WM 2014 : Was ist stärker: Klima oder Mannschaftsgeist?

Unsere WM-Kolumnistin fragt nach den Chancen der Nationalelf. Denn noch nie hat eine europäische Mannschaft in Südamerika einen Titel geholt. Vielleicht eine Plattitüde, aber eben auch Fakt.

Monica Lierhaus
Ein eigenes Trainingslager haben sie bekommen, damit sie sich an das Klima gewöhnen können
Ein eigenes Trainingslager haben sie bekommen, damit sie sich an das Klima gewöhnen könnenFoto: dpa

Auf dem Hinflug nach Brasilien war ich sehr gespannt, was mich dort wohl erwarten würde. Ich war noch nie in Südamerika.

Nach der WM 2006 ist die WM in Brasilien meine zweite WM, die ich vor Ort als Journalistin erlebe. Ich lande in Porto Seguro, in Bahia, direkt an der Atlantikküste. Als die Flugzeugtür aufgeht, ist es heiß, aber keine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Eigentlich ganz angenehm.

Die Kollegen von Sky Sport News HD und ich haben unsere Zelte im „Toko Village“ im Norden der Stadt aufgeschlagen, direkt neben dem Mannschaftsquartier der Schweizer Nationalmannschaft. Ottmar Hitzfeld, der Trainer der „Nati“, war mein erster Interviewgast. Im Gespräch mit mir ist er in Bezug auf die deutsche Nationalmannschaft ganz klar. Auch er ist der Meinung, dass Deutschland es nicht schaffen wird, den Titel zu holen, sondern Brasilien oder Argentinien, wegen der klimatischen Verhältnisse. Kann sein, denke ich, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Warum also nicht hier und jetzt.

Auch die Südamerikaner schwitzen

Seit gut einer Woche bin ich vor Ort und beobachte das Training der Mannschaft und das Treiben rund um das Campo Bahia. Joachim Löw, der zu Beginn noch wegen der Hitze in den frühen Abendstunden trainieren ließ, schickt die Mannschaft jetzt immer um 13 Uhr Ortszeit auf den Platz, damit sie sich an die Verhältnisse beim ersten Spiel gewöhnt. Die Sonne sticht, und es sind locker gefühlt 35 bis 40 Grad. Am Platz, auf der Pressetribüne, gibt es keinen Schatten.

Monica Lierhaus wechselt sich für unsere WM-Kolumne mit Lucien Favre, Frank Lüdecke, Philipp Köster und Cacau ab.
Monica Lierhaus wechselt sich für unsere WM-Kolumne mit Lucien Favre, Frank Lüdecke, Philipp Köster und Cacau ab.Foto: Sky

Es wird eine Herausforderung, bei diesem Klima immer wieder Topleistung abzurufen, das ist klar, aber ich bin sicher, es ist nicht unmöglich. Viele Spieler der südamerikanischen Mannschaften spielen das ganz Jahr über auch nicht hier, sondern bei Top-Klubs in Europa. Sie sind also auch nicht wirklich an das Klima gewöhnt, auch wenn sie in Brasilien oder Argentinien geboren sind.

Was wird also den Ausschlag geben? Als ich Andy Köpke, den Torwarttrainer treffe, gibt es für ihn nur eine Antwort auf die Frage. Es wird nicht die Mannschaft gewinnen, die das Klima besser kennt, sondern das Team, das den besten Mannschaftsgeist und das den besten Zusammenhalt hat.

Die nächste Plattitüde! Oder die nächste Wahrheit? So wie ich die Mannschaft beim Training erlebe und wie sich alles rund um das deutsche Lager anfühlt, glaube ich, dass Deutschland eine große Chance hat, weit zu kommen, wenn das Team gut ins Turnier findet.

Monica Lierhaus ist für ihre Interviewreihe „Meine WM“ für Sky in Brasilien.

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