Nachhaltige Universität : "Wir haben eine besondere Verantwortung"

Ein Gespräch mit Präsident Professor Peter-André Alt und Stabsstellenleiter Andreas Wanke über die nachhaltige Universität.

Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit: Stabsstellenleiter Andreas Wanke (links) und der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt, im Botanischen Garten der Hochschule, dem drittgrößten seiner Art weltweit.
Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit: Stabsstellenleiter Andreas Wanke (links) und der Präsident der Freien Universität, Professor...Foto: Michael Fahrig

Wie können wir zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt erhalten? Die Lösung dieser Frage gehört zu den großen globalen Herausforderungen. Im März hat das Präsidium der Freien Universität Berlin beschlossen, Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt im universitären Profil zu machen. Christa Beckmann sprach mit Universitätspräsident Professor Peter-André Alt und Andreas Wanke, dem Leiter der neu gegründeten Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie, über erfolgreiches Energiemanagement, die klimafreundliche Uni von morgen und ganz privaten Einsatz für die Umwelt.

Herr Alt, warum möchte die Freie Universität das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Profil verankern?
Peter-André Alt: Universitäten stehen in einer besonderen Verantwortung, wenn es darum geht, künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu sichern. Wir fühlen uns schon deshalb in hohem Maße diesem Ziel verpflichtet, weil die Freie Universität Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit als Leitbegriffe in ihrem Siegel führt.

Der ressourcenschonende Umgang mit der Umwelt und das ganze Thema Nachhaltigkeit haben sehr viel mit Freiheit und mit Gerechtigkeit gegenüber nachfolgenden Generationen zu tun. An unserer international ausgerichteten Universität arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon heute daran mit, Lösungen für drängende globale Herausforderungen zu finden. Und wir haben bereits vor Jahren begonnen, das Thema Nachhaltigkeit beim Campus-Management sehr erfolgreich umzusetzen. Nachhaltiges Handeln in unser Leitbild aufzunehmen, ist also eine konsequente Fortschreibung dieses Kurses.

Welche Erfolge gibt es bereits?

Andreas Wanke: Wir betreiben seit 15 Jahren ein systematisches Energie- und Umweltmanagement. Damit konnten wir unseren Energieverbrauch um 25 Prozent reduzieren, wohlgemerkt bei gleicher, zuletzt sogar wachsender Flächennutzung. Von 2003 bis 2011 hat die Technische Abteilung der Freien Universität zusätzlich zu den normalen baulichen Instandhaltungen jährlich 1,5 bis 2,5 Millionen Euro investiert, um zum Beispiel Heizungs- und Lüftungsanlagen zu modernisieren und so die Energieeffizienz zu erhöhen. Aber wir haben auch Anreizprogramme entwickelt, etwa ein Prämiensystem.

Wie funktioniert das genau?

Wanke: Fachbereiche, die Energie einsparen, erhalten einen Teil des eingesparten Geldes zur eigenen Verwendung. Damit sind wir Vorreiter in der deutschen Universitätslandschaft. Effizienter Ressourceneinsatz ist eben mehr als Technik. Es hat zu tun mit der Motivation von Menschen und mit einer Kultur, Probleme gemeinsam anzupacken.

Alt: Ja, das ist eine Gesamtaufgabe und reicht von der Sensibilisierung im Umgang mit Strom bei der Verwendung von Lampen und Computern bis hin zum energiebewussten Einsatz von Heizquellen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben da vorzüglich mitgezogen.

Warum hat die Universität eine Stabsstelle für Nachhaltigkeit und Energie eingerichtet?

Alt: Mit der Ansiedlung beim Präsidium wollen wir zeigen, dass es Teil unseres Selbstverständnisses ist, das Projekt Nachhaltigkeit voranzutreiben, sowohl in seinen technischen als auch in seinen sozialen Implikationen. Wir wollen Forschung, Lehre und Verwaltung an den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten.

Wanke: Die Freie Universität hat da bereits sehr viel Kompetenz, beispielsweise mit dem Forschungszentrum für Umweltpolitik, dem Institut Futur, der Pflanzenökologie oder der Forschung zum Klimawandel. In der Zukunft gilt es, die Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre noch stärker zu bündeln und zu vernetzen.

Die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit werden oft mit Naturwissenschaften verbunden. Was können die Geisteswissenschaften beitragen?

Alt: Die Geisteswissenschaften können zum Beispiel zeigen, was erforderlich ist, um verantwortlich mit dem Wissen und den Fähigkeiten von Menschen umzugehen, ebenso wie mit den materiellen und energetischen Ressourcen. Jahrhundertelang hat der Mensch die Natur ausgebeutet und versucht, diese Ausbeutung zu optimieren. Der Wert der Nachhaltigkeit ist zwar in frühen Kulturen angelegt, aber in den Gesellschaften der Moderne definitiv nicht.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat der Freien Universität eine Million Euro bewilligt, um gemeinsam mit ihren vier strategischen Partneruniversitäten in Israel, Kanada, China und Russland eine Nachhaltigkeitsallianz aufzubauen. Was ist da geplant?

Wanke: Wir wollen uns mit unseren Partnern auf allen Ebenen zum Thema vernetzen und den Ideen- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern, Studierenden und Mitarbeitern fördern. Ziel ist es nicht nur, voneinander zu lernen, sondern gemeinsam Projekte zu entwickeln, auch in der Forschung und für neue Lehrformate. Über konkrete Austauschprogramme hinaus werden wir hier an der Freien Universität jährlich Veranstaltungen für alle Projektbeteiligten organisieren und diese auch für weitere Universitäten öffnen.

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