfte Günter Netzer noch für sich reklamieren, dass er mit dem geschmacklosesten Geschenk aller Zeiten verabschiedet worden ist. 1973, nach seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zu Real Madrid, hatte er von den Gladbachern eine Kollektion von Gartenzwergen bekommen (siehe Bild oben). Selbst diese Bestmarke halten jetzt die Bayern. Sie sind einfach unersättlich.

Perspektive: Die Zeit der Rekorde ist vorbei.

Hübsch, aber einer war noch schöner. Pierre-Emerick Aubameyang wurde in der Torschützenliste - natürlich Zweiter.
Hübsch, aber einer war noch schöner. Pierre-Emerick Aubameyang wurde in der Torschützenliste - natürlich Zweiter.Foto: dpa

Borussia Dortmund. Eins kann man Borussia Dortmund in dieser Saison ganz sicher nicht absprechen: eine gewisse Konstanz. Die Dortmunder sind Zweiter in der Abschlusstabelle. Sie sind Zweiter in der Hinrundentabelle. Zweiter in der Rückrundentabelle. Zweiter in der Heimtabelle. Zweiter in der Auswärtstabelle. Sie haben die zweitbeste Punkteausbeute ihrer Vereinsgeschichte und sind mit 78 Punkten der beste Zweite, den es je in der Bundesliga gegeben hat.

Am Samstag spielt der BVB noch im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München. Man könnte sich als Dortmunder darauf freuen - wenn nicht die Gefahr bestünde, auch in diesem Wettbewerb noch Zweiter zu werden. Glaubt man Trainer Thomas Tuchel ist die Gefahr gar nicht mal so gering (gut, wenn es gegen die Bayern geht, ist die Gefahr zu verlieren nie gering). „Ich habe große Sorge, dass wir die verlorene Form zum Endspiel nächsten Samstag nicht mehr wiederfinden“, sagte Tuchel ungewohnt grantig nach dem 2:2 gegen den 1. FC Köln. „Wir können nächsten Samstag nur in absoluter Topform Pokalsieger werden, aber von der sind wir momentan leider so weit entfernt wie noch überhaupt nicht in dieser Saison.“

Aus den letzten beiden Saisonspielen - in Frankfurt und zu Hause gegen Köln - hat die bis dahin beste Rückrundenmannschaft nur einen Punkt geholt. Tuchel klagte daher, „dass wir die Bayern noch auf zehn Punkte haben wegziehen lassen - und es wird jetzt schwierig, Form und Haltung zum Pokalfinale gegen München wiederzufinden“. Die „Süddeutsche Zeitung“ glaubt sogar: „Der BVB fährt angeknackst nach Berlin.“ Aber die kommt ja auch aus München.

Perspektive: Double 2017.

Im März fast entlassen, im Frühjahr ein Liebling der Herzen. Roger Schmidt spielt mit Bayer Leverkusen wieder in der Champions League.
Im März fast entlassen, im Frühjahr ein Liebling der Herzen. Roger Schmidt spielt mit Bayer Leverkusen wieder in der Champions...Foto: dpa

Bayer Leverkusen. Ein kurzer Blick zurück auf den 25. Spieltag. Bei ihrem Auswärtsspiel  in Augsburg liegen die Leverkusener nach einer guten Stunde mit 0:3 zurück. Ihr gesperrter Trainer Roger Schmidt – das hat sich bereits während des Spiels herumgesprochen – ist gar nicht mehr im Stadion, sondern schon vor dem Anpfiff zur Beobachtung des nächsten Europapokalgegners Villarreal nach Spanien gereist. Wenn das mal keine vergebliche Liebesmüh’ ist! Auch wenn die Leverkusener in Augsburg noch 3:3 spielen: In der Tabelle liegen sie nach diesem 25. Spieltag nur auf Platz acht, sechs Punkte hinter dem Dritten Hertha BSC. Das ist nicht das, was man sich in Leverkusen vorgestellt hat. Und so scheint die Entlassung des umstrittenen Trainers Schmidt  nur noch eine Sache von Tagen sein.

Zweieinhalb Monate später zweifelt niemand mehr an Roger Schmidt. Seine Mannschaft hat die Saison als Dritter beendet – mit zehn Punkten Vorsprung auf Hertha – und sich damit direkt für die Champions League qualifiziert. Neben Borussia Mönchengladbach ist Bayer Leverkusen die zweite große Auferstehungsgeschichte in dieser Saison gelungen.

Ich kann mich noch erinnern: Als Leverkusen das erste Spiel nach Ablauf von Schmidts Sperre gewonnen hatte, habe ich gesagt: „Da sieht man mal, was für ein großartiger Trainer Schmidt ist. Ohne ihn verliert die Mannschaft alles, mit ihm gewinnt sie.“ Es war eigentlich als Scherz gemeint. Aber dann siegten die Leverkusener sieben Mal hintereinander, bis sie alle anderen Konkurrenten um die Europapokalplätze abgehängt und Platz drei sicher hatten.

Perspektive: Platz drei und Achtelfinal-Aus in der Champions League.

Granit Xhaka (r.) wird Gladbach wohl verlassen. Die Borussia dürfte deshalb viel Geld zur Verfügung haben, um ihn zu ersetzen.
Granit Xhaka (r.) wird Gladbach wohl verlassen. Die Borussia dürfte deshalb viel Geld zur Verfügung haben, um ihn zu ersetzen.Foto: dpa

Borussia Mönchengladbach. Man kennt das noch von früher vom Bolzplatz. Eins gegen eins (weil alle anderen noch beim Mittagessen sind). Spieler eins ist 14, schon 1,72 Meter groß, Spieler zwei ein Hänfling von acht Jahren. Okay, sagt Spieler eins, wir spielen bis zehn, und du kriegst neun Tore Vorsprung. Bei den Gladbachern war das in dieser Saison ähnlich. Sie haben ihrer Konkurrenz auch erst einmal fünf Spiele Vorsprung gelassen, ehe sie sich dazu entschließen konnten,  mal mitzumachen. Gemessen an den fünf Niederlagen zum Start in die Bundesligasaison hat die Borussia noch eine sensationelle Spielzeit hingelegt. Mit einem beherzten Zwischenspurt im Schneckenrennen um die Europapokal-Plätze haben sie sich Platz vier gesichert – und damit die Teilnahme an den Play-offs zur Champions League. Die geschätzten Kollegen des Blogs Torfabrik.de meinen sogar: „Es war schlichtweg überwältigend!“

