Muslime in der Bundeswehr : Terrorverdacht und Kameradschaft

Er spürt das Misstrauen seiner Kameraden. Ferhat Alhayiroglu ist Hauptfeldwebel – und Moslem. Nun schaut der Soldat selbst genauer hin: Die Bundeswehr darf nicht zum Ausbildungscamp für Islamisten werden. Unser Blendle-Tipp.

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Im Ernstfall. Kameradschaft ist der Kitt, der die Truppe zusammenhält. Da dürfen Hautfarbe und Bekenntnis keine Rolle spielen.
Im Ernstfall. Kameradschaft ist der Kitt, der die Truppe zusammenhält. Da dürfen Hautfarbe und Bekenntnis keine Rolle spielen.Foto: dpa

Die Nacht ist kalt, die Finsternis total, als Ferhat Alhayiroglu seinen ersten Wachdienst antritt. Der Unteroffizier, seit drei Tagen in Afghanistan, steht auf dem Hauptturm des Außenpostens nahe Kundus und fröstelt. Er trotzt der Müdigkeit an Konzentration ab, was geht, sucht mit dem Nachtsichtgerät die umliegenden Felder nach Angreifern ab. Das Bewusstsein seiner Verantwortung kriecht ihm in jede Faser seiner Uniform: An seiner Wachsamkeit hängen Wohl und Wehe der schlafenden Kameraden.

„Sag mal, wie würdest du eigentlich reagieren“, fragt ihn da einer aus seinem Trupp. „Ich meine: Du bist doch Moslem – darfst du überhaupt auf Moslems schießen?“

Da sind sie wieder, die Zweifel der anderen, die Unsicherheit und die Frage nach seiner Loyalität. Gehört sie den Religionsbrüdern oder seinem Heimatland?

Aber ist die Angst des Kameraden in jener Augustnacht im Jahr 2010, er könnte ihnen in den Rücken fallen, nicht nachvollziehbar? Nach 9/11, den Terror-Anschlägen auf Bali und Djerba, in Madrid und London? Und muss man nicht heute noch viel misstrauischer sein? Im Internet wirbt die Terrormiliz „Islamischer Staat“ gezielt um Kämpfer mit militärischen Kenntnissen. Am Dschihad Interessierte sollten schießen lernen, heißt es dort, sich mit Waffen vertraut machen – auch bei der Bundeswehr. Wo seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 händeringend nach Freiwilligen gesucht wird.

Der Präsident des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) ist alarmiert. „Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann“, sagt Christof Gramm. Nach dem Angriff auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ Anfang 2015 in Paris konnte man Aufnahmen von Attentätern sehen, die auf eine militärische Grundausbildung hindeuteten. Für Gramm war das ein Weckruf. „Was ist, wenn ein in der Bundeswehr ausgebildeter Islamist so etwas macht und wir haben nichts gemerkt?“

Derzeit bearbeitet der Abschirmdienst 60 islamistische Verdachtsfälle. 24 Soldaten wurden in den vergangenen zehn Jahren als Islamisten ...

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