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Die Grinberg-Methode : Massage für die Seele

27.10.2008 00:00 UhrVon Philipp Hauner
WIRECENTER Foto: © Chanan StraussBild vergrößern
Entspannung durch Druck. Bei der Grinberg-Methode werden verschiedene Massagetechniken kombiniert. - Foto: © Chanan Strauss

In den siebziger Jahren entwickelte der Israeli Avi Grinberg ein alternatives Heilverfahren. Diese Physiotherapie für psychische Probleme kann man in Berlin ausprobieren

Es war ein gewöhnlicher Tag. Sonja Zausch wollte nach ihrer Nachbarin sehen, einer guten Freundin. Denn die damals 37-Jährige war seit Tagen nicht erreichbar. „Vermutlich liegt sie mit einer Grippe im Bett“, dachte sich Sonja Zausch noch im Treppenhaus. Sie schloss die Wohnungstür auf, ging hinein. Im Bett lag niemand. Sie fand ihre Freundin tot in der Badewanne. Plötzlicher Herzstillstand durch eine Herzmuskelentzündung wurde später obduziert.

Sonja Zausch erlitt an diesem Tag eine Art Schock. Sie spürte ihren seelischen Schmerz auch körperlich. „Als hätte jemand Beton in meine Brust gegossen“, beschreibt sie das Gefühl in dem Moment, als sie ihre Freundin tot daliegen sah.

Das ist jetzt drei Jahre her.

Traumatische Erlebnisse haben auch Einfluss auf den Körper.

Die alleinerziehende Mutter beschloss, einen Weg zu suchen, das schreckliche Erlebnis zu verarbeiten. Weil sie erlebt hat, wie stark Körper und Geist zusammenhängen, wollte sie etwas ausprobieren, wobei man den Kopf ausschalten kann. „Weil der bei mir immer so flink ist“, sagt die heute 40-Jährige. Eine Psychotherapie kam daher nicht in Frage. Eine Freundin empfahl ihr die Grinberg-Methode.

Yoga, Pilates oder Feldenkrais? Die noch weitgehend unbeachtete Behandlungsmethode ist nur schwer mit bekannten Formen der Körperarbeit zu vergleichen. Die griffigste Beschreibung hat wohl die britische Zeitung „Guardian“ gefunden. Als „eine Art Physiotherapie für psychische Probleme“ wird die Methode hier beschrieben.

Alles beginnt mit einer Analyse der Füße – denn die sind für Grinberg-Praktiker der Spiegel der Seele. Temperatur, Farbe, Flexibilität und die Beschaffenheit der Haut werden untersucht. Rote Füße stehen zum Beispiel für Schmerzen, zu viel Anstrengung und Entzündungen. Danach beginnt die Behandlung durch Berührungen und sanftes Drücken auf verschiedene Körperstellen. Akkupressur und Techniken aus der klassischen Massage sowie der Shiatsu-Therapie werden dabei kombiniert. Das soll den Energiefluss durch den Körper verbessern.

Die Grinberg-Methode versteht sich weder als Religion noch als Ideologie.

Der Anlass, eine Grinberg-Praxis aufzusuchen, muss nicht immer ein tragischer sein, so wie bei Sonja Zausch. „Oft genügt es, wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist, daran arbeiten möchte, aber nicht weiß, wie“, sagt Claudia Glowik, die in Prenzlauer Berg eine Praxis führt. Auch Menschen mit chronischen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Rückenschmerzen, kommen zu ihr. Claudia Glowik nennt sie Klienten, denn „Patient zu sein, heißt passiv zu sein“, sagt die 34-Jährige. „Wer sich auf die Grinberg-Methode einlässt, sollte wissen, dass seine Beteiligung maßgeblich über den Erfolg entscheidet“.

Sie selbst hat bei Avi Grinberg gelernt, dem Namensgeber der Methode. Der Israeli beschäftige sich in den siebziger Jahren mit unterschiedlichen Praktiken der Körperarbeit. Seine Methode ist das Destillat aus seinen besten Erfahrungen. Eines seiner Grundprinzipien ist es, dass jeder, der die Methode anwendet gleichzeitig Lehrer für andere ist. Denn nach Avi Grinbergs Ansicht muss sich am Ende jeder selbst helfen, weil eine Heilung von außen nicht funktioniere.

Für Avi Grinberg ging es auch nie darum, Schmerz und Angst zu vermeiden, sondern darum, besser damit umzugehen. Nur: Wie sieht das konkret aus?

Sonja Zausch erinnert sich: „In der ersten Sitzung sollte ich meiner Trauer körperlich Ausdruck geben.“ Ihre Freunde beschreiben sie als tatkräftige, selbstständige Frau. Nach dem tragischen Erlebnis aber rollte sie sich auf der Praxisliege zusammen. Sie lag da wie ein gekrümmter Embryo. Sobald der Klient sich über seine Bewusstseinslage im Klaren ist, kann der Lernprozess beginnen. In Einzelsitzungen wird nach einem Gespräch mit der Druckmassage begonnen – vieles ist durchaus schmerzhaft. Zum Beispiel das „Rubbeln auf der bloßen Haut, bis sie fast anfängt zu brennen“, erzählt ein Besucher, der zu einem Schnupper-Workshop in die Praxis von Claudia Glowik gekommen ist. „Gleichzeitig wird man ständig daran erinnert, ganz tief zu atmen“, sagt er. Durch das Ein- und Ausatmen soll der Körper Ballast abwerfen.

Eine intensive Atmung und verschiedene Massage-Techniken wirken zusammen.

Für Sonja Zausch war das neue Atmen ein Erweckungserlebnis: „Es hat mir einen ganz anderen Zugang zu meinem bisherigen Leben beschert, der nicht über ein Gespräch entstand, sondern über meinen Körper.“ Claudia Glowik erklärt die zentrale Rolle der Atemtechnik: „Ich erinnere die Klienten immer wieder an ihre Atmung, da diese ihr Energielevel erhöht und sie ihren Körper dann deutlicher spüren.“ Dadurch kommt es auch vor, dass Klienten anfangen zu weinen oder zu zittern. „Das ist die Sprache des Körpers, wenn er sprechen darf. Und dann sortiert er seine Energien neu“, erklärt die Grinberg-Lehrerin. Sie beklagt, dass die meisten Menschen heutzutage verlernt hätten, auf ihren Körper zu hören: „Viele versuchen, ihn mit dem Intellekt zu übertölpeln, dabei ist der Körper verdammt clever. Er antwortet auf seine Art mit Unwohlsein oder Schmerzen.“

Die Praktiker der Grinberg-Methode haben eine andere Art gefunden, mit dem Körper umzugehen. Neben den Einzelsitzungen bieten sie auch Workshops an, die sich häufig einem konkreten Problem widmen. Zum Beispiel kann man hier lernen, schneller und freudiger Entscheidungen zu treffen. Denn wer lange grübelt, verbraucht jede Menge Energie, die sich nach Avi Grinberg besser nutzen ließe. Zu betonen, dass ihre Methode keinen Ersatz zur Schulmedizin darstellt, ist den Lehrern besonders wichtig. Und es ist auch keine Religion, nicht spirituell und folgt keiner Ideologie.

Sonja Zausch konnte dank der Grinberg-Methode ihren Kummer recht schnell hinter sich lassen, sagt sie. Mittlerweile arbeitet sie an einem anderen Thema: Öfter mal nein sagen können.

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