Nie zuvor hat eine Mannschaft, die mit fünf Niederlagen in eine Bundesligasaison gestartet ist, in der Endabrechnung noch einen einstelligen Tabellenplatz belegt – das zeigt, wie außergewöhnlich die Leistung der Gladbacher ist. Und die ihres Trainers Andre Schubert, der das Team nach dem fünften Spieltag von Lucien Favre übernommen hat. Zu jenem Zeitpunkt haben viele Anhänger des Klubs sogar mit dem Schlimmsten gerechnet. Und obwohl Schubert den totalen Absturz so souverän abgewendet hat, dass sich heute niemand mehr daran erinnern kann, dass es auch anders hätte laufen können, gab es bis zuletzt hartnäckige Zweifel um seine Zukunftsfähigkeit. Ist Schubert wirklich einer, der eine Mannschaft weiterentwickeln kann, der einzelne Spieler verbessern kann, so wie es sein Vorgänger Favre getan hat?

Vor einer Woche hat Sportdirektor Max Eberl der Debatte fürs Erste die Geschäftsgrundlage entzogen. Und dass Fortschritte möglich sind, hat die Mannschaft umgehend bewiesen, als sie beim 2:0 in Darmstadt ihren ersten Auswärtssieg nach siebeneinhalb Monaten feierte.
Perspektive: Einen Ersatz für Granit Xhaka finden.

Da kommt Freude auf. André Breitenreiter und Horst Heldt bejubeln Platz fünf - in die Europa League gehen beide mit Schalke aber nicht.
Da kommt Freude auf. André Breitenreiter und Horst Heldt bejubeln Platz fünf - in die Europa League gehen beide mit Schalke aber...Foto: dpa

FC Schalke 04. Horst Heldt hat sich mit Tränen in den Augen verabschiedet, André Breitenreiter mit einem Rest an Würde. Bevor seine Mannschaft mit einem 4:1-Sieg in Hoffenheim zumindest noch die direkte Qualifikation für die Europa League geschafft hat, durfte Schalkes Trainer sie wenigstens noch offiziell davon in Kenntnis, dass ihre Zusammenarbeit mit diesem Tag enden würde. Der Neuigkeitswert dürfte bei ungefähr null gelegen haben. Die Entlassung Breitenreiters war vermutlich eine der längsten in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.

Horst Heldt hat in der vergangenen Woche in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ noch vehement die Ansicht vertreten, dass es bei Schalke bei weitem nicht so chaotisch zugehe, wie es immer von außen behauptet werde. Klar, war eine ganz ruhige Saison. Eine, in der dem Sportdirektor Heldt bei der Mitgliederversammlung noch ein Jahr Bewährung eingeräumt wurde, als sein Nachfolger längst feststand. In der alle Welt schon seit Wochen wusste, dass der Trainer gehen muss. Und auch der Name seines Nachfolgers längst bekannt war, obwohl der dummerweise bei einem Konkurrenzverein noch drei Jahre unter Vertrag steht.

Und André Breitenreiter war, anders als es von den bösen Medien kolportiert wurde, auch ein super Typ, bescheiden und stets freundlich im Umgang, innovativ in seinen Methoden, klar in seiner Handschrift. Benedikt Höwedes hat seinen Trainer in einem Interview mit „derwesten.de“ gegen all die fiesen Anschuldigungen in Schutz genommen: „Breitenreiter hat hier einen guten Job gemacht und die Mannschaft auch nach vorne gebracht. Er hatte immer einen sehr guten Draht zur Mannschaft, auch wenn das zum Teil ganz anders dargestellt wurde.“

Perspektive: Es kann nur besser werden.

Ein Europapokal für Christian Heidel. Der Manager verlässt Mainz 05 und wechselt zu Schalke 04.
Ein Europapokal für Christian Heidel. Der Manager verlässt Mainz 05 und wechselt zu Schalke 04.Foto: dpa

FSV Mainz 05. Martin Schmidt, der Erfolgstrainer des FSV Mainz 05, hat am Samstag nach dem 0:0 gegen Hertha BSC ein Plädoyer für die Benachteiligten gehalten. „Über Berlin und Mainz wird meiner Meinung nach zu wenig geredet. Was die beiden Teams mit dem Budget und dem Spielermaterial dieses Jahr geleistet haben: Wir sind Meister der Übrigen.“ Also, Hertha BSC ist natürlich nur Vizemeister der Übrigen, der Titel gebührt den Mainzern, die einen Platz vor den Berlinern gelandet sind – und sich damit zum ersten Mal direkt für den Europapokal qualifiziert haben.

Die Mainzer sind schon ein Phänomen. Nach der vergangenen Saison haben sie ihren besten Torschützen Shinji Okazaki verloren, dazu noch ihren wichtigsten Mittelfeldspieler Johannes Geis, doch wenn man denkt, dass die Mannschaft diesen neuen Aderlass jetzt aber ganz sicher nicht verkraften wird, sondern mindestens in arge Nöte geraten wird, dann wird man erneut eines Besseren belehrt.

