WM 2014 - Deutschland im WM-Finale : Berlin böllert und hupt - Ku'damm wird zur Fanmeile

Ungläubiges Staunen allerseits. Deutschland zerlegt Brasilien im WM-Halbfinale. Auf der Fanmeile wird das Public Viewing zum Volksfest, rund um den Ku'damm legen 11.000 Fans alles lahm. Ein denkwürdiger Tag im WM-Blog.

von , und David-Emanuel Digili
Kein deutscher Sieg ohne Autokorso. Auf dem Kurfürstendamm herrscht wieder Ausnahmezustand. Foto: Cay Dobberke
Kein deutscher Sieg ohne Autokorso. Auf dem Kurfürstendamm herrscht wieder Ausnahmezustand.Foto: Cay Dobberke

07.25 Uhr: Und zum Ende dieses Blogs das Résumé der Polizei in Berlin nach einer denkwürdigen, durchfeierten Nacht: 11.000 Fans haben in der City-West rund um den Ku'damm gefeiert - und einen Autokorso, der dort auch wild hupend feiern wollte, ziemlich schnell zum Auto-Stau gemacht. Dabei ist es aber insgesamt friedlich geblieben, der Polizeisprecher nennt nur vereinzelt "ungezielte Flaschenwürfe". Allerdings hat dann eine Flasche dann eine Polizistin getroffen und verletzt, so dass sie ihren Dienst vorzeitig beenden musste. Darüber hinaus hat es offenbar aber keine Vorfälle gegeben - jetzt wird gespannt auf's Finale gewartet.

01.55 Uhr: Und das war es von diesem unglaublichen WM-Tag. Die deutsche Mannschaft spielt Brasilien an die Wand, über das 7:1 wird sicher noch sehr lange geredet werden. Zunächst mal am Mittwoch, dann sind wir wieder mit allen Nachrichten rund um das Turnier für Sie von früh bis spät da. Bis dahin eine gute Nacht!

01.35 Uhr: Am Kurfürstendamm wird derweil weiter gehupt. Ab Uhlandstraße ist zwar alles für die feiernden Fußgänger gesperrt, aber der kluge Autokorso-Teilnehmer verlagert seine Ehrenrunde dann eben auf andere Straßenzüge. Richtung Olivaer Platz sind nach ein Uhr immer noch mehrere hundert Autos unterwegs, berichtet Cay Dobberke.

01.30 Uhr: Im Finale könnte Deutschland auf Argentinien treffen. Die Mannschaft von Alejandro Sabella spielt am Mittwoch gegen Holland im zweiten Halbfinale. Der Trainer zeigte sich vom deutschen Sieg mächtig beeindruckt: "7:1 ist ein enormes Ergebnis zwischen zwei Mächten im Weltfußball, das passiert selten, das ist kein normales Ergebnis. Im Fußball muss man damit zurechtkommen, diese Dinge passieren, das kann man nicht vorhersehen. Deshalb ist Fußball der unlogischste Sport der Welt und das macht ihn auch so wunderschön." Ob Sabella mit seiner Mannschaft der deutschen deswegen jetzt lieber aus dem Weg gehen möchte?

01.25 Uhr: Wer noch Lust auf sachliche Analysen hat, dem sei die Einzelkritik unseres WM-Reporters Michael Rosentritt ans Herz gelegt (siehe Bildergalerie unten). Zu mäkeln gab es diesmal allerdings nicht wirklich viel - wäre ja auch merkwürdig, oder?!

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik
Die deutsche Startelf gegen Brasilien. Es ist ein Team, das an diesem 8. Juli WM-Geschichte schreiben wird. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dpa
09.07.2014 01:24Die deutsche Startelf gegen Brasilien. Es ist ein Team, das an diesem 8. Juli WM-Geschichte schreiben wird.

00.55 Uhr: Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari hat das 1:7-Halbfinal-Debakel gegen Deutschland auf seine Kappe genommen. "Das ist die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche", sagte der 65-Jährige am Dienstagabend bei der Pressekonferenz in Belo Horizonte. Und ergänzte: "Dem brasilianischen Volk möchte ich sagen: Bitte entschuldigt diese Niederlage!". Scolari erschien mit roten Augen, wahrte aber die Fassung, berichtet dpa. "Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter". Zu seiner Zukunft sagte er nichts, meinte aber: "Vielleicht wird es in die Geschichte eingehen, dass ich die schlimmste Niederlage für Brasilien zu verantworten habe."

