Gesundheit : Warum ist es in der Wüste nachts so kalt?

Thomas de Padova

Geographen sind anspruchslose Naturen. Ein notdürftiges Quartier in der Sahara gilt ihnen als Millionen-Sterne-Hotel. Sie liegen unterm Himmelszelt und teilen die nächtliche Kühle mit Wüstenfüchsen und Mäusen, mit Käfern und Spinnen, die mit Sonnenuntergang aus ihren Verstecken kommen und sich erst wieder in der Erde vergraben, wenn sie den Durst an ein paar Tröpfchen Morgentau gestillt haben.

Die Wüste lebt. Zumindest nachts. Auch wenn tagsüber Temperaturen von 40 oder 45 Grad im Schatten herrschen, kühlt es in der Nacht auf bis zu zehn oder 15 Grad Celsius ab. Im Winter werden in der Sahara nachts sogar Minustemperaturen gemessen. Derartige Temperaturschwankungen von bis zu 30 Grad Celsius sind nur bei extremer Trockenheit möglich. „In den Trockengebieten der Erde hat man so gut wie keine Wolkenbedeckung“, sagt Roland Baumhauer von der Universität Würzburg, der Klimaänderungen in der Sahara erforscht. Je weniger Wolken, umso stärker erwärmt sich tagsüber der Boden durch die direkte Sonneneinstrahlung. „Die Hitze entweicht nachts aber auch schnell wieder, wenn keine Wolken da sind, die die Wärme zurückstrahlen.“ Bei gelegentlich bewölktem Himmel dagegen fallen auch in der Sahara die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht geringer aus.

Dass es nach Sonnenuntergang schnell kühler wird, liegt auch an der Beschaffenheit des Wüstenbodens. Eine Trockenwüste wie die Sahara – so groß wie die USA – ist zu etwa 20 Prozent mit Sand bedeckt, ansonsten mit Gestein. Anders als Meere oder Seen speichern Sand und Fels die Wärme nur oberflächlich. Sie dringt nicht tief in den Untergrund ein.

Nur die obersten Zentimeter des Wüstengesteins mit der häufig dunklen Kruste aus Eisen und Mangan heizen sich extrem auf. Mitunter so sehr, dass man auf dem glühenden Fels Spiegeleier braten kann. Manche Wüsteneidechsen heben, damit sie sich die Füße nicht verbrennen, immer wieder paarweise ihre Beine: mal vorne rechts und hinten links, dann die andere Diagonale.

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