Finale von DSDS : Dieter Bohlen hat den Basic Instinct

Heute steigt das Finale der elften Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Gefunden wurde bislang nur ein einziger Star: Dieter Bohlen.

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Absacker. Dieter Bohlen ist als DSDS-Juror von Anfang an dabei. Heute ist Finale.
Absacker. Dieter Bohlen ist als DSDS-Juror von Anfang an dabei. Heute ist Finale.Foto: RTL / Michaela Lüttringhaus

Kurz nach Mitternacht hockt Yasemin Kocak auf ihrem Stuhl, oben in der Büroetage im dritten Stock, dort, wo die Kandidaten jeden Samstagnachmittag vor der Sendung aufwendig geschminkt werden und nach Show-Ende ihr Weiterkommen feiern. Oder, wie jetzt Yasemin Kocak, ihr Aus verkraften müssen. Dabei hatte sie der Juror, Rapper Kay One, doch vorhin noch angegrinst und ihr bestätigt: „Du hast alles, was man als Popstar braucht – Titten, Arsch und Stimme.“

Ist das nicht unangenehm, wenn einem in der Livesendung vor Millionenpublikum Titten- und Arschqualitäten attestiert werden, Frau Kocak?

„Kommt drauf an“, sagt sie. „Die Yasemin, die ich letztes Jahr noch war, die hätte gedacht: Was für ein sexistischer Idiot!“ Aber nun, nach all dem Vorsingen, nach Casting und Recall, nach dem Workshop auf Kuba und anschließend vier Entscheidungsshows, da wisse sie derartige Bemerkungen richtig einzuordnen. „Er wollte halt sagen, dass ich einen schönen Körper habe.“ Auch Konkurrentin Aneta Sablik mag sich an ihrer Jury-Wertung („drei Punkte und einen harten Ständer“) nicht weiter stören. Eines kann man „Deutschland sucht den Superstar“ ganz bestimmt nicht vorwerfen: dass die Kandidaten keine Entwicklung durchmachten.

Wenn an diesem Samstag die elfte Staffel von Deutschlands erfolgreichster Castingshow zu Ende geht, werden nicht nur die verbliebenen Kandidaten dazugelernt haben. Auch die Verantwortlichen von RTL. Unklar ist bloß, ob das hilft. Ob die neuen Erkenntnisse die Sendung retten werden – und den erstaunlichen, für viele unerhörten Siegeszug von Dieter Bohlen verlängern.

Der Musiker und Produzent ist zweifellos der große Profiteur der langlebigen Show. Vor DSDS wurde er in Deutschland gern von oben herab belächelt. Zigfacher Plattenmillionär war er auch da schon, keine Frage, aber eben genauso: der Fönfrisurträger mit der Kastratenstimme, der Nichtganzsoschöne von Modern Talking, Verona Feldbuschs Kurzzeitgatte. Der Typ, der öffentlich über seinen Penisbruch plauderte. Seit DSDS wird Bohlen, in diesem Jahr 60 geworden, respektiert und gefürchtet. Deutschland hat in ihm endlich erkannt, was er schon immer war: Macher, Geldscheffler, Durchblicker, Branchenprimus.

Und mit jeder erfolgreichen Staffel wächst sein Ansehen weiter. Das Problem ist nur, dass inzwischen viele bestreiten, dass DSDS noch ein Erfolg ist. Bevor im Januar die erste Folge ausgestrahlt wurde, meldeten sich die Pessimisten und Schlechtreder zu Wort, die behaupteten, dass DSDS nun bald eingestellt werde. Dass diese Sendung, ach was: diese deutsche Institution, an der lange niemand vorbei kam, über die montags auf den Pausenhöfen und in Großraumbüros gesprochen wurde, nicht mehr maßgeblich sei.

Es wurden Änderungen bekannt. Weniger Finalshows werde es geben, dafür müssten pro Folge zwei Kandidaten ausscheiden, was heiße: größerer Stress für die Teilnehmer und mehr Grund für die Zuschauer, jede Sendung aufs Neue die kostenpflichtige Nummer anzurufen, um ihre Favoriten in die nächste Runde zu wählen. Dazu wurde die Jury mit Rapper Kay One besetzt, der wie Bohlen als Großmaul und Chauvi gilt, der so vulgär daherredet, dass Bohlen, obwohl er nicht sanfter geworden ist, wie ein Grandseigneur unter den Pöblern wirkt. Immerhin liefert der gewohnt kreative Schmähungen. „Pumuckl auf Ecstasy“ ist so eine. Seit der ersten Staffel behaupten Neider, Bohlen kämen diese Einfälle nicht spontan, sondern würden ihm per Knopf im Ohr zugeflüstert. Das Produktionsteam dementiert dies, genauso wie das Gerücht, die Kameramänner dürften an den Maestro nie näher als einen Meter herantreten, um dessen Falten nicht zu präsentieren.

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