Gegen den Fachkräftemangel : Wie Berliner Unternehmen Flüchtlinge ausbilden

Flüchtlinge auszubilden ist gut für beide Seiten: Die Geflüchteten bekommen eine Perspektive, die Betriebe stemmen sich so gegen den Fachkräftemangel. So manches Berliner Unternehmen hat das bereits erkannt.

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Boeba-Chef Jakob Maechler (2.v.r.) mit drei seiner Azubis in der Werkstatt
Boeba-Chef Jakob Maechler (2.v.r.) mit drei seiner Azubis in der WerkstattFoto: Mike Wolff

Mit einem derart guten Abschneiden hatte Jakob Maechler nicht gerechnet, als er sich beim Wettbewerb um "Berlins beste Ausbildungsbetriebe" bewarb. Im besten Fall auf den Sonderpreis in Sachen Integration hat der Geschäftsführer von Boeba Aluminium gehofft. Schließlich gehören mehrere Geflüchtete zum Team. Dass es am Ende zum Hauptpreis gereicht hat, sorgt für umso größere Freude. Nun hofft er darauf, dass der Titel die Zahl der eingehenden Bewerbungen erhöht. Zwar konnte das Unternehmen im Wachstum der vergangenen Jahrzehnte noch jede Stelle besetzen, doch die Herausforderung bleibt groß.

Geschäftsführer Jakob Maechler hat das 43 Jahre alte Unternehmen im Rahmen einer Nachfolgeregelung nach und nach übernommen. Boeba fertigt und montiert mit rund 60 Mitarbeitern Aluminiumteile für den Fassadenbereich und war oder ist an vielen namhaften Baustellen Berlins beteiligt, vom Regierungsviertel über die Mall of Berlin bis zum Hauptstadtflughafen BER. Betriebswirt Maechler, gerade 50 Jahre alt geworden, sucht wegen des Fachkräftemangels immer nach alternativen Möglichkeiten, um Auszubildende zu finden.

"Flüchtling ist kein Beruf"

Eine solche Gelegenheit bietet sich für Handwerksbetriebe durch das Projekt "Arrivo Berlin", das unter dem Motto "Flüchtling ist kein Beruf" Firmen mit geflüchteten Menschen zusammenbringt. Initiiert wurde Arrivo von der Senatsverwaltung, der Kammer und dem Netzwerk für Bleiberecht "bridge". Über das Projekt kam Jakob Maechler auch zu Mohammed Keita. Der 29-jährige Malier ist inzwischen im ersten Ausbildungsjahr bei Boeba. Seit drei Jahren ist er in Deutschland, beziehungsweise seit zwei Jahren und acht Monaten, wie er selbst aus dem Stegreif genau weiß. In seiner Heimat habe er auch schon mit Metall gearbeitet, erzählt er. Sein Deutsch ist noch nicht so gut, doch es wird. Am Anfang sei es jedoch sehr, sehr schwierig gewesen, sagt Keita. Aber er sei entschlossen, die Ausbildung zu beenden und zu bleiben.

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Maechler kennt inzwischen alle Hürden, die es zu überwinden gilt, wenn man Flüchtlinge beschäftigen möchte. Die größte ist der Aufenthaltsstatus, vom dem auch die Arbeitserlaubnis abhängt. Dann kommen die Sprache und die Qualifikationen, bei denen immer die Frage ist, welche Abschlüsse aus dem Ausland anerkannt werden. Das Personalteam von Boeba musste viel Neues lernen. "Es geht eher darum, wie motiviert die Leute sind, wie sie sich mitreißen lassen und welche Stärken sie haben, die nicht auf dem Papier stehen", sagt Maechler. Das gelte auch für Auszubildende mit Lernschwäche oder sogenannte Umschüler, die eine neue Lehre anfangen: "Wir versuchen, die Leute für den Betrieb zu begeistern." [...]

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