Fake-Fatwa : Saudischer Mufti will Frauen virtuellen Frohsinn verbieten

Ein saudischer Mufti erzürnt sich auf Twitter an allzu albernen Posts auf sozialen Netzwerken: Frauen sollen seiner Meinung nach nicht mehr "Hahaha" im Internet schreiben. Der Twitter-Gelehrte wird prompt von iranischen Nachrichtenagenturen verhöhnt - zu Unrecht.

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Twitter-Profil von Abu al Bara: "Freethinker" im Namen des Herrn
Twitter-Profil von Abu al Bara: "Freethinker" im Namen des HerrnScreenshot: Tsp

Ohne die Moderne, muss sich mancher Muslim denken, wäre das Leben viel leichter. Zu Zeiten des Propheten Muhammad gab es den Koran - als liebevollen Wegweiser für den Gläubigen. Heute gibt es den Koran und aberdutzende Fatwen, ausgesprochen von Rechtsgelehrten, die besser wissen zu meinen, wie der Wegweiser von einst zu lesen ist. Einer dieser Gelehrten, dem die Suren nicht reichen, ist Abu al Bara.

Auf seinem Twitter-Account veröffentlicht er regelmäßig Tweet-Fatwen, seine eigene Form der modernen Glaubensverdeutung. Sein Name @ra7eeq_ma5toum spielt auf die Muhammad-Biografie "Der versiegelte Nektar" an.

Anfang Oktober twitterte er: "Es ist Frauen verboten, "hahahaha" als Zeichen ihrer Freude zu schreiben." Stattdessen sollen sie lieber den etwas holzigen Begriff "keusches Lächeln" in ihren Posts verwenden, wenn sie Freude ausdrücken wollen. Warum? Weil das explosive "Hahaha" Männern zu unzüchtigen Taten motivieren könnte. Eine weibliche Nutzerin antwortete auf den Tweet mit ebenjenem Terminus "keuches Lächeln" - der Twitter-Gelehrte beschied ihr sofort eine Seligsprechung.

Den absurden Tweet entdeckte eine iranische Nachrichtenagentur, die sich über den Autoren prompt empörte. Er sei Mufti und Mitglied des saudischen "Komitees für Tugendförderung und Verhinderung von Laster". Dieses Komitee gibt es tatsächlich - und Fatwen wie die obige sind ihm zuzutrauen. Allein, einen Abu al Bara gibt es dort nicht. Und es gibt ihn auch sonst nicht.

Der Mufti ist eine Parodie - die Iraner nehmen's ernst

Der Twitter-Account ist ein Fake, der Autor selbst erklärt sich dort als "Freidenker" und "Parodist". In seinem Profilbild sieht er wie eine arabische Hipsterversion aus, inklusive Bling-Bling-Brille und dickem Auto im Hintergrund. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr, die den Account entdeckte, konnte oder wollte dies jedoch nicht erkennen. Die Agentur arbeitet propagandistisch für den Iran - macht sich über US-Politiker lustig oder lobt die starke iranische Wirtschaft. Nun, sobald es um den Spinnefeind Saudi-Arabien geht, freut sich die Agentur anscheinend, wenn man den Schwarzen Peter im Fatwen-Erlassen über den Golf nach Süden schieben kann.

Über die Identität des falschen Mufti klärt sie ihre Leser lieber nicht auf. Dabei hat Abu al Bara durchaus auch Tweets, die - bis auf den Schiitenhass natürlich - ins Schema der Nachrichtenagentur passen würden: "Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Liberale sind bald tot, Säkuläre wissen's nicht genau. Tötet sie und alle Schiiten - und kommt direkt ins Paradies!"

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