Gesundheit : Gefahr aus dem Weltraum

Ein Asteroid nähert sich der Erde – aber erst 2029

Roland Knauer

„99942 Apophis“ heißt dieser Asteroid mit einem Durchmesser von allenfalls 300 Meter, der am 13. April 2029 der Erde ungemütlich nahe auf den Pelz rückt. In rund 30000 Kilometern Entfernung wird dieser Himmelskörper dann an der Oberfläche des Globus vorbei schrammen, es können auch 9000 Kilometer mehr oder weniger sein, haben Wissenschaftler in aller Welt ausgerechnet. Fest steht aber jetzt schon, dass Apophis an dem Freitag, den 13. die Erde verfehlen wird – wenn auch nach kosmischen Maßstäben nur denkbar knapp.

Der Himmelskörper hat einen düsteren Namen: „999“ ist in Großbritannien die landesweite Notrufnummer. „42“ ist im Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ die mysteriöse Antwort auf alle Fragen des Weltraums. Und „Apophis“ ist der griechische Name für den altägyptischen Gott Apep. Dieser Schlangengott wohnt angeblich in der ewigen Dunkelheit der Unterwelt und versucht die Sonne zu zerstören.

Mit einer guten Portion schwarzen Humors haben die Wissenschaftler diesen Namen gewählt, weil Apophis tatsächlich die Sonne auslöschen könnte. Allerdings nur vorübergehend, nur für einen Teil der Erde und frühestens in den Jahren 2035 oder 2036. Dann könnte der Asteroid nämlich Nordamerika oder den Pazifik treffen. Allerdings ist auch das mit einem Risiko von 1 zu 32000 für einen Treffer 2035 und 1 zu 12000 für 2036 recht unwahrscheinlich.

Wenn Apophis nämlich an dem Freitag, den 13. April 2029 knapp an der Erde vorbei saust, hängt alles von seiner genauen Bahn ab. Passiert er eine kleine „Schlüsselloch“ genannte kaum fünfhundert Meter breite Stelle in der Nähe des Globus, lenkt die Schwerkraft der Erde den Asteroiden so ab, dass er sechs oder sieben Jahre später die Erde treffen könnte.

Nun ist es unwahrscheinlich, dass Apophis dieses 500 Meter breite Schlüsselloch im Jahr 2029 tatsächlich trifft, wenn seine Bahn auch um 9000 Kilometer abweichen kann. Genaueres werden die Forscher daher erst in einigen Jahren wissen, wenn sie seine Bahn genauer berechnen können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sie dann Entwarnung geben.

Sollte es anderes kommen, könnte der Asteroid erheblichen Schaden anrichten. Trifft er in Nordamerika auf festes Land, könnte er einen Krater von etwa fünf Kilometer Durchmesser aufreißen und so leicht das Zentrum einer Großstadt ausradieren. Solche Treffer gab es früher bereits. Vor 15 Millionen Jahren donnerte ein Himmelskörper mit etwa einem Kilometer Durchmesser ins heutige Bayern und schlug einen Krater mit 25 Kilometern Durchmesser in den Boden – das Nördlinger Ries. Im Umkreis von hundert Kilometern wurde wohl alles Leben ausgelöscht. Ein Treffer in den Pazifik würde gewaltige Tsunamis auslösen.

Auch wenn die Trefferwahrscheinlichkeit extrem gering ist, macht sich die europäische Weltraumorganisation ESA Gedanken, wie man solche Katastrophen verhindern könnte. Der Brite Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof ist Vorsitzender der ESA-Beratungskommission zu diesem Thema. Die Kommission, sagt er, sehe nicht nur eine Mission zur genauen Untersuchung eines Asteroiden vor, sondern wolle auf diesen auch ein Projektil mit einer großen Masse abfeuern. Ähnlich wie ein Schneeball einen Menschen ein klein wenig taumeln lässt, bringt auch die Wucht dieses Treffers den Asteroiden ein wenig von seiner Bahn ab. Würde man also Apophis rechtzeitig anschießen, genügt die winzigste Abweichung, um den Asteroiden vielleicht zehn Jahre später an dem nur 500 Meter breiten Schlüsselloch vorbei sausen zu lassen und das eventuelle Inferno wäre verhindert.

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