00.50 Uhr: Boris Büchler und Per Mertesacker haben sich auch wieder lieb. Gerade eben im ZDF-Interview gab es nur freundliche Worte und ein entspanntes Gesicht beim Abwehrspieler.

00.40 Uhr: Auch Jürgen Klinsmann ist stolz auf die deutsche Mannschaft - und vielleicht auch ein bisschen auf seine eigene. Mit Team USA hat er ja nur 0:1 gegen Deutschland verloren.

00.30 Uhr: Am Kurfürstendamm hat sich der übliche Autokorso gebildet. Mittendrin ist wieder unser Reporter Cay Dobberke. Er berichtet von Jubelszenen, die das Niveau des Frankreich-Spiels erreicht haben - Dienstag um Mitternacht. Allerdings ist die Polizei diesmal in voller Kampfmontur anwesend - anders als zuletzt. Mit dem Auto kommt man auch gar nicht voran, es wimmelt von Menschen auf der Straße.

Stilecht gejubelt. Sogar das Lenkrad ist Schwarz-Rot-Gold. Foto: Cay Dobberke
Stilecht gejubelt. Sogar das Lenkrad ist Schwarz-Rot-Gold.Foto: Cay Dobberke

00.10 Uhr: Es ist wie Silvester in Berlin. Schon während des Spiels hörte man vereinzelt Kracher, doch nach dem Schlusspfiff knatterte, rummste und zischte es richtig los in der Stadt. Und auf der Bühne am Brandenburger Tor  wurde noch eine Zugabe angestimmt – „Steh auf, mach laut“ –, doch während die einen noch begeistert mitsangen, zog es die anderen schon nach Hause. „Starker Abstrom“ meldete die Polizei kurz nach dem Spiel. „Alle glücklich, alle freuen sich“. Stress: Keiner. Wen man auch fragte: Zufriedenheit. „Das war ein wunderbares Spiel und die Stimmung auf der Fanmeile sehr angenehm. Am Sonntag gerne nochmal genauso“, „wünschte sich Nadia (26) aus München. Und der 70-jährige Horst aus Wedding begeisterte sich: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Wahnsinn, wie die spielen!“ Spott über die glücklosen Brasilianer? Kein Gedanke. „Natürlich war es ein gutes Spiel, aber fast ein wenig langweilig. Und die Brasilianer tun mir jetzt echt leid“ sagte Julia (19) aus Magdeburg. Ähnlich sah es der 21-jährige Malte: „Gottseidank haben sie noch das eine Gegentor schießen dürfen, die armen Brasilianer.“

00.00 Uhr: Schluss in Belo Horizonte! Deutschland gewinnt 7:1 gegen Brasilien und steht im WM-Finale! Lesen Sie hier den Spielbericht unseres WM-Reporters Michael Rosentritt.

23.40 Uhr: Auf der Fanmeile wird der Jubel langsam zur Routine. Noch ein Tor. Hände werden über dem Kopf zusammengeschlagen. Man lacht, irgendwie fast ungläubig. Es gibt kaum noch eine Steigerung in der Geräuschkulisse, nur noch gleich bleibender Dauerjubel, ein ausgelassenes Volksfest auf der Straße des 17. Juni. Gleiches Bild im Yaam, brasilianische Farben sieht man dort kaum noch. Die deutschen Fans natürlich in Hochstimmung, auch wenn sie die Fließband-Tore ebenfalls kaum noch fassen können. „Das kann doch nicht wahr sein“, spricht aus den Gesichtern, bevor die Arme erneut zum Jubel hochfliegen.

