Gesundheit : Die Chance des Torwarts beim Elfmeter Wie der Keeper seine Aussichten verbessert

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So ein Tor ist riesig: 7 Meter 32 breit und 2 Meter 44 hoch. Beim Elfmeter sind die Ecken für den Torwart fast unerreichbar. Er hat dann nicht einmal die Möglichkeit, rauszulaufen und den Winkel zu verkürzen. Schon seit 100 Jahren darf er sich beim Strafstoß nicht mehr von der Linie bewegen. Und ist daher fast chancenlos.

DIE TREFFERQUOTE

Bei Weltmeisterschaften haben die Schützen seit 1930 von 160 Elfmetern 130 verwandelt. Das sind etwa fünf von sechs Schüssen. In der Bundesliga ist die Torausbeute etwas niedriger. Aber auch hier landen statistisch gesehen drei von vier Elfern im Netz. Thomas Dohmen von der Universität Bonn hat 12 000 Erstligapartien aus den 41 Bundesliga-Spielzeiten zwischen 1963 und 2004 analysiert. Von den 3619 gegebenen Strafstößen verwandelten die Schützen 2687 (also 74 Prozent). Weitere 252 Versuche waren Fehlschüsse (sieben Prozent), sie gingen an den Pfosten, die Latte oder verfehlten das Tor. 680-mal konnte der Torwart halten (19 Prozent).

DIE GESCHWINDIGKEIT

Dass der Torwart derart geringe Chancen hat, liegt nicht nur an der Größe des Tores, sondern auch an der Geschwindigkeit des Balles. Wird der Ball mit einem Tempo von 90 bis 100 Kilometern pro Stunde geschossen, dann fliegt er bereits eine halbe Sekunde, nachdem ihn der Schütze losgetreten hat, über die Linie. Manche Schüsse haben ein noch höheres Tempo. So schnell hechtet kein Torwart in die eine oder andere Ecke. Er könnte zwar bis zum Moment des Schusses abwarten, aber wegen seiner Reaktionszeit würde sich die ihm verbleibende Spanne dann auf etwa eine Viertelsekunde verringern, sprich: Der Ball hätte in diesem Fall schon den halben Weg zurückgelegt, ehe der Keeper auch nur losgesprungen wäre.

AM TEMPOLIMIT

Um einen platzierten Schuss dann noch zu erreichen, müsste ein Torwart mit der Durchschnittsgeschwindigkeit eines 100-Meter-Sprinters zum Ball hechten, hat Karel Tschacher vom Mathematischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg berechnet. Dies sei selbst für einen guten Torhüter wie Oliver Kahn unrealistisch. „Zumal er seinen Körper aus der Ruhe erst beschleunigen muss.“ Der Torwart entscheidet sich also in der Regel bereits kurz vor dem Schuss für eine Seite.

UNTEN INS ECK

Der Schütze wählt am häufigsten die linke oder rechte untere Ecke. Das haben der Sportwissenschaftler Michael Bar-Eli von der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva in Israel und sein Kollege Ofer Azar bei der Analyse von 286 Elfmetern ermittelt, die bei internationalen Wettkämpfen gegeben wurden. Die Chancen für den Torwart sind bei flachen Bällen noch vergleichsweise gut. Einen hohen und platzierten Ball erreicht er dagegen so gut wie nie. Denn Fliegen ist noch langsamer als die Bewegung am Boden. Für den Schützen sei es daher am besten, ins obere Drittel zu schießen. „Aber nur etwa 13 Prozent der untersuchten Schüsse gingen tatsächlich dorthin.“

DIE GOLDENE MITTE

Nicht nur der Schütze, auch der Torwart muss darauf achten, dass sein Gegenüber sein Verhalten nicht vorhersehen kann. In 95 Prozent der Fälle entscheidet sich der Keeper für eine der beiden Ecken, aber die Schützen jagten immerhin 29 Prozent die Kugel einfach mitten aufs Zentrum des Tores. Die beiden Forscher raten daher, der Torwart solle hin und wieder in der Mitte stehen bleiben. Sie haben gut reden! Die Mathematik ist das eine. Der Keeper aber macht keine besonders gute Figur, wenn er sich nicht vom Fleck bewegt. Die Nerven hatte nicht einmal Sepp Maier. Auch er tauchte vergeblich ab, als Johan Neeskens den Ball im WM-Finale 1974 gegen Holland mit dem Vollspann mitten ins Tor drosch. tdp

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