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Angst vor Staudamm-Bruch : Kalifornien ruft Notstand aus

Jahrelang kämpft Kalifornien mit der Dürre. Dann setzen heftige Regenfälle den US-Bundesstaat großteils unter Wasser. Nun droht auch noch ein riesiger Staudamm zu brechen.

Der beschädigte Überlauf des Oroville-Staudamms am erodierten Hang in Oroville, Kalifornien.
Der beschädigte Überlauf des Oroville-Staudamms am erodierten Hang in Oroville, Kalifornien.Foto: Rich Pedroncelli/AP/dpa

Wegen der kritischen Lage an einem riesigen Staudamm hat Kalifornien den Notstand für mehrere Bezirke ausgerufen. Nach tagelangen Regenfällen ist der Damm des Oroville-Stausees an seine Belastungsgrenze gestoßen. Die Anlage stand wegen eines beschädigten Abflusskanals vor dem Zusammenbruch - das Wasser könnte Teile des US-Bundesstaats überfluten. Gouverneur Jerry Brown rief am späten Sonntagabend (Ortszeit) den Notstand für die Bezirke Butte, Sutter und Yuba aus. Einige Stunden zuvor hatte die Polizei rund 188.000 Anwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Brown sprach von einer „sehr ernsten Situation“.

Die Lage sei komplex und verändere sich sehr schnell. Die Mitteilung der Polizei war mehrfach mit dem Hinweis „Dies ist keine Übung“ versehen. Sollte der beschädigte Kanal den abfließenden Wassermassen nicht standhalten, sei mit einer Flutwelle zu rechnen, die weite Teile der Region rund um den See treffen könne. In den drei genannten Bezirken wurden zahlreiche Notunterkünfte für die Einwohner bereitgestellt.

Der Not-Abfluss war damit nur wenige Tage im Einsatz

Der nur im Notfall genutzte Abflusskanal des Staudamms wies den Angaben nach starke Erosionsschäden auf. Um eine Katastrophe zu verhindern, ordnete die kalifornische Wasserbehörde DWR die kontinuierliche Reduzierung des über den kaputten Kanal abfließenden Wassers an. Die Massen wurden nach und nach wieder auf den Hauptabfluss umgeleitet - der allerdings erst in der vergangenen Woche wegen eines Loches geschlossen worden war.

Auch Nancy Albrecht, eine Deutschlehrerin in Yuba City, erreichte die Nachricht von möglichen Evakuierungen. „Mein Mann hat einige Koffer gepackt, aber die Straßen waren alle verstopft, er blieb daher im Haus“, sagte Albrecht der Deutschen Presse-Agentur. Sie selbst hielt sich bei Freunden außerhalb der möglichen Gefahrenzone auf.
Die heftigen Regenfälle in diesem Winter hätten „zuviel des Guten“ gebracht, sagt Albrecht. Nach einer jahrelangen Dürre, in denen die Menschen Wasser rationieren mussten, kommt es in dem Westküstenstaat nun vielerorts zu Überschwemmungen, Flüsse treten über die Ufer, Straßen und Dämme werden beschädigt. 
Der Not-Abfluss war damit nur wenige Tage im Einsatz, bis er zusammenzubrechen drohte. Die 235 Meter hohe und rund 2300 Meter lange Anlage liegt etwa 125 Kilometer nördlich der Hauptstadt Sacramento. Sie staut den Oroville-See auf und dient der Stromgewinnung. Das dürregeplagte Kalifornien war in den zurückliegenden Tagen in Teilen von heftigen Regenfällen überrascht worden. Bewohner mussten aus ihren Häusern gerettet werden, nachdem der Fluss San Lorenzo über die Ufer getreten war. In dem Bundesstaat war fünf Jahre lang zu wenig Regen gefallen. 2014 wurde sogar ein Dürre-Notstand ausgerufen. Die Einwohner wurden angewiesen, weniger Wasser zu verbrauchen. (dpa)

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