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Eine Saison für die Geschichtsbücher: Der Bundesliga-Rückblick
Eine Saison für die Geschichtsbücher: Der Bundesliga-Rückblick

Und es ändert sich nicht. Die Feierlichkeiten zum Einzug in den Europapokal wurden ja schon am Samstag überlagert vom Abschiedsschmerz. Christian Heidel, ohne den es den FSV Mainz 05 in seiner aktuellen Ausfertigung nicht gäbe, wechselt nach 24 Jahren zu Schalke 04. Der Mann also, der immer wieder eine Lösung für jedes Problem gefunden hat. Probleme wird es für die Mainzer auch weiterhin geben, nur eben keinen Heidel mehr, der sie löst. Zwei Tage nach dem erfolgreichen Saisonabschluss verdichten sich die Anzeichen, dass die Mannschaft wieder einmal ihre wichtigsten Leute verlieren wird. Julian Baumgartlinger, der Kapitän, soll für vier Millionen Euro nach Leverkusen wechseln; Torhüter Loris Karius ist beim FC Liverpool im Gespräch. Beide besitzen entsprechende Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen. Genau wie Yunus Malli, der beste Scorer der Mainzer. Was das für die nähere Zukunft bedeutet, kann sich jeder ausmalen.
Perspektive: Also, diesen Aderlass wird Mainz ganz sicher nicht verkraften.

Sieht so die pure Freude aus? Nicht wirklich. Aber das war auch das vorletzte Spiel gegen Darmstadt. Womöglich hat Hertha bei der 1:2-Heimniederlage Platz sechs oder sogar mehr verspielt.
Sieht so die pure Freude aus? Nicht wirklich. Aber das war auch das vorletzte Spiel gegen Darmstadt. Womöglich hat Hertha bei der...Foto: dpa

Hertha BSC. Vor langer, langer Zeit habe ich mir einmal einen bösen Blick von Dieter Hoeneß eingefangen. Es war nach einem Spiel von Hertha BSC beim VfL Bochum, in dem die Berliner einen 2:0-Vorsprung noch verspielt hatten. Gleich nach der Pressekonferenz verkündete der Pressesprecher des VfL, dass Stefan Hermanns vom Tagesspiegel das Ergebnis richtig vorausgesagt und den Journalistentipp gewonnen hatte. In diesem Moment trafen mich die bösen Blicke Hoeneß. Dabei hatte ich es nur gut gemeint mit Hertha. Die Berliner hatten zum damaligen Zeitpunkt erst ein einziges Mal in Bochum gewonnen. Das 2:2, das ich getippt hatte, wäre vor dem Spiel also ein höchst respektables Ergebnis für Hertha gewesen. Nach einer 2:0-Führung war es das natürlich nicht mehr und ich in Hoeneß’ Augen – mindestens – ein Defätist.

Ich musste daran denken, als Mitchell Weiser nach dem Saisonende einen Tweet retweetete, in dem er vor der Saison angekündigt hatte, dass Hertha Siebter werden würde. Im August noch hätte man sich noch über alle Maßen über Platz sieben gefreut – und jetzt? Tja, diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Viele Fans sehen es wohl ähnlich wie unser Online-Kommentator Aniklisch: „Zu einer erfolgreichen Saison gehört die gesamte Saison und nicht eine äußerst ansprechende Vorrunde und eine äußerst bescheidene Rückrunde. Seit Monaten spielte man auf dem wohlbekannten Niveau des Vorjahres und hat mit der Frequenz eines designierten Absteigers gepunktet. Die Richtung zeigt eindeutig talwärts und wenn man sich jetzt mit dem Erreichten zufrieden gibt, sich auf dem längst gewelkten Lorbeer ausruht, rudert man nächste Saison garantiert im Abstiegsstrudel.“

Perspektive: Ich sag’ nur Doppelbelastung.

VfL Wolfsburg. Sorry, aber dieses Zitat muss an dieser Stelle jetzt einfach noch einmal sein. Was also sagte Max Kruse vor der Saison, als er seinen Wechsel von Borussia Mönchengladbach zum VfL Wolfsburg begründen wollte: „Über die Jahre hinweg bietet der VfL Wolfsburg einfach eine bessere Perspektive, oben mitzuspielen und langfristig in der Champions League vertreten zu sein.“

Nun kann Kruses Vorhersage, was die Wolfsburger Perspektive angeht, sehr wohl noch eintreten, obwohl die Gladbacher in diesem Sommer zumindest in den Play-offs zur Champions League stehen und der VfL es nicht mal in die Europa-League-Quali geschafft hat; die Frage ist nur, ob Kruse davon profitieren würde. Er gilt nach der enttäuschenden Saison des vormaligen Pokalsiegers und Vizemeister – wie so viele andere – als möglicher Verkaufskandidat. Selbst wenn der VfL also langfristig wieder in der Champions League landen sollte, könnte es gut sein, dass Kruse dann nicht mehr dabei ist.

Die finanziellen Möglichkeiten sprechen nach wie vor dafür, dass der VfL auf Dauer oben mitspielt; die Geschichte spricht eher gegen den VfL. Zwischen der ersten und der zweiten Teilnahme an der Champions League der Wolfsburger lagen immerhin sechs Jahre, obwohl sich die finanzielle Ausstattung des VfL in dieser Zeit nicht erheblich verschlechtert haben dürfte (wenn überhaupt).

Tja, dumm gelaufen. Max Kruse spielt nächstes Jahr nicht international mit dem VfL Wolfsburg. Die Frage ist, ob er überhaupt noch für den VfL spielen wird.
Tja, dumm gelaufen. Max Kruse spielt nächstes Jahr nicht international mit dem VfL Wolfsburg. Die Frage ist, ob er überhaupt noch...Foto: dpa

Der VfL Wolfsburg ist – neben den beiden Absteigern Hannover und Stuttgart – die große Enttäuschung der Saison, und gemessen an den Möglichkeiten und dem Ausgangsniveau hat es in der Bundesliga im vergangenen Jahr keinen größeren und prominenteren Absturz gegeben. Und ich bin geneigt, die Gründe dafür auch in der Gesamtkonstruktion des VfL zu sehen. Juckt es die Spieler? Nein, es juckt sie vermutlich nicht. (Womit wir wieder beim Thema Leidenschaft wären, siehe den Beitrag zum SV Werder Bremen.)

