Vor dem Spiel gegen Fürth : Union Berlin: Wechseln ist gut, Vertrauen ist besser

Jens Keller hält auch nach Rückschlägen wie zuletzt gegen Heidenheim an seinen Stammspielern fest. Gegen Fürth muss Unions Trainer nun aber verletzungsbedingt umbauen.

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Freund der Stammelf. Jens Keller hält Veränderung nur für die zweitbeste Option.
Freund der Stammelf. Jens Keller hält Veränderung nur für die zweitbeste Option.Foto: dpa

Schick essen gehen wäre eine Option gewesen. Oder ein Städtekurztrip. Barcelona vielleicht. Jens Keller mochte nichts von alledem unternehmen, der Trainer des 1. FC Union Berlin tourte vergangenes Wochenende lieber durch die deutsche Fußball-Landschaft, um potenzielle Neuzugänge zu sichten. „Wir wollen auch in Zukunft eine schlagkräftige Truppe beisammen haben, da kann es nicht schaden, sich ständig Gedanken zu machen“, sagt er. Wo genau er war und wen er dort beobachtete, wollte der 46-Jährige nicht verraten.

Einmal noch müssen Unions Fußballer in diesem Jahr spielen, am Freitag kommt Greuther Fürth ins Stadion an der Alten Försterei (18.30 Uhr/live bei Sky), dann ist die Hinrunde beendet. Eine sehr erfolgreiche sogar. Union gehört seit Wochen zur Spitzengruppe der Zweiten Liga und wird das kommende Jahr als einer von mehreren Aufstiegsaspiranten angehen.

Die Mannschaft hat überzeugt, und so sind keine großen Veränderungen während der Winterpause vorgesehen. Kellers Sichtungsausflug galt „der etwas ferneren Zukunft“, wie er sagt. Wenn überhaupt, dürfte sich der 29 Mann umfassende Kader in den nächsten Wochen eher reduzieren. Unions Trainer hatte zuletzt mehrere Einzelgespräche geführt und den betroffenen Spielern ihre Situation erklärt. Spielern wie Christopher Quiring oder Adrian Nikci. „Wir schicken niemanden vom Hof, wir respektieren Verträge, aber jeder muss sich jetzt selbst fragen, ob es noch Sinn macht, hier zu bleiben“, sagt Keller. Vor allem Nikci gilt als Streichkandidat, weil der Trainer sich mit dessen Arbeits- und Trainingseinstellung wiederholt unzufrieden zeigte. Nach zwei Startelfeinsätzen zu Saisonbeginn durfte der Mittelfeldspieler nicht mehr aufs Feld.

Es braucht drei schlechte Spiele, bevor Keller reagiert

Stärker als seine Vorgänger setzte Unions Trainer auf eine Stammelf, an seiner bevorzugten Formation änderte Keller nur wenig. Im Grunde sind neun von elf Positionen vergeben. Nur im defensiven Mittelfeld wechselten sich Stephan Fürstner und Dennis Daube ab. Letzterer wird nach seiner Schulterverletzung in Heidenheim am Montag operiert werden und ist gegen Fürth definitiv nicht dabei, genau wie Philipp Hosiner nach seinem Lungenkollaps. Fabian Schönheim ist wegen muskulärer Probleme fraglich.

Auf links war zuerst Kenny Prince Redondo als Offensivkraft gesetzt, jüngst übernahm aber der immer stärker werdende Simon Hedlund dessen Rolle. „Ich bin jemand, der Spielern Vertrauen gibt. Bei mir wird niemand nach einem schlechten Spiel sofort ausgetauscht, da braucht es schon drei bis vier Spiele“, sagt Keller. Davon profitierten Steven Skrzybski, Collin Quaner und Christopher Trimmel, die alle jeweils ihre beste Halbserie im Trikot des 1. FC Union spielten. Die gegenteilige Gefühlswelt erlebten Eroll Zejnullahu, Sören Brandy, Emanuel Pogatetz oder die länger verletzten Raffael Korte und Benjamin Kessel. Kessel, vergangene Saison noch Kapitän, wird sich frühestens wieder zur Rückrunde empfehlen können.

Auch nach dem schwachen Auftritt in Heidenheim kündigt Keller an, wenig an der Aufstellung ändern zu wollen. „Wir haben jetzt seit Saisonbeginn ein schlechtes Spiel über 90 Minuten gemacht, mehr nicht. Da haben sich alle die Chance zur Wiedergutmachung verdient.“ Angesprochen auf Kessel oder auch Korte sagt Keller: „Ob Spieler, die lange verletzt waren, jetzt so die Impulse geben, ist zumindest fraglich.“ Jens Keller scheut die Veränderung nicht, er hält sie nur lediglich für die zweitbeste Lösung. Kontinuität geht vor. Bisher hat er mit dieser Sichtweise richtig gelegen.

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