Gesundheit : Unikate: Der Konservative

Sibylle Salewski

In lockerer Folge stellen wir politisch aktive Studenten vor - solche, die dem Mainstream angehören und solche mit sehr individuellen Ansichten.

Demokratie kann nicht heißen, dass alle überall mitbestimmen, findet Tim Peters. Auch nicht an der Uni: Wenn Professoren und Studenten, wissenschaftliche und sonstige Mitarbeiter alle eine Stimme haben, dann komme hinterher doch nichts als Chaos raus. Klare Verantwortlichkeiten brauche es stattdessen, findet der 27-Jährige. Übernehmen sollen sie Leute mit Lebenserfahrung - Professoren und externe Experten. "Professoren wissen eher, worauf es ankommt. Ich möchte nicht, dass einer der Studentenvertreter, die ich bisher getroffen habe, über meinen Lehrplan entscheidet."

Mit 14 Jahren ist Tim Peters in Hamburg der Jungen Union beigetreten, war in der Schülerunion aktiv und engagiert sich nun als Jurastudent im RCDS. Für diesen saß er im vergangenen Jahr im Studentenparlament der Humboldt-Universität. Dort hat er seine politische Heimat gefunden. Er kommt aus einem bürgerlichen Elternhaus. "Sicherlich hat mich das geprägt", sagt er.

Die Studenten, die wirklich Leistung bringen wollen, müssen massiv gefördert werden, findet Peters. Er spricht vom Recht des Studenten auf gute Lernbedingungen; Studentenvertreter sollten sich hauptsächlich um Service kümmern, zum Beispiel Karriereberatung für Studenten. Gebühren für länger Studierende findet Peters angebracht: "Wer es bis zu seinem 14. Semester nicht schafft, einen Abschluss zu machen, den kann man auch zahlen lassen". Wer so lange studiere, nehme meist das Studium nicht ernst. "Ja, man kann schon sagen, dass viele von denen einfach faul sind."

Tim Peters spricht ruhig und beherrscht, aber man sieht ihm auch seine Leidenschaft und Freude an der Politik an. Er glaubt daran, dass man sich einbringen muss, will sich selbst, bürgerlich und pflichtbewusst, für die Gesellschaft engagieren, den Staat, Deutschland. "Ich bin politisch aktiv aus Überzeugung für dieses Land", sagt er. "Deshalb habe ich mich auch zwei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, weil ich das Land verteidigen würde gegen welche, die unsere Freiheit und unseren Staat bekämpfen wollen."

Er ist stolz auf diesen Staat, auf das vorbildliche demokratische System, die funktionierende Wirtschaft, die Verankerung in Europa - auch auf die hervorragenden Dichter und Komponisten. "Allerdings würde ich es nicht wie ein Plakat vor mir hertragen, dass ich stolz bin, Deutscher zu sein. Man darf auch die negativen Seiten der deutschen Geschichte nicht ausblenden." Dass einer wie Trittin, der doch eher eine negative Einstellung zu unserem Staat habe, eine Chance hat, in der Politik aufzusteigen, findet er schade.

Die Debatte um den Rechtsextremismus sollte als eine anti-totalitäre Debatte geführt werden, in der Gewalt überhaupt verurteilt wird, linke genauso wie rechte. Die doppelte Staatsbürgerschaft sei falsch, weil man sich zu einem Land bekennen müsse. Aber die Einbürgerung sollte erleichtert werden: "Wer fünf bis sieben Jahre hier gelebt hat und bereit ist, Rechte und Pflichten anzunehmen, dem sollte man auch die deutsche Staatsangehörigkeit geben."

Später einmal will Tim Peters eine Familie haben, Kinder, vielleicht in die große Politik einsteigen. Dass er irgendwie immer im Kleinen aktiv bleiben wird, bei der Jungen Union und der CDU, da ist er sich sowieso sicher. Aber zunächst will er einen "zivilen" Beruf haben, Geld verdienen, um dadurch unabhängig zu bleiben. "Sonst meint man später, so abstimmen zu müssen, wie Parteibasis oder Vorstand es wollen, weil man ein Haus abbezahlen muss und Kinder zu ernähren hat und nicht einfach sagen kann: macht das ohne mich, das trage ich nicht mit."

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