• Kantine im Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Im Hause Nahles muss niemand Hunger leiden

Kantine im Bundesministerium für Arbeit und Soziales : Im Hause Nahles muss niemand Hunger leiden

Widynski & Roik kochen im Arbeitsministerium professionell und überzeugend. Teil 3 der Serie Kantinen des Regierungsviertels im Test.

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Nichts von Kantinenküche. „Hähnchenbrust in der Gorgonzolakruste“ – auf „Reismix mit Zucchini“. Nur die Soße ist zu dick.
Nichts von Kantinenküche. „Hähnchenbrust in der Gorgonzolakruste“ – auf „Reismix mit Zucchini“. Nur die Soße ist zu dick.Foto: Michael Pöppl

Hinter der Mall of Berlin beginnt der alte Osten. Zwischen den Plattenbauten der Wilhelmstraße suchen amerikanische Touristen im Stadtplan den "Fuhrerbanker". Enttäuschung in ihren Gesichtern, dass hier nichts Gruseliges zu sehen ist, nur eine Gedenktafel erinnert an die Stelle, wo der Bunker war. Gegenüber immerhin liegt das einstige Reichspropaganda-Ministerium, heute das Gebäude des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Ein Schild weist in die kleine Stichstraße.

Neben dem Eingang des BMAS hängt ein Transparent: "Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?" lautet die neueste Kampagne von Ministerin Andrea Nahles. Heute aber soll es vielmehr darum gehen: "Wie wollen wir heute essen?" Der Weg in die Kantine führt am Pförtner vorbei. Ohne Mitarbeiterausweis des Bundestags oder Einladung des Ministeriums läuft allerdings nichts. Die übliche Prozedur sieht mit etwas Glück so aus: Personalausweis abgeben, Besucherausweis "gut sichtbar" anklipsen, am roten Sofa warten – "Sie werden abgeholt". Meterhohe blaugelbe Leuchtkunstkästen sind das einzige schmückende Element in der strengen neuen Eingangshalle des Berliner Architekten Josef Paul Kleihues, der für den Umbau des historischen Gebäudes verantwortlich war.

Auch im Bewirtungsbereich herrscht elegante, skandinavisch anmutende Strenge: Holzvertäfelungen im rötlichen Buchenton, schwarzes Leder auf den Sitzbänken, anthrazitfarbene Tische. Vor der Kantine, die vom Potsdamer Gastro-Dienstleister Widynski & Roik betrieben wird, liegt die Caféteria. Für Eilige sind Croissants und belegte Baguettes, aber auch richtige Stullen im Angebot, etwas versteckt hinterm Tresen lauern Schokotafeln und Müsliriegel. Im großen Raum der Kantine ist es erstaunlich leise, man hört nur das Summen der Tischgespräche. Das ist Teil des Konzepts, die Küche selbst liegt in einem Extraraum, Milchglasscheiben trennen die Ausgabe der Kantine schallgedämpft vom Essensbereich.

Tagesgerichte hinter Glas

Am Eingang zum Buffet sind die Tagesgerichte hinter Glas präsentiert. "Deftiger Linseneintopf mit Wiener Würstchen" für 2,90 Euro steht neben den "Grünen Bandnudeln mit Serrano, Salbei und Tomaten" für 4,20 Euro, der vegane "Krautstrudel auf Schwarzwurzeln an Schnittlauch-Limettensoße" für 4,50 Euro friedlich neben der "Hähnchenbrust in der Gorgonzolakruste" für 3,80 Euro. Drei Hauptgerichte, eine Pasta, ein vegetarisches Gericht und ein Gericht aus dem Wok stehen täglich auf dem Speiseplan, der auch gedruckt ausliegt. Als besonderer Service werden Kalorien, Fettanteil oder Zuckerwerte ausgewiesen. Auch über die optimale Logistik hat man sich Gedanken gemacht. Je zwei der Hauptgerichte werden an unterschiedlichen Ausgabestellen auf die Teller gefüllt, das verkürzt das Warten in mittäglichen Stoßzeiten, zwei Kassen beschleunigen ebenfalls den Essensabholprozess.

Die Gerichte selbst sind gelungen. Der vegane Strudel, gefüllt mit Sauerkraut, Mais und Erbsen, schmeckt wirklich gut, der Salat dazu wird frisch mit einer feinen Vinaigrette angerichtet. Die Schwarzwurzeln zeigen sich perfekt im Biss, gut, aber nicht übertrieben gewürzt. Man schmeckt Pfeffer, Salz und frische Kräuter. Doch die "Schnittlauch-Limettensoße" hat einfach zu viel Mehl abbekommen, ebenso wie die übertrieben dicke Sauce, auf der die würzig-saftige Hähnchenbrust liegt. Der "Reismix mit Zucchini", der zum Huhn serviert wird, hat dagegen nichts von Kantinenküche. Der Nachtisch, eine "Bayrische Crème mit Mango und Rosinen" ließ im Vergleich mit den beiden verkosteten Hauptgerichten leider stark nach. Die Mango-Stücke obenauf erwiesen sich als trocken und fad, und die versprochenen Rosinen waren gar nicht zu finden.

KANTINE IM BUNDESMINISTERIUM FÜR ARBEIT UND SOZIALES

Wilhelmstr. 49, 10117 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten
Mo.–Fr.: 7.30 bis 15.30 Uhr

Mittagsangebot gilt von 11.30–14 Uhr.

GESCHMACK: 4 von 5 Sternen
Ausgezeichnet zubereitete Gerichte, interessante regionale Zutaten sorgen für Abwechslung, gutes veganes und vegetarisches Angebot.

ATMOSPHÄRE: 5 von 5 Sternen

Schicke Casinoatmosphäre in skandinavischer Strenge. Angenehme Lautstärke, durchdachte Serviceabläufe.

POLITIKERDICHTE: 3 von 5 Sternen

War das da nicht …? Nein, die schick gekleidete Dame am Nachbartisch war dann doch nicht Yasmin Fahimi. Die zugehörigen und gut gestylten Herren sprachen alle Französisch.

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS: 3 von 5 Sternen
Ausgezeichnet: Kleine Eintopfgerichte findet man bereits ab 2,90 Euro, die Hauptgerichte mit Fisch oder Fleisch kosten maximal 5,90 Euro.

Alle getesteten Kantinen finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/Agenda

Der Text erschien in der "Agenda" vom 26. April 2016, einer Publikation des Tagesspiegels, die jeden Dienstag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie im E-Paper des Tagesspiegels lesen.

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