• Erster Bericht des Welt-Biodiversitätsrates Ipbes: Industrievertreter distanziert sich vom Bestäuberbericht

Erster Bericht des Welt-Biodiversitätsrates Ipbes : Industrievertreter distanziert sich vom Bestäuberbericht

Ein Bericht des Welt-Biodiversitätsrats unterstreicht die Bedrohung zahlreicher Arten durch die intensive Landwirtschaft. Nun distanziert sich einer der Mitautoren

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Eine Biene sammelt in einem blühenden Krokus Blütenstaub.39 Wildbienenarten sind in Deutschland bereits ausgestorben.
Eine Biene sammelt in einem blühenden Krokus Blütenstaub.39 Wildbienenarten sind in Deutschland bereits ausgestorben.Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Bewertungen des Welt-Biodiversitätsrates (Ipbes) sind eigentlich sehr zurückhaltend ausgefallen. Trotzdem wird darin der teilweise dramatische Rückgang von Wildbienen, Schmetterlingen, Fledermäusen und Vögeln ziemlich eindeutig der intensiven Landwirtschaft einschließlich des Einsatzes von Ackergiften zugeschrieben. Auch Christian Maus hat dem Ende Februar erstmals vorgelegten Bericht zur Lage der Bestäuberarten nicht widersprochen. Er arbeitet beim Bayer Bee Care Center in Monheim, einem Bienenforschungszentrum des Agrarchemiekonzerns, und gehört zu den zwei Autoren aus der Industrie, die an dem Bericht mitgewirkt haben.

Doch nach der Veröffentlichung fragte die Bayer-Pressestelle nach, wie es denn zu der Aussage gekommen sei, dass Maus hinter der „Zusammenfassung für Entscheider“ stehe, die eine Woche lang in Kuala Lumpur mit Regierungsdelegationen aus aller Welt ausverhandelt worden war. Bayer-Sprecher Utz Klages schreibt: „Diese Aussage können wir nicht nachvollziehen.“ Das wiederum können die anderen Autoren des Berichts nicht nachvollziehen. Denn schließlich seien 10 000 Kommentare zum Bericht bewertet worden und die Industrie sei gerade deshalb eingeladen worden, an dem Bericht mitzuarbeiten, um ein hohes Maß an Einigkeit über den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu garantieren. Warum Bayer sich nun konkret distanziert, war trotz zweifacher Nachfrage nicht zu erfahren.

41 Prozent der Wildbienen in Deutschland sind gefährdet

Dabei bestätigt der Bericht, was die Bundesregierung der Abgeordneten Steffi Lemke (Grüne) auf eine Kleine Anfrage antwortete. Demnach sind in Deutschland 40,9 Prozent der insgesamt 560 Wildbienen-Arten gefährdet. 39 Arten sind bereits ausgestorben, weitere 31 vom Aussterben bedroht. Bei den Schmetterlingen sieht es nicht besser aus. 69 Arten dieser Insektengruppe sind ebenfalls stark bedroht. Der wirtschaftliche Nutzen durch die Bestäubung von Nahrungspflanzen liegt nach einer von Agrar-Staatssekretär Peter Bleser (CDU) zitierten Schätzung des Deutschen Imkerbundes bei zwei Milliarden Euro im Jahr.

Noch in diesem Jahr soll ein neues Institut für Bienenschutz am Julius-Kühn-Institut für Kulturpflanzen gegründet werden. Es ist ebenso wie das Thünen-Institut für ländliche Entwicklung dem Agarministerium zugeordnet. Jens Dauber vom Thünen-Institut bedauert, dass bei der Umsetzung der europäischen Agrarreform in Deutschland nicht mehr auf den Erhalt der Bestäuberarten geachtet worden ist. Die Vorgabe, Flächen für den Artenschutz aus der Nutzung zu nehmen, im EU-Jargon Greening, sei so umgesetzt werden, dass „das Greening keine großen Effekte haben wird“, sagte er dem Tagesspiegel.

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