Für Leute wie Kruse, Naldo, Bendtner, Dost, Gustavo ist ein Verein wie Wolfsburg immer nur eine Zwischenstation. Sich einen Namen machen, gut verdienen – und dann rechtzeitig weiterziehen. Naldo hat es mit seiner Flucht zum FC Schalke vorgemacht. Was tut man nicht alles, um wenigstens in der Europa League spielen zu dürfen?

Perspektive: Wie immer: Viele neue Spieler kaufen.

Ein Düsseldorfer (Jörg Schmadtke, links) und ein Wiener (Peter Stöger) sind für den Aufschwung des 1. FC Köln verantwortlich.
Ein Düsseldorfer (Jörg Schmadtke, links) und ein Wiener (Peter Stöger) sind für den Aufschwung des 1. FC Köln verantwortlich.Foto: dpa

1. FC Köln. Thomas Hitzlsperger hat den Kölnern in seiner Saisonbilanz für „Die Zeit“ ein großes Kompliment ausgestellt. Es besteht aus einem einzigen Satz: „Haben die überhaupt mitgespielt?“ Gute Frage. Von meinem Gefühl her ist der FC in diesem Blog in dieser Saison kein einziges Mal aufgetaucht – es sei denn, die Kaugummis sind mal wieder besonders tief geflogen.

Man darf das durchaus als Verdienst des Kölner Managers aus Düsseldorf und des Kölner Trainers aus Wien werten. Sie haben den FC auf durchaus charmante Art entkölscht. Mit anderen Worten: ihm den Größenwahn ausgetrieben. Als die Mannschaft gegen Saisonende doch noch gefährlich nah an die Europapokalränge heranrückte, war Trainer Peter Stöger der Erste, der vor unrealistischen Erwartungen gewarnt hat. Zum Dank hat der FC die beste Saison seit 24 Jahren gespielt, zum ersten Mal seit 1992 wieder einen einstelligen Tabellenplatz belegt.

Perspektive: Jonas Hector wird den Verein vielleicht nach der EM verlassen, Yannick Gerhardt geht vielleicht nach Wolfsburg, Timo Horn vielleicht nach Dortmund. Dafür bleibt Jörg Schmadtke, der Manager, bei dem das – höchstwahrscheinlich – viele Geld in guten Händen ist. Der zweite einstellige Tabellenplatz dieses Jahrtausends ist möglich.

Hamburger SV: Endlich nicht mehr Lachnummer!

Hamburger SV. Zum Ende dieser Saison stelle ich mit großem Entzücken fest, dass ich meinen guten Vorsatz vom Anfang Saison („Sich nicht mehr lustig machen über den HSV“ - Unser Blog nach dem ersten Spieltag, erster Eintrag, ganz am Ende) weitgehend erfüllt habe (anders als die üblichen Vorsätze zum Jahreswechsel übrigens). Der Hamburger SV hat das Relegationstriple als Tabellenzehnter deutlich verpasst. Das muss man auch mal lobend hervorheben. Okay, dafür dass der HSV im Herbst mal kurzzeitig vom Europapokal geträumt hat, war es dann zwischenzeitlich doch noch ziemlich knapp.

Was Klaus-Michael Kühne (links) wohl dazu sagen wird, dass der HSV einen Zweitligastürmer verpflichtet hat?
Was Klaus-Michael Kühne (links) wohl dazu sagen wird, dass der HSV einen Zweitligastürmer verpflichtet hat?Foto: dpa

Auch wenn es die erste Spielzeit seit der Saison 2012/13 (Thorsten Fink) war, in der die Hamburger ohne Trainerwechsel über die Runden gekommen sind – ganz ohne personelle Verwerfungen ging es auch diesmal nicht ab. Als der HSV auch theoretisch gerettet war, hat es Peter Knäbel, den Sportdirektor, erwischt. Seinen Job wird künftig Dietmar Beiersdorfer noch miterledigen. Ist ja auch vernünftig. Beiersdorfer wird von Geldgeber Klaus-Michael Kühne schließlich wesentlich mehr geschätzt als Knäbel, den er irgendwie nie so richtig in sein Herz geschlossen hat.

Mal sehen, was Kühne zu Bobby Wood, der ersten Verpflichtung für die neue Saison, sagen wird. „Was, ein Stürmer aus der Zweiten Liga? Wieso bemühen wir uns eigentlich nicht um diesen Schweden von Paris St. Germain. Guter Mann. Und noch gar nicht so alt.“

Perspektive: Klaus-Michael Kühne verkündet im Februar, dass er noch einmal neue Anteile am HSV für 50 Millionen Euro erwerben wird und wird im März zum neuen Sportdirektor ernannt.

Anderswo ist noch schöner. Ralph Hasenhüttl wechselt von Ingolstadt nach Leipzig.
Anderswo ist noch schöner. Ralph Hasenhüttl wechselt von Ingolstadt nach Leipzig.Foto: dpa

FC Ingolstadt. Die Unsympathen der Liga - zumindest für all die Vereine, die in dieser Saison gegen den Klub verloren haben, und das waren mehr als erwartet. Die Ingolstädter haben sich den Unmut der Konkurrenz aber auch mehr als verdient. Kratzen, beißen, pressen, das mögen die Feingeister der Liga nun mal gar nicht. Die Sympathiewerte für den wackeren Außenseiter, der das Establishment ärgert, hat der FCI leichten Herzens dem Mitaufsteiger aus Darmstadt gegönnt. Der Erfolg stand über allem. Zu keinem Zeitpunkt der Saison war der Klassenerhalt der Ingolstädter in Gefahr. Zum Dank darf Ralph Hasenhüttl in der nächsten Spielzeit den Aufsteiger Rasenballsport Leipzig trainieren, der nicht nur die besseren Spieler unter Vertrag, sondern auch viel, viel, viel mehr Geld zur Verfügung hat. In einer Hinsicht aber wird sich Hasenhüttl nicht großartig umstellen müssen. Die Sympathien werden ihm auch in Leipzig (laut SZ "die wandelnde Wettbewerbsverzerrung") nicht zufliegen.

