Brände am Mittelmeer : Flammen über Mallorca

Das Feuer bedroht auf Mallorca die Stadt Andratx, in der viele Ausländer leben, vor allem reiche Deutsche. Auch auf Rhodos und Kreta brennt es.

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Stadt in Angst. Von Andratx aus sind die näher kommenden Rauchwolken gut zu sehen.
Stadt in Angst. Von Andratx aus sind die näher kommenden Rauchwolken gut zu sehen.Foto: dpa

Riesige graue Rauchwolken sind schon beim Anflug auf Mallorca über dem Westen der Insel zu sehen. Asche regnet über Dörfern und Stränden nieder. Die Sonne verschwindet immer wieder hinter Qualmschwaden. Löschflugzeuge und Hubschrauber donnern durch die Luft. Einsatzfahrzeuge fahren mit Sirenengeheul durch die Straßen. Der riesige Waldbrand im Tramuntana-Gebirge in der Nähe der Urlaubsgemeinde Andratx sorgte am Sonntag auf Mallorca für Katastrophenstimmung. Mehr als 2000 Hektar Wald- und Buschland, das entspricht der Fläche von ebenso vielen Fußballfeldern, wurden im Westen der Berglandschaft bereits Raub der Flammen. Das Großfeuer, das am Freitagmittag ausbrach, gilt jetzt schon als der schlimmste Waldbrand auf der Insel in den letzten 20 Jahren. Er wütet in einer der schönsten Landschaften Mallorcas.

Das Tramuntana-Gebirge auf Mallorca ist Unesco-Naturerbe

Das betroffene Tramuntana-Gebirge, mit seinen uralten Pinien, Steineichen und Olivenbäumen, wurde vor zwei Jahren von der Weltkulturorganisation Unesco zum Naturerbe der Menschheit erklärt. Auch am Sonntagnachmittag konnte die Feuerwehr keine Entwarnung geben, das Flammenmeer war immer noch nicht unter Kontrolle. Annähernd 800 Wehrmänner, Soldaten und Zivilschützer kämpften gegen die Flammen. Unterstützt von Freiwilligen, die ihre Fincas und Siedlungen mit Gartenschläuchen und Wassereimern verteidigten. Nach tagelangem Dauereinsatz waren viele Brandbekämpfer am Sonntag der Erschöpfung nahe. Restaurants und Familien aus der Umgebung versorgten die Wehrmänner mit Getränken und Lebensmitteln. Nach mehreren Randbezirken von Andratx musste am Sonntagmorgen auch der Ort Estellencs nahe der Westküste evakuiert werden, weil sich die Flammen bis in die Vorgärten dieses beschaulichen Nestes am Fuße des Gebirges gefressen hatten.

Ein Mädchen weinte, nachdem sie in Sicherheit gebracht worden war.
Ein Mädchen weinte, nachdem sie in Sicherheit gebracht worden war.Foto: AFP

Rund 700 Menschen, darunter Touristen und ausländische Residenten mussten fliehen. Betroffen waren mehrere Hotels und ein Ferienlager. Im 18 Kilometer entfernten Ort Esporles wie auch in Andratx wurden Sporthallen zu Notunterkünften umfunktioniert.

Die Ausländer in Andratx sind vor allem reiche Deutsche

Die Gemeinde Andratx mit etwa 12 000 Einwohnern ist eine Stadt, in der sehr viele Ausländer wohnen. Nirgendwo sonst auf Mallorca leben mehr Leute aus Deutschland und Großbritannien. Beißender Rauchgestank liegt nun in den Gassen der Ortschaft. Nachts leuchten die nahen Berge feuerrot.

Wie durch ein Wunder gab es bisher keine Opfer unter der Bevölkerung, aber dafür umso mehr in der Tierwelt: „Tausende Nutz- und Wildtiere sind bereits in den Flammen umgekommen“, berichtete ein deutscher Resident aus Andratx. Die Polizei rettete einen Schafhirten, der weinend vor seiner verbrannten Schafherde kniete. „Die Feuerwehr hat eine breite Schneise geschlagen um die Flammen daran zu hindern, auf den Ort Estellencs überzugreifen.“ Der mutmaßliche Brandverursacher, ein Landwirt, der in der Nähe von Andratx Feldabfälle verbrannt hatte, sei von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, „nachdem Anwohner mit Lynchjustiz gedroht hatten“. „Viele Leute stehen vor dem Nichts“, berichtete der Mallorca-Deutsche weiter, der bereits von elf verbrannten Fincas hörte. Es werden aber wohl sehr viel mehr Betroffene sein, die Hab und Gut verlieren. Der Schaden für die Region sei unermesslich. Nun hofften alle Inselbewohner, dass nicht „neue Winde die Flammen weiter durch das Tramuntana-Gebirge treiben oder sogar Richtung Palma de Mallorca“.

Der geräumte Ort Estellencs, wegen seiner romantischen Lage und traumhaften Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel, feierte gerade sein Dorffest, als das Feuer die Berghänge herunterkam. Den ganzen Tag über luden Löschflugzeuge und Hubschrauber ihre Wasserlast über den heranrückenden Flammen ab, um den Ort zu retten. Tausende Touristen, die sich in den südwestlichen Inselorten Paguera und Andratx aufhalten, beobachteten beunruhigt, wie die Flugzeuge fast im Minutentakt über dem Meer in Küstennähe niedergingen, um ihre Wassertanks aufzufüllen. Die vielen Jachten, die hier üblicherweise vor den Stränden schaukeln, wurden per Funk aufgerufen, „Platz zu machen, damit die Flugzeuge sicher arbeiten können“. Die Hubschrauber nahmen mit ihren unter ihrem Rumpf hängenden Behältern sogar Wasser in den Pools der umliegenden Hotels und auch privaten Fincas auf.

Mallorca war nicht die einzige Mittelmeer-Insel, die von einem Feuerinferno heimgesucht wurde. Auch auf den griechischen Inseln Rhodos und Kreta brannte es lichterloh. Allein ein Feuer im Süden von Rhodos vernichtete 4000 bis 5000 Hektar. Ralph Schulze

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