Matthies meint : Hinter holländischen Gittern

Demnächst werden norwegische Straftäter nach Holland ins Gefängnis geschickt. Das sind sicher attraktive Flachbauten, lichtdurchflutet mit Fenstern bis zum Boden, voll ausgestattet mit Coffeeshop und Wellnessoase. Eine Glosse.

Bernd Matthies
Ganz ohne Schließer geht es wohl auch in Holland nicht.
Ganz ohne Schließer geht es wohl auch in Holland nicht.Foto: AFP

Bitte, wie war das jetzt mit der europäischen Integration? Die Zahl derer, die sie ganz von Herzen wollen, dürfte in letzter Zeit drastisch abgenommen haben. Doch hinter der aufgewühlten Oberfläche arbeiten unsere Politiker gelassen daran, die europäischen Staaten inniger miteinander zu verknüpfen. Beispiel? 

Es kommt aus Veenhuizen. In diesem nordostholländischen Ort wurde jetzt ein Abkommen unterzeichnet: Demnächst werden norwegische Straftäter zur Strafverbüßung nach Holland, in ebendiesen Ort, geschickt. Dafür gibt es ein richtiges Regierungsabkommen, basierend auf einer verblüffenden Entwicklung: Norwegens Gefängnisse sind voll, die niederländischen leer.

Um dieses Geschäft rechtsstaatlich geordnet abzuwickeln, wurde das betreffende Gefängnis sogar zu norwegischem Territorium erklärt, wie eine Botschaft. Direktor norwegisch, Gesetze norwegisch – nur das Personal bleibt, wo es war. Dahinter steckt ein wesentlicher Grundsatz der europäischen Integration: Jedes Land soll das tun, was es am besten kann, und diese Dienste auch anderen zur Verfügung stellen.

Ich möchte ungerne in Bulgarien untergebracht werde, Dänemark wäre sehr recht

Holland ist nun ein menschenfreundliches Land mit liberalen Gesetzen, die vermutlich in den Gefängnissen spürbar werden – das sind sicher attraktive Flachbauten, lichtdurchflutet mit Fenstern bis zum Boden, voll ausgestattet mit Coffeeshop und Wellnessoase. Aus der Sicht norwegischer Internetbetrüger wäre auch ein vernetzter Computer nebst Flatrate wichtig, aber generell wird man sagen können: Norwegens Kriminelle haben da nun etwas, worauf sie sich freuen können. Holländische Gitter sind garantiert viel angenehmer als schwedische Gardinen.

Allerdings verrät uns die Meldung nicht, ob die Norweger ausreisen müssen. Mancher ist im Osloer Knast verwurzelt, die Familie schaut gern zum Schwätzchen vorbei, da wären drei Jahre in Veenhuizen ein Problem. Und wer weiß, welche Länder demnächst ihre Gefängnisse vermieten? 

Falls mir also demnächst – man weiß ja nie – eine Haftstrafe unterläuft, dann möchte ich ungern zum Beispiel in Bulgarien untergebracht werden. Auch die Schweiz scheidet aus, schon wegen der irren Lebenshaltungskosten. Österreich und eben Holland gingen in Ordnung, Dänemark wäre sehr recht. Aus Berliner Sicht kommt bekanntlich erst einmal Brandenburg in Betracht, das ist auch okay. Dort ist in diesem Jahr Bundesgartenschau, das spart den langen Weg nach Holland.

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