Perspektive: Sollte sich Audi doch dazu entschließen den FCI zu einem richtigen Werksverein zu machen, könnte es auch in der nächsten Saison mit dem Klassenerhalt klappen.

FC Augsburg. Anfang der Rückrunde – ich weiß nicht, ob sich noch jemand erinnert – hat es eine etwas seltsame Plagiatsdiskussion gegeben, in der Hertha BSC und der FC Augsburg die Hauptrollen gespielt haben. Um sie noch mal kurz zusammenzufassen: Augsburgs Trainer Markus Weinzierl hatte sich eigentlich lobend über die Berliner auslassen wollen und gesagt, dass er bei ihnen vieles von dem erkenne, was seine Mannschaft in der Saison zuvor ausgezeichnet hatte, als sie es bis in die Europa League geschafft hatte. Herthas Trainer Pal Dardai empfand diese Einlassungen als ziemliche Zumutung, weil er das eigene Spiel (zumindest zur damaligen Zeit) für qualitativ deutlich höher eingeschätzt hatte als den Fußball der Augsburger. Geschenkt. Wenn da nicht die Furcht der Berliner wäre, dass sich die Geschichte der Augsburger aus dieser Saison bei Hertha in der nächsten Saison noch einmal eins zu eins wiederholen könnte.

Es ist ja ein Klassiker: Da schafft es ein Underdog durch gute Arbeit überraschend in den Europapokal, und obwohl vorher schon alle wissen, dass das jetzt aber schwer werden wird, mit der Doppelastung und dem ungewohnten Wettbewerb, wird es dann tatsächlich – schwer. Siehe Augsburg. Ist aber auch nicht zu erklären, wie eine Mannschaft, die in der Europa League in etwa auf einem Niveau mit dem FC Liverpool spielt, in der Bundesliga bis kurz vor Schluss um den Klassenerhalt bangen muss.

War's das schon? Markus Weinzierl (r.) gilt als künftiger Trainer von Schalke 04.
War's das schon? Markus Weinzierl (r.) gilt als künftiger Trainer von Schalke 04.Foto: dpa

Es hat ja noch gereicht, und deshalb war es für die Augsburger alles in allem eine sehr erfolgreiche Saison. So erfolgreich, dass sie jetzt vermutlich ihren Trainer an den FC Schalke verlieren werden. Fix ist noch nichts, obwohl die Schalker ja ihrerseits mit der Entlassung von André Breitenreiter die nötigen Voraussetzungen geschaffen haben. „Deswegen hat sich ja der Vertrag von Markus Weinzierl nicht aufgelöst“, hat Augsburgs Geschäftsführer Stefan Reuter dazu gesagt. „Wenn irgendwo ein Trainer geht, kann sich ja bei uns nicht automatisch was verändern. Man wird sehen, ob in den nächsten Tagen Gespräche stattfinden.“ Weinzierls Vertrag beim FCA läuft immerhin noch drei Jahre, entsprechend teuer dürfte es für Schalke werden.

Weinzierl selbst hat nach dem letzten Saisonspiel gesagt: „Ich bin nicht in der Position, etwas zu verkünden.“ Vielleicht überlegt er es sich ja auch noch mal, ob er wirklich zu einem Verein wechseln will, der als ersten Spieler für die neue Saison einen 33 Jahre alten Innenverteidiger verpflichtet hat, der zuvor beim Tabellenachten gespielt hat.

Perspektive: Der FC Augsburg nimmt sich ein Beispiel an Hertha BSC und erreicht in der nächsten Saison die Europa-League-Qualifikation.

Nur die Tradition rettet Werder Bremen

Werder Bremen. Man kann die gerade zu Ende gegangene Saison der Fußball-Bundesliga ja ohne große Probleme als eindeutiges Misstrauensvotum gegen Tradition lesen. Hannover (Tradition seit 1896) – sang- und klanglos abgestiegen. Stuttgart (Tradition seit 1893) – abgestiegen. Eintracht Frankfurt (Tradition seit 1899) – auf dem Relegationsplatz gelandet. Stattdessen: Rasenballsport Leipzig (Tradition seit 2007) – aufgestiegen, um zu bleiben.

Tradition ist das, was dich lähmt und blockiert, dieses ewige „Weißt du noch“-Gerede, das dir in der Gegenwart nicht weiterhilft. Aber Tradition ist eben auch, wie der Fernsehreporter Hansi Küpper einmal (über Borussia Mönchengladbach) gesagt hat, „wenn ein Verein in den Siebzigern Titel holt, sich in ganz Deutschland in die Herzen der Fans spielt, dann Jahrzehnte keinen Titel holt und dann mit 10.000 (Fans) in Rom (zum Europapokalspiel) ankommt und Italien die Welt nicht mehr versteht“. Tradition ist auch, was in den vergangenen Wochen in Bremen passiert ist (und was es in Hoffenheim, Ingolstadt, Wolfsburg oder Leipzig in einer ähnlichen Situation eben nicht geben wird – zumindest nicht in den nächsten hundert Jahren).

Das ist Leidenschaft. Anthony Ujah feiert Werders Klassenerhalt.
Das ist Leidenschaft. Anthony Ujah feiert Werders Klassenerhalt.Foto: dpa

Bei jedem der letzten drei Heimspiele wurde die Mannschaft bei der Anfahrt zum Weserstadion von einer grün-weißen Wand in Empfang genommen. Die greenwhite Wonderwall hat allen Spielern noch einmal gezeigt, was Werder der Stadt Bremen bedeutet. Liebe Hoffenheimer, man nennt es Leidenschaft.

