Debatte über ein Werbeverbot für Zucker : Höhere Steuern auf Softdrinks helfen

Softdrinks sind nicht harmlos - sie sind für das weltweit grassierende Übergewicht mitverantwortlich, sagt die Stiftung Kindergesundheit.

Berthold Koletzko
Weltmarktführer bei Softdrinks ist Coca Cola. Höhere Steuern auf Limonaden könnten helfen, Übergewicht entgegenzuwirken, sagt die Stiftung Kindergesundheit.
Weltmarktführer bei Softdrinks ist Coca Cola. Höhere Steuern auf Limonaden könnten helfen, Übergewicht entgegenzuwirken, sagt die...Foto: REUTERS

Wer mehr isst als sein Organismus verbrennen kann, wird dicker. An dieser wissenschaftlich vielfach bestätigten Binsenweisheit hat sich nichts geändert. Die Zusammenhänge sind jedoch ein wenig komplizierter geworden. Denn Mexikaner zum Beispiel essen gar nicht so viel größere Mengen als Bewohner anderer Länder, trotzdem sind sie viel dicker. Das lateinamerikanische Land steht mit 30 Prozent adipösen Erwachsenen an zweiter Stelle in der weltweiten Rangliste der fettsüchtigen Bürger, gleich hinter den US-Amerikanern mit 33,8 Prozent Fettsüchtigen. In einer weiteren Disziplin steht Mexiko sogar an der Spitze: In diesem Land werden weltweit die meisten mit Zucker gesüßten Getränke konsumiert – pro Kopf durchschnittlich 163 Liter im Jahr.

Höhere Steuern auf Süßgetränke bremsen den Konsum - Mexiko macht es vor

Wegen des nahe liegenden Zusammenhangs hat deshalb das mexikanische Parlament eine Sondersteuer auf Softdrinks (und auf Fastfood) beschlossen. Auch in Frankreich werden Softdrinks bereits mit 5 Prozent Steuer belegt, eine Erhöhung auf 20 Prozent ist geplant. Finnland besteuert Süßgetränke mit 0,22 Euro pro Liter. Auch Ungarn erhebt bei zuckerhaltigen Getränken erhöhte Steuern. Nach Einführung dieser Steuern (die von den Herstellern vollständig an die Verbraucher weitergereicht wurden) gingen die Absatzzahlen an Süßgetränken in allen Ländern deutlich zurück. In Mexiko wurden Ende letzten Jahres 12 Prozent weniger zuckergesüßte Getränke konsumiert als vor Einführung der Steuer.

 Auch die britische Ärztegesellschaft British Medical Association BMA plädiert in ihrem aktuellen Gesundheitsbericht vom 09. Juli 2015 unter anderem für eine 20-prozentige Steuer auf mit Zucker gesüßte Getränke (Softdrinks, Energydrinks, Fruchtgetränke, Sportgetränke und Fruchtsaftkonzentrate).

Gerade süße Getränke haben eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit

 Es wird immer eindeutiger, dass der häufige Konsum großer Mengen mit Zucker gesüßter Getränke für die Gesundheit nachteilige Auswirkungen mit sich bringt. Mit Zucker gesüßte Getränke fluten den Organismus ungebremst und schnell mit raschem Anstieg des Blutzuckers und des den Blutzucker regulierenden Hormons Insulin, das auch die Fettspeicherung fördert. Die zusätzlich zur normalen Nahrung aufgenommenen flüssigen Kalorien wirken außerdem weniger sättigend als feste Speisen.  

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den in der „World Sugar Research Association“ (WSRO) zusammengeschlossenen Vertretern der weltweiten Zuckerindustrie hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Frühjahr 2015 zu neuen Empfehlungen zum Zuckerkonsum durchgerungen. Statt der bisher höchstens zehn Prozent soll der Zuckeranteil in der Ernährung möglichst nur noch bis zu fünf Prozent betragen, empfehlen die Hüter der Weltgesundheit. Das entspricht bei Erwachsenen etwa 25 Gramm oder sechs Teelöffeln Zucker.

Schön eine Dose Cola - und die von der WHO empfohlene maximale Tagesdosis Zucker ist überschritten

Ein Blick auf die Zuckermengen, die in Softdrinks und Erfrischungsgetränken enthalten sind, zeigt, wie schwer diese Empfehlung einzuhalten ist: Bereits eine einzige Dose Cola (340 Milliliter) enthält neun Teelöffel Zucker, in einer Limonade sind zwölf Teelöffel Zucker enthalten und auch ein Energydrink liegt mit acht Teelöffeln Zucker deutlich über der von der WHO empfohlenen Höchstmenge für den gesamten Tagesverzehr.

In Deutschland liegt der jährliche Verbrauch an Erfrischungsgetränken bei durchschnittlich 120 Liter pro Kopf. Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren trinken durchschnittlich mehr als zwei Gläser zuckerhaltige Getränke pro Tag. Jungen nehmen dabei insgesamt mehr dieser Getränke zu sich als gleichaltrige Mädchen. Der Konsum steigert sich bei beiden Geschlechtern mit dem Alter und erreicht unter den 14- bis 17-Jährigen den höchsten Mittelwert (Mädchen: 3,4 Gläser, Jungen: 4,3 Gläser).

Wenn ein Kind täglich ein Glas Limonade zusätzlich trinkt und diese zugeführte Energie nicht anderweitig eingespart wird, kann das Gewicht des Kindes innerhalb eines Jahres theoretisch um mehr als sechs Kilogramm steigen.

Auch Fruchtsäfte enthalten viel Zucker

Am besten hilft: Wasser trinken, auf süße Säfte und Softdrinks verzichten

Aber nicht nur mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke, sondern auch Fruchtsäfte und Nektare sind reich an (fruchteigenem) Zucker und enthalten bei gleicher Menge praktisch ebenso viel Energie wie Softdrinks. Erst vor kurzem hat eine Studie gezeigt, dass auch ein hoher Verzehr von Fruchtsäften das Risiko von Diabetes Typ 2 erhöht.

Auch Lebensmittel mit Saftkonzentraten aus Trauben und Obst oder mit Produkten aus der Stärkeverzuckerung (z. B. mit Maltodextrin)haben praktisch den gleichen Gesamtzuckergehalt wie entsprechende Lebensmittel mit Rohr- oder Rübenzucker. 

Die bekannten Folgen eines hohen Zuckerverzehrs sind neben Übergewicht auch Diabetes Typ 2 und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems.

Mit dem Verzicht auf die überflüssigen flüssigen Kalorien dagegen lässt sich das Gewicht besonders schnell reduzieren, ergab eine große Studie an der Universität in Baltimore mit 810 Erwachsenen. Probanden, die täglich auf einen Softdrink verzichtet haben, wurden im Laufe von sechs Monaten um ein Pfund leichter, nach 18 Monaten verringerte sich ihr Gewicht um 0,7 Kilogramm.

Ausreichendes Trinken ist für die kindliche Entwicklung wichtig und sollte von den Eltern gefördert werden. Als Getränke wirklich gut geeignet sind jedoch nur Leitungswasser, Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees oder Fruchtsaftschorle (zwei Drittel Wasser).

 Berthold Koletzko ist Professor an der Uniklinik München, er schreibt diesen Beitrag für die Stiftung Kindergesundheit.

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