Dallas nach den Schüssen : Ein schwarzer Polizeichef zwischen den Fronten

Sein Sohn wurde zum Polizistenmörder, sein Bruder erschossen. Doch David O. Brown verzweifelte nicht. Der Polizeichef machte Dallas zum Vorbild für das ganze Land – ausgerechnet dort eskalierte nun der Rassenhass. Unser Blendle-Tipp.

Daniel C. Schmidt
Leidgeprüft. David Brown, der Polizeichef in Dallas, hat bereits den Tod seines Sohnes, seines kleinen Bruders und den seines Partners betrauert. Nun wurden fünf seiner Polizisten erschossen, weil sie weiß waren.
Leidgeprüft. David Brown, der Polizeichef in Dallas, hat bereits den Tod seines Sohnes, seines kleinen Bruders und den seines...Platt/AFP

Wenn geschossen wird in Dallas, dann landen sie hier: Parkland Memorial Hospital, Harry Hines Boulevard. US-Präsident John F. Kennedy ist hier gestorben. Sein Attentäter auch. Knapp 50 Jahre später stehen direkt hinter dem Eingangsbereich ein paar alte Holzstühle. Etliche Patienten warten, bis sie in der Notaufnahme an der Reihe sind. Und neben der Anmeldung, drei Meter über dem Geschehen, hängt ein Flachbildschirm. Stumm zeigt er die Bilder der Gewalt, die ganz Amerika derzeit aufwühlen.

„Wir sind alle am Boden zerstört“, sagt Lisa Myers, die eigentlich anders heißt. Myers ist Krankenschwester im Memorial Hospital. Eine ruhige ältere Dame mit grauem Haar. Als sie am Freitagmorgen zum Dienst erschien, hatte das Grauen längst das Krankenhaus erreicht. Der 25-jährige Afghanistan-Veteran Micah Xavier Johnson hatte Jagd auf weiße Polizisten gemacht. Fünf starben, mindestens sieben weitere wurden schwer verletzt.

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Bevor der Täter getötet werden konnte, sagte er, er habe sich rächen wollen für die Polizeigewalt gegen Schwarze. Kurz zuvor hatten Polizisten ohne Not zwei Afroamerikaner in Minnesota und Louisiana getötet. Als Johnson die ersten Schüsse abgab, marschierten gerade tausende Menschen friedlich durch die Innenstadt, um der beiden Toten zu gedenken.

Einige Polizisten, die der Attentäter erwischte, wurden hier im Krankenhaus behandelt. „Wenn dort jemand liegt und Blut verliert, ist es egal, ob er Uniform trägt oder nicht“, sagt Lisa Myers. „Und auf das hier kommt es schon gar nicht an…“ – Myers streicht mit dem linken Zeigefinger über ihren rechten Unterarm. Dann hält sie für einen Moment inne. Das Wort „Hautfarbe“ spricht sie nicht aus. Dabei ist es genau dieses Thema, das die amerikanische Gesellschaft gerade wieder zu spalten droht.

Wenn in Dallas geschossen wird, wenn wieder Menschen im Memorial Krankenhaus landen, dann muss er sich rechtfertigen: Polizeichef David Brown. Ausgerechnet er, ausgerechnet in Dallas, muss man sagen. Brown ist selbst Afroamerikaner. Keiner hat sich früher als er für ein besseres Miteinander von Polizei und Bevölkerung engagiert. Die Polizeiarbeit in Dallas gilt als vorbildlich. Als er an der Trauerfeier für die Opfer der Schießerei von Donnerstagnacht teilnimmt, muss er weinen. Das Verbrechen trifft ihn persönlich. In seiner Biografie spiegelt sich die Debatte um Rassenhass, um Polizeigewalt und Gewalt gegen Polizisten des ganzen Landes wider.

David Brown, Brille mit schwarzem Rand, Glatze, ist schon seit mehr als 30 Jahren Polizist. Er hat genug getrauert für ein ganzes Leben. 1988 wurde sein Freund und Partner Walter L. Williams im Dienst getötet. Nur drei Jahre später erschossen Drogendealer seinen jüngeren Bruder Kelvin Brown. Doch wer verstehen will, warum Brown handelt, wie er handelt, muss zurückblicken ins Jahr 2010 ...

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