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Gerhart-Hauptmann-Schule : Räumung mit Hindernissen

Drinnen errichteten Flüchtlinge Barrikaden und verschütteten Benzin. Draußen rangelten Demonstranten mit Polizisten. Und ganz ist die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule auch am Mittwochmorgen nicht geräumt. Einige Flüchtlinge harren im Gebäude aus. Und ein weiterer Konflikt droht.

von , , und Nik Afanasiew
Nächster Halt: Charlottenburg. Den ganzen Tag lang fuhren vor der Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße Busse vor, um die Flüchtlinge in neue Quartiere zu bringen.
Nächster Halt: Charlottenburg. Den ganzen Tag lang fuhren vor der Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße Busse vor, um die...Davids/Boillot

Die Räumung war mit Ansage gekommen, sogar mit einer ganzen Reihe von Ansagen. Vielleicht lief deshalb alles so, wie es eben läuft in Kreuzberg: hunderte Polizisten auf den Straßen um den alten roten Backsteinbau der von Flüchtlingen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße. Twitter-Nachrichten à la „Geht wohl los in der Ohlauer Straße“, „Kommt alle!“, „Kommt sofort!“ hatten schon morgens die Runde gemacht. Bald standen hunderte Unterstützer der Flüchtlinge vor den Beamten, um gegen das zu protestierten, was die Berliner Polizei mit dem um neun Uhr veröffentlichten Twitter-Satz „Wir sichern ab jetzt aufgrund der Bitte des Bezirkes Friedrichshain/ #Xberg die Umzugsmaßnahmen“ angekündigt hatte.

Ein 28-Jähriger droht, sich anzuzünden

So leicht ging es dann doch nicht. Auch 900 Polizisten konnten nicht verhindern, dass Bewohner der Schule mit den „Umzugsmaßnahmen“ nicht einverstanden waren. Sie bauten Barrikaden im Haus. Abgeordnete, die das Gebäude während der Räumung noch betreten konnten, sprachen davon, dass Benzin verschüttet worden sei und Flüchtlinge gedroht hätten, die Schule anzuzünden. Andere kletterten auf das Dach des Gebäudes. So wie Mohammed aus dem Tschad. Der 28-Jährige hielt eine Plastikflasche in der Hand: „Wenn wir kein Bleiberecht bekommen, verbrenne ich mich. Hier ist Benzin drin“, rief er. Zehn andere Flüchtlinge lagen neben ihm auf dem Dach. Aus einem Handy schepperte Reggae.

Im Erdgeschoss standen andere Flüchtlinge und ließen sich registrieren für die Ersatzunterkünfte. Sie sagen, es sei besser für sie zu gehen.
Stadtrat Hans Panhoff, eigentlich zuständig für Planen, Bauen, Umwelt, der seit Wochen mit den Besetzern der Schule über einen Auszug verhandelt hatte, wurde beschimpft: „Herr Panhoff, wenn es Tote gibt, sind Sie dafür verantwortlich.“

Lesen Sie hier noch einmal die Ereignisse chronologisch in unserem Live-Blog nach.

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