Zu Besuch beim "Boston Globe" : Wie es nach "Spotlight" weiterging

Der Film „Spotlight“ machte die Journalisten vom „Boston Globe“ weltberühmt. Ein Besuch bei der Zeitung. Unser Blendle-Tipp.

Lukas Hermsmeier
"Spotlight" basiert auf einer wahren Begebenheit.
"Spotlight" basiert auf einer wahren Begebenheit.Foto: dpa

So gut wie immer waren seine Opfer Schuljungen. Einer war erst vier Jahre alt.“ Dies sind zwei der ersten Sätze einer Geschichte, die im Januar 2002 Boston erschütterte wie kaum eine zuvor. Geschrieben von Reportern des „Boston Globe“, die in den folgenden Monaten mit insgesamt rund 600 Artikeln einen der größten Missbrauchsskandale der katholischen Kirche aufdeckten.

Die Reporter des „Globe“ gewannen für ihre Arbeit den Pulitzerpreis, ein Film über sie und ihre Recherche in diesem Februar den Oscar.

„Spotlight“ heißt der Film. So wie das investigative Team, das, als die Sätze über missbrauchte Jungen, über ewig weiterversetzte Priester, traumatisierte Erwachsene und die Vertuschungen der Kirche erst einmal gedruckt sind, unruhig schläft, nervös ist, am folgenden Tag leise die Redaktion betritt, in der die Telefone schon klingeln. Den ganzen Tag beantworten sie Anrufe über Anrufe. Von Opfern, Betroffenen, Lesern. In ihrem abgelegenen Büro im Untergeschoss, in dem alles dieselbe Farbe zu haben scheint. Braun, grünlich, grau.

In einer Lagerhalle in Toronto wurden der Newsroom des „Globe“ und das Spotlight-Büro für den Film detailgetreu nachgebaut. Der Film ist gelungen authentisch. Und er ist Kontrapunkt in Zeiten, in denen Zeitungen weltweit unter schwindenden Anzeigen, Wirtschaftskrise und dem Bedeutungsverlust des Printgeschäfts leiden. Und der Film ist, so sagen viele, Balsam für die geschundene Journalistenseele. Martin Baron, damals Chefredakteur des „Boston Globe“, nun in gleicher Position bei der „Washington Post“, schrieb im Februar, dass der wahre Lohn dieser Geschichte in der Wirkung des Films bestehe. „Eine misstrauische Öffentlichkeit könnte erkennen, dass wir immer noch eine starke Presse brauchen.“

Ist „Spotlight“ ein Hilfeschrei? Und: Wie schlimm muss es eigentlich um den Journalismus stehen, wenn eine 15 Jahre alte Rechercheleistung die Reputation einer Branche retten soll?

Matt Carroll, Sacha Pfeiffer, Michael Rezendes, so heißen die drei damaligen Spotlight-Reporter. Carroll arbeitet mittlerweile...

Den ganzen Text können Sie hier für 45 Cent auf Blendle lesen.

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