„Was zwischen dem SV Werder und der Stadt Bremen in den letzten Wochen passiert ist, könnte sogar stilbildend sein, es ist vielleicht der erste Klassenerhalt der Bundesliga-Geschichte, der auf den Tribünen errungen wurde – und nicht auf dem Rasen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. „In Bremen haben die Fußballer bei den letzten drei Heimspielen – die sie allesamt gewinnen mussten, um die erste Liga zu sichern – von einer einmaligen Atmosphäre profitiert.“ Und weiter: „Es mag pathetisch klingen, aber das überstandene Herzschlag-Finale des letzten Spieltages, die Rettung in fast allerletzter Sekunde, das 1:0 gegen Eintracht Frankfurt, gehört größtenteils diesem Bremer Publikum. Ist so.“

Perspektive: Auch in der nächsten Saison wird es die #greenwhitewonderwall wieder geben.

Darmstadt 98 oder das Ende der Romantik

Darmstadt 98. Wofür taugt der SV Darmstadt 98 nach dieser Saison? Als Beleg dafür, dass Romantik auch im knallharten Fußballbusiness noch möglich ist? Oder dafür, dass es eben doch keine Romantik mehr gibt?

Den Klassenerhalt der Darmstädter hätte es natürlich im Jahr 2016 nie und nimmer geben dürfen. Das wäre ja in etwa so, als würde in England, sagen wir, Leicester City Meister werden. Das kleinste (marodeste, unbequemste) Stadion, der geringste Etat, eine Mannschaft aus lauter Aussortierten (Ich sage nur: Sandro Wagner!). Ich gestehe, ich habe Darmstadt auch unter die drei Absteiger getippt - und gehofft, dass es anders kommen würde.

Alles für Darmstadt. Sandro Wagner hat seinen Job erledigt - und zieht jetzt weiter.
Alles für Darmstadt. Sandro Wagner hat seinen Job erledigt - und zieht jetzt weiter.Foto: dpa

Aber der Weg des Teams war vorgezeichnet: von Greuther Fürth, Eintracht Braunschweig und dem SC Paderborn, die in den vergangenen Jahren unter ähnlichen Voraussetzungen in die Bundesliga aufgestiegen waren. Was allerdings weitgehend unberücksichtigt geblieben ist: Die Darmstädter haben aus den Erfahrungen ihrer Vorgänger gelernt. Sie haben nicht - aus falsch verstandener Dankbarkeit - auf die Aufstiegself vertraut, sondern die Mannschaft im Rahmen ihrer eingeschränkten Möglichkeiten vernünftig verstärkt. Raikovic, Caldirola, Rausch, Niemeyer, Wagner - für Darmstädter Verhältnisse waren und sind das alles überragende Verstärkungen gewesen. Für jemanden wie Dominik Stroh-Engel, den Helden der Aufstiegssaison, war da, ganz unsentimental, leider kein Platz mehr.

Und damit ist es mit der 11-Freunde-müsst-ihr-sein-Romantik auch schon vorbei. Die Helden des Nichtabstiegs möchten sich jetzt auch mal regelmäßig in schönen Kabinen umziehen und vor allem ein paar Euro mehr verdienen. Christian Mathenia wird lieber zweiter Torhüter beim HSV, als in Darmstadt regelmäßig zu spielen, und Sandro Wagner, dem die 98er viel zu verdanken haben, der aber auch den 98ern viel zu verdanken hat, zieht es hinaus in die weite Welt. Selbst über den Verbleib von Trainer Dirk Schuster wird spekuliert.

Perspektive: Schuster bleibt, wird wieder ein paar Aussortierte von anderen Klubs aufspüren – und am Ende steigt Darmstadt ab. Was denn sonst?

TSG Hoffenheim: Die neue graue Maus der Liga

TSG Hoffenheim. Die Graumäusigkeit im deutschen Fußball hat einen neuen Namen. Sie heißt jetzt TSG Hoffenheim. (Oder ist das jetzt eine Beleidigung für den VfL Bochum.) Und vielleicht ist das das Beste, was dem Klub passieren kann: dass er dem breiten Publikum einfach egal ist. Die Tendenz ist in den vergangenen Jahren bereits zu beobachten gewesen, die zunehmende sportliche Belanglosigkeit dürfte diesen Trend weiter verstärken – vor allem aber der Aufstieg von Rasenballsport Leipzig, der für alle Romantiker und Nostalgiker nun die Rolle des absoluten Bösen einnehmen wird.

Die Bestellung von Julian Nagelsmann zum neuen Cheftrainer hat immerhin den Totalabsturz der TSG verhindert. Bei seinem Amtsantritt lagen Hoffenheim und Hannover punktgleich am Tabellenende. Wie die Sache ausgegangen ist, ist bekannt. Aber Seine Bestellung war von Anfang an eben auch ein schöner PR-Coup: Seht ihr, wir sind anders, wir trauen uns was! Diese Haltung hat bei den Hoffenheimern ja immer schon mitgeschwungen, von wegen: Ihr blöden Traditionalisten, die ihr nur auf den ausgelatschten Pfaden unterwegs seid, ihr seid einfach unfähig zu Innovationen. Besonders innovativ ist es allerdings auch nicht, mit dem vielen Geld von Dietmar Hopp immer im (meist unteren) Mittelfeld zu landen.

Zeit für leise Töne. Julian Nagelsmann hat die TSG gerade so vorm Totalabsturz gerettet.
Zeit für leise Töne. Julian Nagelsmann hat die TSG gerade so vorm Totalabsturz gerettet.Foto: dpa

Irgendwie ist es ja bezeichnend, dass sich die Hoffenheimer die weitere Zugehörigkeit zur Bundesliga vor einer Woche durch eine 0:1-Niederlage beim abgeschlagenen Tabellenletzten Hannover 96 gesichert haben. Und dass sie zum Saisonabschluss vor ihrem Klatschpappenpublikum eine 1:4-Niederlage gegen Schalke 04 kassiert haben.

