Gigantische Umweltprobleme der Ozeane : Mehr Plastik als Plankton

Zu den gigantischen Problemen der Ozeane zählen neben dem Plastikmüll die Korallenbleiche, die Übersäuerung und Überfischung. Die Vereinten Nationen wollen nun die Ozeane besser schützen.

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Jährlich landen mehr als acht Millionen Tonnen Plastik im Meer – oder wie hier bei Accra, Ghana, an den Stränden.
Jährlich landen mehr als acht Millionen Tonnen Plastik im Meer – oder wie hier bei Accra, Ghana, an den Stränden.Foto: dpa

Anfang des Jahres ist ein sechs Meter langer Wal an der norwegischen Küste bei Sotra gestrandet, der getötet werden musste. „Es war offensichtlich, dass der Wal krank war und Schmerzen hatte“, sagte der Zoologe Terje Lislevand. Bei der Obduktion machten Forscher eine gruselige Entdeckung: Im Magen des Tieres lagen mehr als 30 Plastiktüten und andere Gegenstände aus Kunststoff. Der Darm hingegen war leer, der Wal war am Verhungern. Das Plastik hatte vermutlich einen Pfropfen im Magen gebildet.

Die Verschmutzung mit Millionen Tonnen Plastikmüll zählt zu den größten Umweltproblemen der Ozeane. Aber es ist bei Weitem nicht ihr einziges Problem. Mit einem dringenden Appell hat daher der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, die erste UN-Konferenz eröffnet, die sich mit dem Schutz der Ozeane befasst. Guterres rief am Montag die Staatengemeinschaft in New York dazu auf, „kurzfristige nationale Gewinne“ zurückzustellen, um eine langfristige globale Katastrophe zu verhindern. „Unsere Ozeane zu schützen und nachhaltig zu nutzen, bedeutet den Schutz des Lebens selbst“.

In Anspielung auf die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten, sagte Guterres, es sei an der Zeit, „den künstlichen Gegensatz zwischen ökonomischen Erfordernissen und dem gesunden Zustand unserer Meere“ aufzuheben. „Schutz und nachhaltige Nutzung der Ressourcen unserer Meere sind zwei Seiten derselben Medaille.“

8. Juni zum "Welttag der Meere" ausgerufen

Bis Freitag werden Regierungsvertreter aus aller Welt, Meeresschützer und einige Staatschefs über Wege aus der gigantischen Verschmutzung der Ozeane beraten. Um auf die Bedeutung der Ozeane für die Menschheit hinzuweisen, haben die Vereinten Nationen den 8. Juni zum „Welttag der Meere“ ausgerufen.

Zu den gigantischen Problemen der Ozeane zählen neben dem Plastikmüll die Korallenbleiche, die Übersäuerung der Meere sowie ihre Überfischung – aber auch der aufgrund des Klimawandels steigende Meeresspiegel. Er bedroht vor allem kleine Inselstaaten. Schwedens Vize-Regierungschefin Isabella Lövin, die der Konferenz gemeinsam mit den Fidschi-Inseln vorsitzt, erklärte, sie hoffe auf eine für die „Ozeane so dringend benötigte Wende“. Sie warnte, in einigen Gebieten gebe es inzwischen „mehr Mikroplastikteilchen als Plankton“.

Ziel der Konferenz ist ein Aufruf zum Handeln an Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um dem 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziel Nummer 14 zum Schutz der Ozeane mit konkreten Schritten näherzukommen. Diskutiert wird unter anderem, bis 2020 mindestens zehn Prozent der Küsten- und Meeresgebiete unter Schutz zu stellen. Außerdem sollen die Verschmutzung der Meere verringert und illegaler Fischfang stärker bekämpft werden.

