Von TISCH zu TISCH : Landgut Borsig

So, heute ist mal eine zweite Chance fällig. Die Küche im Landgut A. Borsig draußen bei Nauen habe ich hier letztes Jahr sehr ungnädig behandelt.

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Nun ist ein neuer Küchenchef am Werk, was in Brandenburg leider meist bedeutet: Besser wird’s nicht. Hier aber doch, denn der Neue, Konstantin Kovac, ist ein guter Bekannter. Er war mal Küchenchef in Franz Raneburgers „Bamberger Reiter“ und in der Glienicker Remise, ist dann herumgezogen und nun wieder in der Nähe Berlins angekommen. Sein Profil passt ins Umland: Nichts Schräges, traditionelle Technik, regionale Produkte.

Und keine Höhenflüge. Das DreiGang-Menü für bescheidene 34 Euro markiert also wohl zumindest vorläufig das Ende der Fahnenstange. Start: Eine halbe Wachtel, nett in eine Cornflakes-Kruste eingebaut, darunter saftig-süßlich angemachten Spitzkohlsalat mit Trauben – das war’s. Garung und Abschmecken gelungen, Anrichtung okay, na gut, eine ganze Wachtel hätte auch nicht geschadet, aber man soll ja nicht unbescheiden sein. Hauptgang, sehr gelungen: Ein schönes saftiges Stück Skrei (also Winterkabeljau) auf einem Kartoffel-„Risotto“ mit Blattspinat und ein paar anderen Gemüseschnitzen.

Das ist eine ganz einfache Küche, da das Risotto auch gleich die Soße mitbringt, aber es ist eben, finde ich, auch genau das, was man hier draußen erwarten darf. Desserts scheinen allerdings eher nicht so die Stärke der Mannschaft zu sein, denn der Dreier aus Rhabarberkompott, Vanillequarkschaum und einem Schoko-Karamell-Törtchen war ziemlich banal. Speziell das fad-süße Törtchen mit seinem extrem ebenmäßigen Teigrand wirkte nicht, als sei es von Hand und in dieser Küche angefertigt worden.

Es geht hier auch noch bodenständiger, wie sich an einer Steckrübensuppe nebst gebratener Blutwurst zeigt: Die Suppe nicht elegant aufgeschäumt, sondern eher als ein Püree, dafür aber kräftig im Geschmack, offenbar mit ein wenig Zimt gewürzt. Schließlich ein gutes Fleischstück, das rätselhaft selten gemacht wird, nämlich Lammhüfte, schön rosa, dazu ein Artischockenboden mit Ratatouille-Würfeln sowie Gnocchi, die wieder sehr identisch aussahen, aber immerhin ganz gut schmeckten.

Die Weinkarte ist äußerst kurios aufgebaut: Sie bietet ausschließlich Weine der sehr guten deutschen Erzeuger Höfflin, Heiner Sauer, Knipser, Lergenmüller, Rebholz und Wehrheim. Sie werden mit ihrem Sortiment auch breit dargestellt; ich könnte mir allerdings vorstellen, dass mancher Gast, wenn er nach einem dichten Roten eher südlichen Typs sucht, das doch etwas teuer findet.

Der Clou des schön schlichten Restaurants ist natürlich die gestaffelte Terrasse über dem kleinen See. Am 1. April wird zudem eine Weinstube eröffnet. Möglicherweise wandert die rustikale Linie dorthin, und die Küche zeigt im Restaurant noch ein wenig mehr von dem, was sie zweifellos kann.

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