Hoffenheim mag viele schöne Ideen haben; aber wer einmal in Sinsheim im Stadion war, weiß, dass Hoffenheim eines nicht hat: echte Leidenschaft für den Fußball. Deshalb wird der Klub immer wieder viele junge talentierte Fußballer in seinen Reihen haben, die aber irgendwann merken, dass sie vielleicht doch noch mal etwas anderes erleben wollen - das wahre (Fußballer-)Leben. Es ist ja kein Zufall, dass gerade über den Weggang von Kevin Volland, Niklas Süle und Sebastian Rudy spekuliert wird.

Perspektive: Wenn es blöd läuft, könnte Julian Nagelsmann schon bald zum jüngsten Ex-Trainer der Bundesligageschichte werden und von Armin Veh abgelöst werden.

Wenn die Frankfurter schon den Ball nicht ins Tor schießen...
Wenn die Frankfurter schon den Ball nicht ins Tor schießen...Foto: REUTERS

Eintracht Frankfurt. Angesichts der personellen Überschneidungen weiß man gar nicht so genau, ob es sich bei Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart nicht in Wirklichkeit um ein und denselben Verein handelt. Wo war Armin Veh in dieser Saison noch mal Trainer? Bei der Eintracht? Oder doch beim VfB? Ist er in Frankfurt zurückgetreten und in Stuttgart entlassen worden? Oder war es umgekehrt? Und wenn der Klassenerhalt über die Relegation doch noch klappen sollte, kommt als Nachfolger von Heribert Bruchhagen dann Fredi Bobic, der vorher beim … richtig … VfB Stuttgart gearbeitet hat.

Ja, wenn die Eintracht den Klassenerhalt schafft. Am Samstag in Bremen haben die Frankfurter quasi in letzter Minute die direkte Rettung noch verspielt, nachdem sie sich zuvor mit drei - recht glücklichen - Siegen, überhaupt erst in eine Position gebracht hatten, die ihnen vor ein paar Wochen noch niemand zugetraut hätten. Im Blog G, dem Eintracht-Blog der "Frankfurter Rundschau", heißt es über die Niederlage gegen Werder: "Eintracht Frankfurt verliert in Bremen fast zwangsläufig mit 0:1 und muss jetzt gegen Nürnberg beweisen, dass man mehr kann, als sich hinten rein zu stellen und Bälle in der Vorwärtsbewegung zu verlieren." Einfach wird das nicht. Der 1. FC Nürnberg ist staatlich anerkannter Relegationsspezialist. Seitdem die Relegation zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweiten Liga wieder eingeführt worden ist, ist der Club einmal auf diesem Wege (gegen Energie Cottbus) in die Bundesliga aufgestiegen und hat im Jahr darauf ebenfalls über die Relegation (gegen den FC Augsburg) den Klassenerhalt geschafft.

Es hätte die Frankfurter definitiv besser treffen können. Oder wie ein User bei Blog G schreibt: "Nürnberg gehört abgeschossen. (Also 1-1 in Nürnberg und 0-0 zu Hause)". Immerhin besteht die realistische Chance, dass Alex Meier von Anfang an spielen kann. "Auf jeden Fall wird er uns helfen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

Perspektive: Relegation gegen Nürnberg? (Frei nach Fritz von Thurn und Taxis) Uiuiuiuiuiui.

VfB Stuttgart: Wie lange hält sich Robin Dutt?

VfB Stuttgart. Zeiten des Abstiegs sind keine Zeiten für Differenzierungen. Zeiten des Abstiegs sind Zeiten der einfachen Wahrheiten: Versager! Dilettanten! Alle weg! Beim VfB Stuttgart hat es nicht einmal 24 Stunden gedauert, bis von den Entscheidungsträgern aus der ersten Reihe zwei Drittel ihr Amt respektive ihren Job los waren. Trainer Jürgen Kramny – Ex-Trainer! Präsident Bernd Wahler – Ex-Präsident! Und Sportdirektor Robin Dutt? Immer noch Sportdirektor. Oder sollte man besser schreiben: Bald-Ex-Sportdirektor? Stand Montag, 16. Mai 2016, 10.58 Uhr, ist Dutt immer noch im Amt. Er „klammert sich verbissen an seinen Job“, schreibt die Deutsche Presse-Agentur.

Die Tränen des Sportdirektors. Robin Dutt steht beim VfB Stuttgart mehr denn je in der Kritik.
Die Tränen des Sportdirektors. Robin Dutt steht beim VfB Stuttgart mehr denn je in der Kritik.Foto: dpa

Wenn man unter den Anhängern des VfB in der vergangenen Woche eine Umfrage gemacht hätte, wer im Falle des Abstiegs als erstes weg müsste, hätten wahrscheinlich 100,7 Prozent für Dutt votiert. Der Mann hat einfach keinen guten Leumund. Was hat er denn in seiner Karriere gerissen? Ein gutes Jahr beim SC Freiburg als Trainer, okay. Und dann? Als Trainer in Leverkusen – gescheitert. Als Sportdirektor beim DFB – nicht weiter positiv aufgefallen. Als Trainer in Bremen – gescheitert. Als Sportdirektor beim VfB – gescheitert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Dutt dem Fußballestablishment einfach auch ein bisschen zu vergeistigt vorkommt, dass ihm der Schweiß-und-Rasen-Geruch fehlt, der im deutschen Fußball ja immer noch als Qualitätsmerkmal gilt.

