Mode : Alexander McQueen: Wut war seine Leidenschaft

Der Londoner Designer Alexander McQueen ist tot – er war erst 40 Jahre alt. Schönheit interessierte ihn nicht, wohl aber das Spiel mit ihr.

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McQueen
Alexander McQueen -Foto: AFP

Das „rosa Schaf“ der Modeszene, der Londoner Modeschöpfer Alexander McQueen hat sich womöglich das Leben genommen – nur Tage nach dem Tod seiner Mutter Joyce. „Wir sind am Boden zerstört“, sagte eine Sprecherin seiner Modekette McQ. „Aus Respekt vor seinem Andenken werden wir keine weitere Kommentare abgeben.“ McQueen hatte am 3. Februar seine Fans auf Twitter übern den Tod seiner Mutter unterrichtet. „Life must go on – Das Leben muss weitergehen“, schrieb er dazu. Der Zeitung „Daily Mail“ zufolge wurde er am Donnerstagmorgen in seiner Luxuswohnung am Londoner Green Park aufgefunden. Um 10 Uhr 20 sei eine Ambulanz gerufen worden. Der Zeitung zufolge hat sich der 40-Jährige erhängt. In wenigen Wochen sollte McQueen seine neueste Kollektion auf der Londoner Fashion Week und dann in Paris vorstellen.

McQueen wurde als Sohn eines Taxifahrers im Londoner East End geboren und brachte den rauen Charme und die Street Culture des Londoner Ostens in die vornehme Welt der Haute Couture. Er war von allen Modemachern der unkomplizierteste Schwule. Schon als Schneiderlehrling machte er kein Hehl aus seiner Sexualität. „Ich habe nichts zu verbergen. Mein Weg führte direkt aus dem Leib meiner Mutter in die Schwulenparade.“

McQueen besuchte eine Jungenschule – wo er ständig Frauenkleider zeichnete. Mit 16 wurde er Schneiderlehrling in der Savile Row, der Straße der berühmtesten Herrenschneider. Mit 20 ging er sich auf Wanderschaft nach Mailand und Rom. McQueen arbeitete fast zehn Jahre als Schneider, bevor er 1994 auf der Londoner St. Martin’s School – einer Kunstakademie – Mode studierte. Eigentlich hatte er sich als Schneiderassistent für die Studenten beworben – aber sein Talent fiel auf und man riet ihm, selbst zu studieren. Sein Durchbruch kam mit seiner Abschlussarbeit – seiner ersten Kollektion, die er zu Hause selbst nähte. Isabella Blow, Modechefin des Magazins „The Tatler“, war seine Entdeckerin.Sie kaufte die gesamte Kollektion für 5000 Pfund. Im gleichen Jahr noch wurde er als Nachfolger von John Galliano Chefdesigner für Givenchy.

Als Vorbereitung für seine Kollektion, die er im Oktober 2008 in Paris zeigte, las McQueen Darwin. Er stellte jede Menge ausgestopfte Tiere auf den Laufsteg und übte damit Kritik an dem Motto „Survival of the fittest“. Dass er am Schluss im Ganzkörperkostüm eines weißen Plüschhasen winkend auf die Bühne trat, ließ selbst das härteste Herz erweichen und war wohl das Komischste, was die Modewelt in jener Saison vor Augen bekam. Schönheit hat ihn nie interessiert, wohl aber das Spiel mit ihr. „Da ist eine Schönheit in der Wut, und Wut ist meine Leidenschaft“, sagte er einmal über seine Arbeit. Es gibt die Anekdote, dass er als junger Praktikant in einer Herrenmaßschneiderei der Savile Row, den, hier frei übersetzten, Satz „Ich bin ein Arschloch“ in das Futter einer Jacke schrieb, die für den Prinzen von Wales bestimmt war.

Er war wohl der handwerklich begabteste Witzbold der Modewelt. Nach nur acht Kollektionen, die er in den 90er Jahren auf der Londoner Fashion Week präsentierte, holte ihn Givenchy nach Paris. Das machte aus dem Enfant terrible einen hoch geachteten Designer, dessen eigene Linie 2000 vom italienischen Modekonzern Gucci zu 51 Prozent übernommen wurde. Seine Kleider waren immer auch Waffen, die sich auch mal gegen die Frauen selbst richteten – wie sein scharfkantiges Muschelkleid – in dem sich das Model Erin O’Connor Schnittwunden zuzog.

Viele Fachleute meinen, seine Kollektionen hätten in den vergangenen Jahren das allzu Düstere verloren. Sie seien schlichter, ja fast tragbar geworden. Seine letzte Kollektion, die er im Oktober zeigte, war ganz in die Zukunft gerichtet. Kleider mit überformten Schultern, psychedelisch anmutenden Mustern von abstrahierten Korallenriffen ließen die Models aussehen wie außerirdische Kreaturen. Die Schau ließ er von Robotern filmen und live im Internet senden. Es war eine perfekte Inszenierung, in der es ganz um die Kleidung ging. Es schien so, als wollte McQueen kein Rebell mehr sein, sondern nur noch der perfekte Modekünstler. Schon 2005 hatte er festgestellt: „Man kann so viel hinter Theatralik verstecken, aber das habe ich nicht mehr nötig.“

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