Brandanschlag in Zossen : Es flammt wieder auf

Im kommenden Jahr sollen hunderte Asylbewerber ins brandenburgische Zossen ziehen. In der Nacht zu Samstag wurde ein Anschlag auf das Gebäude verübt.

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Die rechtsextremen Täter zündeten drei Abfallcontainer an. Der Schaden ist gering.
Die rechtsextremen Täter zündeten drei Abfallcontainer an. Der Schaden ist gering.Foto: Polizei Zossen

Blumenpapierreste liegen herum, Aluminiumverpackungen für Fertigessen, auch ein paar minder wichtige, angebrannte Behördenpapiere, zur „BAB 13 Binnensanierung 2015 Fahrtrichtung Dresden“ zum Beispiel, ein „Inhaltsverzeichnis für Unterlagen“ einer „Rechnungslegung“. Es ist Sonntagmittag, in der vorvergangenen Nacht sind an dieser Stelle drei Müllcontainer angezündet worden.

Eine Hauswand ist rauchgeschwärzt, der daran wachsende Efeu verbrannt, Polizeiabsperrband knattert im Wind. Ein paar Meter weiter, hinter den niedrigen Bäumen, verrotten riesige Kasernengebäude.
Anfang 2016 sollen hier im Zossener Stadtteil Wünsdorf 500 Asylbewerber einziehen, irgendwann sollen es einmal 1200 werden. Und Freitagnacht war die Hauptallee 116, die Adresse dieser ehemaligen kaiserlichen Garnisonsstadt, Schauplatz eines möglicherweise rechtsextremistisch motivierten Brandanschlags.

Seit April herrscht Unruhe

Zwei polizeibekannte Rechtsextremisten aus der Umgebung, 23 und 32 Jahre alt, sollen in der Nacht zu Samstag um kurz vor ein Uhr die Container angezündet haben. Seit die Pläne, hier Asylbewerber unterzubringen, Mitte April bekannt wurden, herrscht Unruhe in der Stadt. Das Innenministerium sucht bereits seit Längerem händeringend nach zusätzlichen Unterkünften. Die Zentrale Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt, wo Flüchtlinge einige Wochen lang einquartiert werden, ehe sie auf die Landkreise verteilt werden, ist überfüllt. 2015 erwartet das Land fast 14000 Asylbewerber, 2014 waren es 6300.

Wünsdorf ist ein Ort mit Geschichte. Im „Dritten Reich“ war hier das Oberkommando des deutschen Heeres ansässig, ab 1945 Zentrale der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Nach dem Abzug der Sowjets siedelten sich Behörden hier an, der brandenburgische Kampfmittelbeseitigungsdienst etwa, das Schulamt Wünsdorf, das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen und der Landesbetrieb Straßenwesen.

Weil das Innenministerium ein Sicherheitskonzept für bestehende und geplante Asylunterkünfte erstellt hat, patrouillierte auch am Wochenende auf dem Gelände eine Streife der Polizei, die das Feuer bemerkte und löschen konnte.

Im Auto fanden die Polizisten Brandbeschleuniger

Die Beamten beobachteten außerdem ein Auto. Als sie es kontrollieren wollten, flüchteten die Insassen. Der Wagen fuhr sich fest, der Fahrer rannte weg, der 23-jährige Beifahrer blieb im Auto. Im Wagen fanden die Beamten verbotene polnische Feuerwerkskörper, Streichhölzer und Brandbeschleuniger sowie 20 Plakate. Darauf der Spruch: „Ihr seid weder Flüchtlinge noch willkommen.“ Am Samstagnachmittag stellten sie den 32-jährigen Fahrer des Autos in seiner Wohnung. Bei den Hausdurchsuchungen fanden sie weitere Beweismittel.

Inzwischen sind die zwei Tatverdächtige aber wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft habe keine ausreichenden Gründe für einen Haftantrag gesehen, teilte die Polizei im Landkreis Teltow-Fläming am Sonntag mit.
Die beiden Männer sind der Polizei als rechte Straftäter bekannt – etwa mit Gewaltdelikten und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Plötzlich ist es wieder da – das Image von Zossen als Hochburg der rechtsextremen Szene.

Die „Freien Kräfte Teltow-Fläming“ wurden 2011 vom Innenministerium verboten. Laut Polizei gibt es aktuell keine organisierten Neonazi-Strukturen mehr.
Wohl aber Neonazis.

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