Tatsache ist: Der Niedergang des VfB hat nicht mit Dutts Amtsantritt begonnen. Dutt hat ihn – je nach Blickwinkel – nur konsequent zu Ende geführt oder ihn nicht stoppen können. „Schon seit Jahren versucht der VfB hartnäckig mit seiner ihm eigenen Mischung aus Inkompetenz und Selbstüberschätzung den Abstieg zu schaffen“, schreibt „Zeit online“. „Dieses Mal hat es geklappt.“ Dutt hat dazu am Sonntagabend in der Sendung „Sport im Dritten“ des SWR gesagt: „Der VfB ist die letzten vier, fünf Jahre immer kontinuierlich weiter an den Abgrund gekommen. Ich bin seit letztem Jahr da. Und natürlich fühlt es sich so an, als wenn alles an mir abgeladen wird.“

Versuchen wir uns also mal an einer nüchternen Bilanz. Mit seinen Trainerentscheidungen – Alexander Zorniger und Jürgen Kramny – lag Dutt komplett daneben. Seine Spielertransfers waren so verkehrt nicht. Die Spieler, die von den Fans selbst im Untergang noch gefeiert wurden, sind fast alle von Dutt geholt worden: Kevin Großkreutz, Serey Dié, Lukas Rupp. Trotzdem wird Dutt es schwer haben, nicht von der nächsten Welle mitgerissen zu werden - zumal mit Horst Heldt ein alter VfB-Held (oder auch VfB-Heldt) nach seinem Ausscheiden bei den Schalkern als möglicher Nachfolger zumindest auf dem Markt ist. (Vielleicht wird ja dann Armin Veh auch wieder Trainer; der VfB ist – zumindest in der nächsten Saison – kein Abstiegskandidat.) Selbst die Vertragsverlängerungen von Christian Gentner und Daniel Ginczek sind Dutt nicht gut geschrieben worden, weil er sie zu offensichtlich zur eigenen Profilierung genutzt hat: Seht her, jetzt da der Abstieg fast feststeht, habe ich zwei Leistungs- und Sympathieträger zum Bleiben bewegen können. Angeblich haben Gentner und Ginczek ihre neuen Verträge schon vor Wochen unterschrieben, als der VfB so gut wie gerettet schien.

Perspektive: Robin Dutt wird den Saisonstart in der Zweiten Liga nicht im Amt erleben. Guido Buchwald, Karl Allgöwer oder Hansi Müller werden Sportdirektor. Der VfB steigt nächste Saison wieder auf und zieht im Jahr darauf in den Europapokal ein.

Trüber Blick, trübe Aussichten. Nach 14 Jahre muss Hannover 96 zurück in die Zweite Liga.
Trüber Blick, trübe Aussichten. Nach 14 Jahre muss Hannover 96 zurück in die Zweite Liga.Foto: dpa

10.30 Uhr - Das war es jetzt also schon wieder. Die Saison 2015/16 der Fußball-Bundesliga ist Geschichte. Eine Saison, die Geschichte geschrieben hat. Weil Robert Lewandowski in neun Minuten so viele Tore geschossen hat wie der FC Ingolstadt in einer kompletten Halbserie, weil der Hamburger SV keinen einzigen Trainer rausgeschmissen hat (sondern nur einen Sportdirektor) und der SV Darmstadt 98 bewiesen hat, dass er doch nicht die Fortsetzung von Greuter Fürth, Eintracht Braunschweig und dem SC Paderborn mit den gleichen Mitteln ist. Auch wenn die Relegation – Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Nürnberg – noch aussteht: Es ist Zeit eine finale Bilanz zu ziehen. Dies ist die erste basisdemokratische Ausgabe dieses Blogs. Heute spielen die persönlichen Vorlieben des Autors zumindest bei der Themenauswahl einmal keine Rolle; heute haben alle 18 Klubs das gleiche Recht, durch den Kakao gezogen zu werden. In tabellarischer Reihenfolge, von ganz unten bis ganz oben.

Hannover 96. Hat alle Erwartungen erfüllt. Wer sich in der vergangenen Saison gerade so vor dem Abstieg gerettet hat, anschließend seinen besten Spieler (Lars Stindl) verliert, seinen besten Torjäger (Joselu) verkauft, dazu freiwillig ein entwicklungsfähiges Mittelfeldtalent (Leonardo Bittencourt) gehen lässt und sich nicht mal ansatzweise um adäquaten Ersatz bemüht - mit welchem Ziel geht ein solcher Verein in die neue Saison? Vorletzter zu werden? Hat leider nicht geklappt.

Es war aber auch eine top Idee, die Planung für die neue Saison einem Sportdirektor zu überlassen, dem man schon vorher mitgeteilt hatte, dass er ein paar Wochen später seinen Posten zu räumen hat. Konsequent immerhin, den Job anschließend mit jemandem zu besetzen, der mit dem 1. FC Nürnberg schon über einschlägige Abstiegserfahrung verfügt - und immerhin eine 50-prozentige Wiederaufstiegsquote hat. Wie sehr der allmächtige Präsident Martin Kind Martin Bader vertraut, zeigt ja die Tatsache, dass er auf der Einstellung eines zusätzlichen Sportdirektors besteht. Immerhin kennt sich Bader in der neuen Spielklasse aus. Gleich nach Saisonende hat er zwei Spieler aus der Zweiten Liga verpflichtet. Vom FC St. Pauli wechselt Mittelfeldspieler Sebastian Maier nach Hannover. Der 22-Jährige verfügt über die Erfahrung von 93 Zweitligaspielen und kommt ablösefrei. Innenverteidiger Florian Hübner, 25, hat für den SV Sandhausen gespielt und 65 Einsätze in der Zweiten Liga vorzuweisen. Der Vertrag mit dem bisherigen Ersatztorhüter Samuel Radlinger wurde verlängert. Der 23 Jahre alte Österreicher soll wohl als neue Nummer eins Ron-Robert Zieler ersetzen.

Noch topper als die Verpflichtung Baders war die Idee, Thomas Schaaf im Winter zu verpflichten. Einen Mann, der mit jeder Pore Zuversicht ausstrahlt - und der dann von elf Spielen zehn gut gelaunt verloren hat, so dass der Abstieg gefühlt schon Mitte Februar feststand. Und am toppesten war die Transferpolitik in diesem Winter. Ich sage nur: Hugo Almeida! Es hat jedenfalls schon Abstiege gegeben, die weniger verdient waren als dieser.

Perspektive für die neue Saison: Martin Kind wird die letzten Vereinsanteile übernehmen, die ihm noch nicht gehören - und damit endgültig zum Alleinherrscher aufsteigen. Sind ja jetzt billig zu haben.

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