Fashion Week : Barre Noire und die gebrochenen Herzen

Timm Süßbrich ist Teil der Fashion Week. Wie er die letzten Tage vor seiner Modenschau erlebt, wird er ab Freitag auf dem neuen Mode-Twitteraccount des Tagesspiegels für uns in die Welt hinauszwitschern.

Lisa Kober
Blumenwiese auf Kleid. Aus der Sommer-Kollektion von Süßbrich.
Blumenwiese auf Kleid. Aus der Sommer-Kollektion von Süßbrich.Foto: promo

Das Modeatelier von Timm Süßbrich liegt um die Ecke einer McDonald’s-Filiale, mitten im bürgerlichen Wohngebiet des Wedding. Hier wird kurz vor der Fashion Week noch richtig geschuftet. Zusammen mit seinen beiden Angestellten legt der Designer von Barre Noire (Link zur Homepage) eine Nachtschicht nach der anderen ein. Es werden nicht nur Nähte versäubert und Knöpfe angenäht, das sind Detailarbeiten, die in der Modebranche ganz normal sind, kurz vor dem großen Auftritt. Bei Barre Noire entstehen manchmal noch ganze Kollektionsteile in letzter Minute. „Dann fällt mir zufällig noch ein Stoff in die Hände, mit dem ich gar nicht geplant hatte, und damit setze ich mich doch noch mal an die Nähmaschine. Aus solchen Zufällen entstehen sogar oft meine Lieblingsteile“, erzählt Timm Süßbrich.

Aber der Designer hat noch ein anderes Projekt, das seine Zeit verlangt. Für den offiziellen Mode-Account des Tagesspiegels twittert er seine Vorbereitungen zur Fashion Week. Mit Bildern und Kommentaren zeigt Süßbrich, wie ein Modelcasting abläuft, für welches Make-up sich das Barre-Noire-Team entscheidet und ob beim Fitting alles glatt läuft.

Das Berliner Label ist bekannt für seinen Mix aus Betongrau und Mustern in Knallfarben aus der Natur- und Tierwelt. Auch diesmal treffen gedeckte Farben auf Knalltöne und so reihen sich auf der Kleiderstange lila-orangefarbene Musterhosen an grau-karierte Flanellhemden.

Wenn es nach Timm geht, sehen wir im nächsten Winter alle ein bisschen nach Liebeskummer aus. Seine neue Kollektion hat er „Smells like broken hearts“ genannt. Nicht etwa, weil er selbst ein gebrochenes Herz hat, sondern weil das für ihn den typischen Berliner Stil ausmacht: „Der Berliner an sich sieht ja gerne so aus, als hätte er sich keine Gedanken über sein Styling gemacht, und manche sehen wirklich so aus, als hätten sie Liebeskummer.“

Trist und traurig sind seine Entwürfe aber trotzdem nicht, denn seine Kundinnen mögen Farben: „Meine Hauptzielgruppe sind Frauen ab vierzig, die modisch sehr selbstbewusst sind und mutig mit Farben umgehen.“ Inzwischen wird aber auch seine Männermode immer mehr getragen. Denn gerade in Berlin leben Männer eine modische Freiheit aus, wie es sonst in Deutschland nicht möglich ist.

Der Designer ist von Berlin als Modestadt sehr überzeugt: „Ich finde, dass der Deutsche generell zu zurückhaltend mit Mode umgeht. Unsere Hauptstadt hat eine super Außenwirkung und das Image ist meistens, dass hier modisch noch alles geht.“

Der Designer präsentiert mit Barre Noire nun schon seine zehnte Kollektion und zeigt regelmäßig auf der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Ob es das Zelt am Brandenburger Tor weiterhin geben wird, sieht er selbst kritisch: „Ich glaube, es wird eher hin zu Präsentationen gehen, die die Labels selbst organisieren. In einer Galerie oder einem Showroom zu zeigen, ist für viele Designer auch finanziell leichter machbar.“

Timm Süßbrich selbst zeigt seine Show nicht, weil er danach einen großen Orderboom erwartet, ökonomisch rentabel sind Fashion-Shows nämlich schon lange nicht mehr. Saßen früher noch Einkäufer und gut betuchte Privatkundinnen im Publikum, wird heute nur noch selten etwas direkt vom Laufsteg gekauft oder geordert. „Die meisten Einkäufer finden mich über Facebook oder werden durch Modeshoots in Magazinen auf mich aufmerksam“, erzählt Timm Süßbrich, der soziale Netzwerke nutzt, um sein Label zu präsentieren.

Den virtuellen direkten Draht zur potenziellen Kundschaft pflegen inzwischen viele Modelabels. Für die bildreichen Moodboards, die die jeweilige Kollektion wesentlich beeinflussen, wird ohnehin fast nur noch auf Blogs recherchiert und selbst Streetstyle findet inzwischen hauptsächlich im und für das Internet statt. Die Designer von heute arbeiten mit dem Internet, nicht dagegen.

Im Gegensatz zu den größeren Labels, die inzwischen ganze Teams für die Betreuung ihrer Social Media-Kanäle beschäftigen, wird bei Barre Noire alles vom Designer direkt ins Netz gestellt. „Hier kann ich zeigen, wer ich bin und was mich als Designer ausmacht. Diese Realität sollte dann auch persönlich von mir kommen.“

- Auf @tspmode twittert Timm Süßbrich ab morgen seine ganz persönlichen Eindrücke rund um die Berliner Fashion Week. Er freut sich über Kommentare und einen interessanten Austausch!

0 Kommentare

Neuester Kommentar