Geheime Gruppen auf Facebook : Wo Rechtsextreme ungestört zum Mord aufrufen

Auf Facebook begehen Rechtsextreme systematisch Straftaten in geheimen Gruppen. Unser Autor hat sich eingeschmuggelt und einen Monat lang Unfassbares erlebt.

Jan Werkener
Die meisten Nutzer hetzen und hassen in den Gruppen unter ihrem vollen Namen.
Die meisten Nutzer hetzen und hassen in den Gruppen unter ihrem vollen Namen.Screenshots: Tsp

In der Gruppe „Die Runde“ wird wieder aufgeregt debattiert. Monika G. aus dem hessischen Friedberg berichtet, ihre zehnjährige Tochter sei an der Eisdiele von „drei dunkelhäutigen Neubürgern“ angesprochen und um eine Geldspende gebeten worden. So langsam reiche es ihr, schreibt Monika G. Aber was tun?

Christian W. aus der Steiermark hat eine Idee: „Jedes Mal, wenn so ein Drecksack die Fresse aufmacht, mit dem Baseballschläger draufhauen.“ Detlef M. ist der Ansicht, man solle die Flüchtlinge mit dem Auto überfahren, Arne M. schreibt: „Ich würde sie abknallen.“ Burkhard B. glaubt nicht, dass man sie zwangsläufig umbringen müsse. Seine Minimalforderung: „Schwänze ab, basta!“

Es ist eine typische Unterhaltung an einem typischen Montagabend in der geschlossenen Gruppe „Die Runde“. Was dort geschrieben wird, sieht nur, wer Mitglied ist, also zuvor ein Beitrittsgesuch gestellt hat und akzeptiert wurde. Das sind derzeit 15 000 Menschen.

Alle anderen Facebook-Nutzer können zwar über die Suchfunktion feststellen, dass eine Gruppe dieses Namens existiert. Inhalte bleiben ihnen aber verborgen. Deshalb kann in der geschlossenen Gruppe ungestört gehetzt und zum Mord an Flüchtlingen aufgerufen werden.

Warum die Mordaufrufe nicht gelöscht werden

Seit Jahren fordert die Bundesregierung von Facebook, konsequenter gegen Hass-Kommentare vorzugehen. Der Konzern überprüft kritische Äußerungen grundsätzlich erst, nachdem diese von einem anderen Nutzer beanstandet wurden. Im vergangenen September rang Justizminister Heiko Maas Facebook das Versprechen ab, solche Prüfungen künftig binnen 24 Stunden vorzunehmen.

Bis heute hält Facebook dieses Versprechen nicht ein, aber noch schlimmer: Das von Maas für gut befundene Meldesystem ist nur für die offenen Bereiche von Facebook praktikabel. Für geschlossene Gruppen wie „Die Runde“ ist es ungeeignet. Weil Andersdenkende gezielt draußen gehalten werden, ist die Chance gering, dass Verstöße überhaupt gemeldet werden. Und es gibt hunderte solcher Gruppen.

Flüchtlinge werden "Fäkalien" und "Viecher" genannt

Zweck von „Die Runde“ ist angeblich die Möglichkeit, eine „nette Diskussion zu führen“, an der jedermann teilnehmen kann. So haben es die Gründer in ihrer Beschreibung formuliert. Tatsächlich wird vor allem gegen Flüchtlinge gehetzt. Sie werden wahlweise als „Viecher“, „Brut“, „genetischer Abfall“ oder „Fäkalien“ bezeichnet.

Die Gruppenmitglieder sind mehrheitlich männlich. Familienväter, Rentner, Jugendliche, Angestellte und Arbeitslose. Manche sind Skinheads, viele bekennen sich auf ihren Profilen zur AfD. Auffällig viele behaupten, sie seien Tierschützer.

Was sie eint, ist ihr Hass auf Asylbewerber und die Bundeskanzlerin, die diese ins Land lässt. Weit verbreitet ist auch die Überzeugung, der Flüchtlingsstrom sei ein systematischer Versuch, die „weiße Rasse“ mit Dunkelhäutigen zu vermischen und so das deutsche Volk auszulöschen. Die Zusammenführung des Erbguts werde zu einer dauerhaften Senkung der Intelligenz führen, heißt es. Die Deutschen gingen dann in einer „Rasse von eurasisch-negroiden Sklaven“ auf. Unter den 15000 Mitgliedern ist keiner, der dieser Theorie widerspricht.

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