Essen & Trinken : Westfälisches Zwiebelfleisch

…und das Landbrot dazu

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Von Holger Zurbrüggen Das Zwiebelfleisch ist was ganz Traditionelles, das gibt’s auf fast jeder Hochzeit in Westfalen, und zwar als Vorspeise – und zum Schützenfest gehört es auch. Drei Pfund Rindfleisch braucht man da schon für eine ordentliche Portion. Am besten gehen Sie zum Metzger, der hat Fricandeaurolle, aus der Keule, die ist schön dafür. Ein Tafelspitz geht aber auch.

Das Fleisch müssen Sie nur salzen und kurz anbraten, so dass sich die Poren schließen, dann wird es mit kalter Gemüse oder Fleischbrühe abgedeckt. In den Topf kommen auch noch Suppengrün, Sellerie, Zwiebel und Lauch (die Möhre lasse ich lieber weg, die ist zu süß) und vier Lorbeerblätter. Das Ganze lassen Sie so zweieinhalb Stunden langsam köcheln.

Die Sauce wird separat zubereitet. Fünf Zwiebeln, in Streifen geschnitten, schwitzen Sie in Butter an bis sie glasig sind, dazu kommt ein halber Esslöffel scharfer Düsseldorfer Senf, Salz, ein Esslöffel Zucker und ungefähr fünf cl weißer Balsamico oder Weißweinessig – der eine mag’s gern ein bisschen süßer, der andere saurer, das muss man entsprechend abschmecken. Dann werden die Zwiebeln leicht mit Mehl bestäubt und mit einem Liter von der Rinderbrühe, in der das Fleisch gekocht hat, aufgefüllt. Das lassen Sie noch mal 20 Minuten kochen.

Die westfälische Küche ist ja ziemlich deftig, deswegen wird das Fleisch auch nicht in dünne Scheiben wie ein Schnitzel geschnitten, sondern eher wie ein Rumpsteak so dick; so wird es noch ein paar Minuten in der Sauce mit erwärmt, auch damit es deren Geschmack annimmt. Dazu gibt es einfach Brot, kräftiges Landbrot, oder Kartoffeln und Gurkensalat, angemacht mit Schnittlauch, Essig und Öl.

Holger Zurbrüggen ist Chefkoch im „Louis“ im Hotel Steigenberger Berlin und kommt aus Westfalen

Das Rindfleisch für das westfälische Gericht können Sie bei Bünger kaufen, dem guten Neulandfleischer in der Westfälischen Straße 53. Wegen der Parität besorgen Sie das hier abgebildete Sauerteig-Roggenbrot zum Zwiebelfleisch in der „1. Rheinländischen Bäckerei Mälzer“ (mehrere Filialen, darunter Blissestraße 2-6, Ahornstraße 16a). Der Großvater des jetzigen Betreibers hat es als Bäcker auf Wanderschaft einst ins Rheinland verschlagen, mit seiner Braut zog er 1899 nach Berlin, um die hiesige rheinische Kolonie mit Brot und Printen zu versorgen. Das ganz oben abgebildete Pumpernickel gibt es bei Manufactum brot & butter, der Filiale des Versandhauses der guten Dinge aus Waltrop im Ruhrgebiet (Hardenbergstraße 4-5). Dort findet man auch andere Spezialitäten wie Mettwurst, Senf aus der Eifel und vor allem das legendäre Kochbuch der Henriette Davidis. Ein echter Westfale kocht sein Pfefferpotthast nur nach ihrem Rezept. Seinen Rheinischen Sauerbraten auch. kip

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