Die Energieversorger blicken auf die im Meer gelagerten Rohstoffe

Fischfang, über Jahrtausende auf Küsten und Flussmündungen konzentriert, wird nun weltweit und bis in die Tiefsee betrieben, wo Schleppnetze die am Meeresgrund lebenden Fische fangen und Korallen und Schwämme beeinträchtigen oder zerstören. An den Küsten expandieren Aquakulturen, ebenso Gas- und Ölförderung und Schifffahrt. Und begierig blicken die Energieversorger auf die im Meer liegenden Rohstoffe für Tiefseebergbau.

Dem Ozean als größtes Ökosystem der Erde widmet der Weltklimarat in seinem Bericht 2014 viel Raum. Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven (AWI) war einer der koordinierenden Autoren eines Ozeankapitels. „Die Ozeane sind unerlässlich für den Wärmehaushalt des Globus und die Regulierung des Klimasystems. Sie nehmen über 90 Prozent der Wärme auf, die sich derzeit auf der Erde anstaut“, sagt Pförtner in einem Interview auf der Webseite seines Institutes.

Wissenschaftler stellen einen Trend zur Erwärmung in vielen marinen Ökosystemen fest, vor allem in der oberen Wasserschicht. Ein geringerer Austausch an Gasen und Nährstoffen zwischen den Wasserschichten und die Bildung von Zonen mit Sauerstoffmangel kann die Folge sein. „Diese Sauerstoffmangelzonen in mittleren Meerestiefen sind in niedrigen Breiten schon immer natürlicher Bestandteil der Meere gewesen, breiten sich aber mit zunehmender Erwärmung aus“, sagt Pförtner, „hinzu kommen zunehmend Sauerstoffmangelzonen an den Küsten.“ Erwärmung und Nährstoffeintrag durch den Menschen seien hier auslösende Faktoren. Ein weiteres wachsendes Phänomen, das mit Sorge beobachtet wird, sind „Totzonen“, in denen der Sauerstoffgehalt im Wasser für die Lebewesen im Wasser nicht mehr ausreicht.

Eine Südseekrabbe hat eine neue Verwendung für Plastikmüll gefunden
Eine Südseekrabbe hat eine neue Verwendung für Plastikmüll gefundenFoto: p-a/Jennifer Lave

Je mehr Kohlendioxid in die Meere eindringt, desto mehr Kohlensäure bildet sich, der pH-Wert des Wassers sinkt. Der Ozean „versauert“. Organismen mit Kalkschalen und Skeletten wie Korallen und Muscheln leiden darunter nach Ansicht der Meeresforscher besonders stark.

UNEP hat den "Krieg gegen Ozean-Plastik" ausgerufen

In den Blickpunkt der Umweltdebatte ist auch die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll gerückt. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) hat den „Krieg gegen Ozean-Plastik“ ausgerufen. Eine weltweite Kampagne soll bis 2022 die wichtigsten Quellen von Meeresmüll beseitigen: Mikroplastik in Kosmetika und den „exzessiven, verschwenderischen Verbrauch“ von Plastik. „Plastikmüll landet an den Stränden Indonesiens, lagert sich am Meeresboden am Nordpol ab, und gelangt durch die Nahrungskette bis auf unsere Teller. Wir haben zu lange zugesehen, während das Problem schlimmer wurde“, sagt Unep-Chef Erik Solheim.

Fische und Meeressäugetiere verfangen sich in Müll, sie werden stranguliert oder gehen elend zugrunde, wenn sie Müll verschlucken. Nach UN-Angaben landen jährlich mehr als acht Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen und verursachen Schäden an marinen Ökosystemen von acht Milliarden Dollar. Setzt sich die Verschmutzung der Meere durch Plastik im bisherigen Maße fort, werden die Ozeane im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch haben und schätzungsweise 99 Prozent der Meeresvögel werden Plastik geschluckt haben, berichtet Unep.

Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba kündigte am Montag immerhin die Schaffung von Afrikas größtem Meeresschutzgebiet an. Laut einer am Montag veröffentlichten internationalen Studie könnten Meeresschutzgebiete tatsächlich den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen. Doch bislang sind derzeit nur 3,5 Prozent der Ozeane als Schutzgebiete ausgewiesen. mit AFP/dpa

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