Kunststoffverpackungen für Lebensmittel und die Alternativen : Alles Plastik - oder was?

Gurken in Plastikfolie, eingeschweißter Käse, Fast Food in Alu –  was für ein Müll! Selbst Bioläden kommen nicht ohne aus. Doch erste Innovationen zeigen: Es geht anders.

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Plastik ist leichter als Glas -das macht den Transport einfacher.
Plastik ist leichter als Glas -das macht den Transport einfacher.Foto: vario images

Biosupermärkte boomen, längst nicht mehr nur in Prenzlauer Berg. Doch wer sie betritt, wundert sich. Ob Seitanschnitzel oder Tofuwürstchen – was es hier zu kaufen gibt, erhebt meist den Anspruch, fleischlos, gesund und fair produziert zu sein. Doch der Verpackungsmüll, der zurückbleibt, wirft andere Fragen auf: Wie nachhaltig können eingeschweißte Biogurken oder Dinkelbratlinge im Plastikmantel sein? Und wie gesundheitsschädlich ist die Verpackung selbst?

Antje Müller von „denn’s Biomarkt“ macht strenge EU-Vorgaben zu Hygiene und Sicherheit verantwortlich. Bei alternativen Verpackungen wie Pappkartons bestehe die Gefahr, dass Mineralölrückstände aus dem recycelten Material ins Lebensmittel eindringen. So sei oft noch eine zusätzliche Plastikverpackung nötig.

Wo landet der ganze Müll?

Kunststoffe sollen unsere Lebensmittel schützen, zum Beispiel vor Verunreinigungen. Sie sollen den Transport unseres Essens erleichtern, vom anderen Ende der Welt oder vom Burgerladen um die Ecke – denn Plastik wiegt ein Vielfaches weniger als etwa Glas oder Holz. Und schließlich sollen sie dafür sorgen, dass die einzeln verpackte Scheibe Käse im Kühlschrank eines Singlehaushaltes tagelang Aroma und Geschmack bewahrt. Doch wo landet der ganze Müll?

In den Weltmeeren schwimmen laut Umweltbundesamt mehr als 140 Millionen Tonnen Abfall, rund drei Viertel davon sollen Kunststoff sein. Jahr für Jahr kommen Schätzungen zufolge bis zu zehn Millionen Tonnen hinzu. Im Nordpazifik treibt inzwischen ein Müllteppich der Größe von Deutschland und Frankreich. Allein hierzulande würden jährlich knapp drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen entsorgt, berichtet das Fraunhofer-Institut, nicht einmal die Hälfte davon werde wiederverwertet.

Fische werden zu Zwittern

Der Wiener Filmemacher Werner Boote wurde unruhig, als er 1999 in einer englischen Zeitung auf einen kurzen Artikel stieß. Bestimmte Fischarten, hieß es darin, könnten sich wegen des Plastikmülls in den Ozeanen nicht mehr fortpflanzen. Die von den Tieren für Plankton gehaltenen und deshalb gefressenen Kunststoffpartikel im Meer, das sogenannte Mikroplastik, würde den Hormonhaushalt der Fische derart durcheinanderbringen, dass Zwitterwesen entstünden – männliche Tiere bildeten Eizellen und wurden auf diese Weise unfruchtbar. „Das kann doch nicht wahr sein“, habe er damals gedacht, erzählt Boote im Telefoninterview, „sonst wäre das schließlich der absolute Wahnsinn.“

Also begann er zu recherchieren. Zehn Jahre sollte es dauern, bis sein Kinofilm „Plastic Planet“ 2009 Premiere feierte. Die Geschichte mit den Fischen stimmte, vieles andere auch. In seinem eigenen Blutplasma ließ Boote deutlich erhöhte Werte an schädlichen Substanzen nachweisen, die aus dem Kontakt mit Kunststoffen stammten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten starb jedes dritte Kamel an herumfliegenden Plastiktüten, fand Boote heraus und informierte den herrschenden Scheich. Der verbot zehn Tage später den Verkauf von Tüten.

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