Deutschland führt! Auf der Fanmeile jubeln die Massen. Foto: Tassilo Hummel
Deutschland führt! Auf der Fanmeile jubeln die Massen.Foto: Tassilo Hummel

23.30 Uhr: Anders ist die Lage in Brasilien. Über dem Fanfest an der Copacabana in Rio kreisen nun Hubschrauber, schreiben mehrere Nutzer auf Twitter. Die Militärpolizei rücke mit Hundertschaften an. Und als wären sechs deutsche Tore, verärgerte Brasilienfans und eine anscheinend beendete Panik aufgrund von lauten Schüssen auf dem Fanfest der Copacabana nicht genug, setzt nun auch noch ein Platzregen ein. "Nun geht auch der letzte Brasilianer nachhause", heißt es auf Twitter.

23.25 Uhr: Die Polizei ist auf der Fanmeile in Berlin, hat aber nicht viel zu tun. „Nur das Übliche: ein paar Betrunkene, Drogen.“ Aber die Beamten wirken sehr entspannt.

23.20 Uhr: In einer Sambaschule in Tijuca in Rio de Janeiro stellt sich erst Entsetzen, dann Stille und schließlich eine ganz eigenartige Stimmung ein, berichtet unser Brasilien-Korrespondent Philipp Lichterbeck. Der Rückstand ist schon so hoch, dass die etwa 1000 Gäste ihn als unwirklich wahrnehmen. Ein etwa 30 Jahre alter Journalist sagt jedoch: "Gut, dass das Ergebnis so hoch ausfällt. Dann sieht man wenigstens, wie es um unser Land wirklich steht."

23.16 Uhr: Mittlerweile schreiben Besucher des Fanfests an der Copacabana, dass viele den Ort verlassen haben. Weite Strecken der Strandpromenade seien leer.

23.10 Uhr: Auf Twitter berichten derweil mehrere User von einer Massenpanik an der Copacabana in Rio. Dort soll eine laute Explosionen zu hören gewesen sein. Die Menschen seien davongerannt, schrieb ein Twitterer. Die Polizei habe daraufhin Tränengas in die Menschenmenge gefeuert. Inzwischen gibt es aber auch Nachrichten, in denen es heißt, dass sich die Lage wieder beruhigt hat.

23.00 Uhr: Mit dem Mann ist nicht mehr zu reden, keine Chance! Brasilianer offenbar, der nicht mehr antworten kann auf Fragen nach dem Gefühl, dem Spiel und so. Schüttelt nur fassungslos den Kopf. Immerhin, er ist noch da im Yaam, wo zu Beginn des Spiels die Farben Brasiliens ziemlich häufig zu sehen waren, nun aber fast gar nicht mehr. Nach und nach haben sie die Fans des WM-Gastgeberlandes mit hängendem Kopf davongeschlichen, umbrandet vom Jubel der Fans ins Schwarz-Rot-Gold. Auf der Fanmeile ein ähnliches Bild. Die Tore waren so schnell hintereinander erfolgt, dass viele kaum noch mitkamen: Gerade die Wiederholung des dritten Tores gesehen, da schon das vierte. Kann das sein? Passend dazu dann doch das Wetter: Kühl und trocken, geht gar nicht besser.

22.55 Uhr: WM-Reporter Sven Goldmann berichtet, dass die brasilianischen Fans das Stadion in Belo Horizonte in Scharen verlassen. Mal sehen, wie das dann gleich in der zweiten Halbzeit aussieht.

22.35 Uhr: Auf der Fanmeile schallt es natürlich überall "Oh, wie ist das schön! Sowas hat man lange nicht gesehen!" In Belo Horizonte skandieren die Fans derweil Auswärtssieg. Tatsächlich hat es so etwas in einem WM-Halbfinale wohl noch nie gegeben.

22.27 Uhr: 2:0, 3:0, 4:0 und 5:0! Nach einer halben Stunde. So etwas dürfte es bei einer WM noch nicht gegeben haben. Im Stadion von Belo Horizonte kullern Tränen, in Berlin böllert's immer lauter.

22.10 Uhr: Deutschland führt 1:0! Thomas Müller trifft - natürlich nach einer Ecke. Anschließend kommt ein bisschen Silvesterstimmung auf - es böllert in Berlin. Und bei Twitter ist Gary Lineker über den Torschützen kein bisschen überrascht.

21.50 Uhr: Wie gewohnt können Sie natürlich auch das Halbfinale Brasilien gegen Deutschland Spielzug für Spielzug in unserem Live-Ticker verfolgen. Die Kollegen sind schon auf Sendung.

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