Willmanns Kolumne : Bayern München zerstört die Bundesliga

Die Bayern sind die Vampire des deutschen Fußballs, Marco Reus wird ihr nächstes Opfer werden. Nur RB Leipzig kann künftig mithalten - wir Fans anderer Vereine sind die Deppen.

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Viel Geld, viele Sterne: Bayern München.
Viel Geld, viele Sterne: Bayern München.Foto: dpa

Die Bundesliga ist gestartet. Wir haben uns nicht sehr amüsiert. Der künftige Deutsche Meister Bayern München hat sein erstes Spiel gewonnen. Die siebzehn anderen Mannschaften haben derweil in der Brabbelgruppe der Bundesliga Platz genommen. Auch UU genannt. Unser Urlaubsdorf. Die Spieler werden fürstlich bezahlt, uns im Stadion und vor der Glotze zu unterhalten. Beziehungsweise für den Versuch, uns zu unterhalten. Früher gelang ihnen das manchmal. Doch die Zukunft lässt uns Böses ahnen. Bayern München bläst das Alphorn der ewigwährenden bayrischen Bundesliga-Diktatur. Die lebende Lobbyschaukel Kaiser Franz hat neulich verkündet, der Marco Reus würde den Bayern auch gut zu Gesicht stehen. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen auch. Wie auch alle anderen deutschen Spitzenkicker. Neben auch allen zukünftigen deutschen Spitzenkickern. DAS Beckenbauer wurde im Spätsommer im fernen Amerika zum Bayern-Propagandachef modifiziert. Nachdem ES erfolgreich das Image des Energiekonzern Gazprom aufgehübscht hat, ist nun Bayern in Amerika dran. Ob MAN dort auch über die Situation in der Ukraine gesprochen hat? Es ging sicher nur um Fußball. Ich schwöre. Der Rest sind Unterstellungen.

Fußballdeutschland ist neben der Nationalelf nur der FC Bayern

Marco Reus wird der nächste sein, der den Vampiren in die Hände fällt. Glamour. Unendlicher Glamour als Tarnung. Fußballdeutschland ist neben der Nationalmannschaft einzig der FC Bayern. Alle anderen Teams sind hoffnungslose Stehgeiger. Keine Fabergéeier in der Hose. Keinen Saft auf der Batterie. Erfolg macht sexy. Nur Leistung zählt. Nicht umsonst hopsen viele Millionen frohgemuter Bayernfans im Freudentaumel vor der Glotze. Selbstverständlich haben sie nie das Münchner Stadion von innen gesehen. Immer diese altmodischen Spitzfindigkeiten. In dreißig Jahren ist der Stadionbesuch in München ein Privileg der Elite, der zahlungskräftigen, versteht sich.

Die grünspanige Bundesliga der Gründungsväter funktioniert über den Wettbewerb. Daraus zieht sie auch heute ihre Spannung. Verflüchtigt sich die Neugier in die Wälder, gerät das Produkt Bundesliga ins Wanken. Es zittert, brodelt, es wird Vulkan. Der bricht irgendwann aus und spuckt seinen giftigen rotweißen Odem in die Atmosphäre. Will das der FC Bayern? Ist das zielführend? Offensichtlich. Die  Zukunft heißt Wachstum. Die Bundesliga ist für eine globale Marke unbedeutend, ein netter Beifang. Eine globale Marke muss global auftreten. Da genügt der deutsche, ach was der europäische Markt, längst nicht mehr. Das ist eine komplizierte Geschichte. Bedarf muss etabliert werden. In den Köpfen der Konsumenten. Es soll ja schließlich viel Geld fließen. Der Mond ist noch nicht besiedelt, vom Mars wollen wir nicht sprechen. Bleibt dem FC Bayern die gute Mutter Erde. Und wo ist aller Geschäfte Anfang? Im Land der Freien und Braven. Soweit so schön, so unschön.

Wie kann man das Monster Bayern zur Strecke bringen?

Wahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Bedrängnis droht der bayerischen Schreckgestalt ausgerechnet von einem Zweitligisten. Hinter dem ein echter Global Player steht. Nicht Dortmund, Schalke oder Hamburg in ihrer gegenwärtigen Gestalt stellen Todesgefahr dar. Einsetzbare Finanzkraft weist einzig RB Leipzig auf. Die Sachsen stehen auf Platz eins der 2. Liga. Sie werden sich diese Chance nicht nehmen lassen. Nur deshalb hat Uhrensammler Rummenigge Financial Fairplay für die Bundesliga gefordert. Drei Tage später warf der FCB via Kaiser Franz die Schlinge nach Reus aus. In München weiß die Linke sehr genau, was die Rechte tut. Zu Zeiten des Alten Schamanen ULI gelang es noch, mit großem Operettengewitter die Massen zu bezaubern. Autokraten wie Rummenigge oder Beckenbauer sind keine größenwahnsinnigen Volkstribune. Ihre Gewitter sind aus Stahl. Wenn sie niedergehen, bleibt nur verlorene Landschaft, wie gegenwärtig beim Supercupgewinner Borussia Dortmund zu erkennen.

Wie kann man das Monster zur Strecke bringen? Der FCB profitiert im Bayernparadies Deutschland wie kein anderer Verein von der 50+1-Regel. Die nebenher gegen EU-Recht verstößt, da sie den Wettbewerb beschneidet. Nur eine Abschaffung der Regel setzt neues Kapital frei. Das würde freilich den DFB in seinen Grundfesten erschüttern, der sich immer noch für den Gralshüter des deutschen Vereinsfußballs hält. Ist er natürlich längst nicht mehr, der Profifußball kommt sehr gut ohne ihn aus. Und trifft seine Entscheidungen allein. Der DFB ist die Narrenkappe des Fußballs, mehr nicht. Wo Mitglied Willmann noch über die Farbe der Bockwurst mitentscheiden darf. Hannover und der FSV Frankfurt setzten bisher die Säge an die 50+1-Regel, doch ihre Anträge wurden vom Ligaverband abgelehnt. Kommt es zur Dauerdominanz der Bayern in der Gelddruckmaschine Bundesliga, wird sich das ganz schnell ändern.

Und was bleibt Vögeln wie mir, die ihr Herz an einen unterklassigen Verein verloren haben? Uns einzig wahren Fußballromantikern bleiben die Nischen abseits des großen Sports. Dort sind wir bestens aufgehoben, und können an unserem eigenen Fußball basteln. Natürlich müssen dafür wir in nächster Zeit ein paar Revolutiönchen hinlegen. Dass unserer abgehalfterten Vereine jemals eine Rolle im großen Zirkus spielen werden, können wir uns jedenfalls hinter den Kachelofen stecken.

 

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