Die Familie des Zaren : Die Romanows wollen nach Moskau zurück

Die Nachkommen der Zarenfamilie möchten nach Moskau zurückkehren. Die Führung des Landes scheint aufgeschlossen zu sein. Jetzt brauchen sie nur noch eine Residenz.

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Maria Wladimirowna Romanowa, Chefin des Hauses der Romanows.
Maria Wladimirowna Romanowa, Chefin des Hauses der Romanows.Foto: IMAGO

Keine Macht, keine Privilegien, keine Rückerstattung von Eigentum. Nur ein Ort, an dem sie bei Russland-Besuchen standesgemäß ihr müdes Haupt zur Ruhe betten können. Mit eben dieser Bitte wollen die Nachfahren der Romanows, der Zaren, die Russland bis 1917 regierten, sich jetzt vertrauensvoll an das Moskauer Liegenschaftsamt wenden. So jedenfalls erzählte es dem TV-Sender Moskwa24 am Montag Alexander Sakatow, der Kanzleichef der Romanows. Derzeitige Chefin des Hauses ist Großfürstin Maria Wladimirowna Romanowa. Eine Frau von Anfang sechzig, die extravaganten Perlenschmuck liebt und in Madrid lebt. Für das Nachtasyl – huldvoll überlässt sie der Stadt Moskau dabei die Entscheidung, ob Neubau oder Restaurierung eines historischen Gebäudes – sollen dennoch private Investoren ihr Geld hergeben.

Unter einer repräsentativen Residenz, so sagt der Kanzleivorstand, gehe es nicht, die Großfürstin halte sich viel in Russland auf und mache dabei mehrmals im Jahr auch in Moskau Station. Sie selbst lässt sich von Klatsch-Postillen in Russland und im Ausland gern mit der Feststellung zitieren, die Romanows seien „Teil der Tradition und des kulturellen Erbes“. Gern würde sie daher ihren ständigen Wohnsitz zurück nach Russland verlegen. Das könne sie als Privatperson zwar jederzeit, sagt Alexander Sacharow, den die Sippe zum Sachwalter ihrer Interessen in Russland selbst bestellt hat. Da sie die Dynastie repräsentiert, müsse die Rückkehr jedoch „anständig“ ausfallen.

Sie wollen einen besonderen gesetzlichen Status

Dazu gehört auch ein Gesetz, das den Romanows „besonderen Status“ verleiht. Ein detailliertes Angebot dazu ging der Großfürstin bereits zu. Hof halten könnte sie demzufolge in einem Palais in der Nähe von St. Petersburg oder im Liwadija-Palast, der einstigen Sommerresidenz der Zaren auf der Krim. Auch andere Zarenschlösser stünden leer oder würden „für einen falschen Zweck genutzt“, hieß es. Und eine Bedrohung für die Macht würden die Romanows auch nicht mehr darstellen. Sie könnten wohl aber hilfreich bei der Konsolidierung der seit dem Ende der Sowjetunion 1991 tief gespaltenen russischen Gesellschaft sein, die mit dem Ölpreisverfall und der Rezession schwierige Zeiten durchmacht.

So jedenfalls steht es in einem Brief an die Großfürstin von Anfang Juli. Verfasst hat ihn der Abgeordnete Wladimir Petrow, der mit einem Mandat der Kremlpartei „Einiges Russland“ in der Duma sitzt. Die Initiative dazu sei von allerhöchster Stelle gekommen, vermuten Journalisten in Moskau. Auf eigene Initiative hätten sich das nicht einmal politische Schwergewichte aus der engsten Umgebung von Wladimir Putin getraut.

Auch über das Datum einer offiziellen Rückkehr der Romanows wird bereits heftig spekuliert: Februar 2017. Dann nämlich jährt sich zum hundertsten Mal der Tag der Abdankung von Nikolaus II., Russlands letztem Zaren, den die Bolschewiki mitsamt Familie 1918 in einem Waldstück bei Jekaterinburg im Ural erschossen. Die dort Anfang der Neunzigerjahre entdeckten Knochen wurden 1998 mit einem prunkvollen Staatsbegräbnis in der Zarengruft in St. Petersburg beigesetzt.

Mit ähnlichem Pomp feierte Russland 2013 den 400. Jahrestag der Thronbesteigung der Romanows. Er lieferte auch die Vorlage für den neuen höchsten Staatsfeiertag, den 4. November. Auch öffentliche Auftritte des Staatschefs werden mit kaiserlichem Gepränge inszeniert. Filme über die Dynastie laufen auf staatlichen und staatsnahen Kanälen zur besten Sendezeit. Und Peter I. hängt in Öl im Arbeitszimmer des Kremlherrschers und schaut ihm beim Unterzeichnen von Gesetzen über die Schulter.

Warum sollen die Romanows zurückkehren, fragt das Massenblatt „Komsomolskaja prawda“: Die Vollmachten der Romanow-Nachfolger – Generalsekretäre der KP wie Präsidenten – seien doch kaum weniger umfassend als die der Zaren.

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