Kolumne : Die BER-Milchmädchenrechnung

Der BER wird wahrscheinlich zu seiner Eröffnung bereits zu klein sein. Ein drittes Terminal sei politisch wegen der neuerlichen Kosten nicht durchsetzbar, meint unser Kolumnist Joachim Hunold. Warum das eine echte Milchmädchenrechnung ist.

Joachim Hunold
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.Foto: Air Berlin

Flughafen BER und kein Ende. Egal wo in Deutschland man sich als Berliner outet – nach dem "Wie geht es?" kommt garantiert die Frage: "Wann wird denn endlich euer neuer Flughafen fertig?" Da klingt dann oft etwas Schadenfreude durch, wenn nicht gar Häme. Frei nach dem Motto: "Ihr Berliner habt ja gerne eine große Klappe, doch dahinter steckt wohl nicht viel." Dann kann man sein Haupt nur in Demut senken.

Als Optimist glaube ich dennoch fest daran, dass aus Hartmut Mehdorns "Terminband" noch mal ein fester Termin wird, dass die Brandschutzexperten am BER-Terminal bald einen klaren Kopf bekommen und sich darüber einig werden, wohin der Rauch denn abziehen soll.

Wann auch immer der BER ans Netz geht – die bereits seit dem Sommer 2012 anhaltende "technische Zwangspause" hätte längst genutzt werden können, um den neuen Flughafen so aufzustellen, dass er nicht gleich schon bei der Eröffnung überlastet ist. Noch größere Optimisten als ich gehen davon aus, dass auf dem BER einmal 27 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden könnten. Nachdem jedoch während des Bauens immer mehr Verkehrsflächen in Verkaufsflächen umgewandelt wurden, gilt diese Prognose als sehr gewagt. Es könnten auch nur 21 Millionen sein.

Sicher ist nur, dass man auf den derzeit in Betrieb befindlichen Flughäfen Tegel und Schönefeld am Ende dieses Jahres rund 28 Millionen Gäste zählen wird. Da der Luftverkehr in der Region Berlin-Brandenburg seit Jahren stärker wächst als im übrigen Deutschland, kann man im Jahr nach der Eröffnung des BER wahrscheinlich schon mit 35 Millionen Passagieren rechnen. Und dann auch mit drangvoller Enge im neuen Terminal.

BER-Alternativen: Jüterbog, Sperenberg & Co.
Sperenberg, weit hinter der Berliner Stadtgrenze. Auch hier hätte der BER entstehen können. Der Landeanflug wäre möglich - es würde nur mächtig holpern.Weitere Bilder anzeigen
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06.10.2014 12:19Sperenberg, weit hinter der Berliner Stadtgrenze. Auch hier hätte der BER entstehen können. Der Landeanflug wäre möglich - es...

Flughafenchef Mehdorn wird nicht müde, die Eigentümer der Flughafengesellschaft, die Länder Berlin und Brandenburg und den Bund, auf diesen Umstand hinzuweisen. Doch er stößt im Aufsichtsrat auf taube Ohren. Zwar hat man bereits mit dem Planfeststellungsbeschluss festgelegt, dass bei Bedarf ein Satellitenterminal gebaut werden kann – doch davon will man heute nichts mehr wissen. Denn das würde ja Geld kosten. Und weitere Ausgaben, so glauben die verantwortlichen Politiker, könne man dem Steuerzahler nicht zumuten.

Kompetente Wirtschaftsfachleute könnten den Politikern sagen, dass es eine Milchmädchenrechnung ist, wenn man auf Investitionen verzichtet, mit denen man höhere Erlöse erzielen kann. Aber die fragt man ja nicht.

Stattdessen verzettelt man sich in parlamentarischen Sonder- und Untersuchungsausschüssen, in denen jeder jeden beschuldigt, mit untauglichen Versuchen zur Vergangenheitsbewältigung. Und verliert dabei die Zukunft aus den Augen.

Immerhin hat der Aufsichtsrat nun fünf Millionen Euro bewilligt, damit die Flughafen-Geschäftsführung untersuchen lassen kann, ob es sinnvoll ist, den alten Flughafen Schönefeld für eine Übergangszeit neben dem BER zu nutzen. Ohne Satellitenterminal wird daraus eine Ewigkeit.

Diese Kolumne erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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