Mode: Fashion Week Berlin : Münchner Schick in Berlin

Deutsche Mode ist nicht gleich Berliner Mode – auch Bayern hat starke Designer. Einige präsentieren am Donnerstag ihre Kollektionen.

Celina Plag
Jetzt mal Konzentration! Escada zeigt in Berlin zum ersten Mal seit drei Jahren wieder seine Kollektion.
Jetzt mal Konzentration! Escada zeigt in Berlin zum ersten Mal seit drei Jahren wieder seine Kollektion.Foto: promo

Was für eine Überraschung: Escada präsentiert wieder in der Hauptstadt. Nach drei Jahren Berliner Modewochen-Abstinenz zeigt das Münchener Luxuslabel am Donnerstag im Rahmen des Berliner Mode Salons im Kronprinzenpalais 20 Outfits der kommenden Winterkollektion. Sie soll „eine Hommage an die Vergangenheit mit Blick in die Zukunft“ sein. Immerhin galt Escada in den achtziger und neunziger Jahren als Münchens schillernder deutscher Modeexport, Chefdesignerin Margaretha Ley kleidete Stars wie Kim Basinger oder Demi Moore für den roten Teppich ein. Mit einem Insolvenzverfahren, Stellenabbau und Wechseln in der Führung hatte Escada in den letzten Jahren kaum mit Mode auf sich aufmerksam gemacht. Das soll sich ändern.

„An Berlin gefällt uns das spannende Umfeld mit einer ganz eigenen Kreativität“, sagt Daniel Wingate, Modechef bei Escada. Als „internationale Marke mit deutschem Ursprung“ unterstreiche Escada mit der Teilnahme auch die Relevanz der deutschen Mode. Zu den in Münchner Hauptstadtgästen gehören außerdem Designer der Marken Talbot Runhof, Allude, Saskia Diez, Horror Vacui.

„München ist für ein Unternehmen wie unseres die ideale Basis“, sagt Designer Adrian Runhof, der gemeinsam mit dem Amerikaner Johnny Talbot das Label Talbot Runhof betreibt, dessen opulente Abendroben nicht nur in Bayern, sondern auch im fernen Hollywood gerne über rote Teppiche getragen werden.

Im Schnelldurchlauf: Die Berliner Fashion Week im Januar 2016
Besuch aus der Zukunft. Jedenfall so, wie man sich das in den Siebzigern vorstellte ... gesehen bei Emre Erdemoglu.
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19.01.2016 16:56Besuch aus der Zukunft. Jedenfall so, wie man sich das in den Siebzigern vorstellte ... gesehen bei Emre Erdemoglu.

„In München hatten wir von vornherein das, was es in Berlin lange Zeit nicht gab: zahlkräftige Kundschaft, Mäzene, die nicht nur gekauft haben, weil es ihnen gefällt, sondern auch, weil sie uns fördern wollten.“ Neben München, wo sie in der vergangenen Saison einen 400-Quadrameter großen Flagship-Store auf der Theatinerstraße eröffneten, ist auch Paris immer eine wichtige Plattform für das Label gewesen – auch, „weil die Einkäufer bislang einfach nicht nach Deutschland und Berlin kommen“, sagt Runhof.

Den Standort Berlin und das Konzept deutscher Mode wollen Talbot Runhof deshalb fördern, zum zweiten Mal sind sie dabei. „Weil wir diese Gemeinsamkeit, die jetzt entstanden ist, unterstützen wollen.“ Vor allem sei gut, dass endlich „die Spreu vom Weizen getrennt wird, um herauszukristallisieren, wer für Deutschland überhaupt vorzeigbar ist.“

München ist für Designer ein kompliziertes Pflaster

So sieht das auch Designerin Andrea Karg, die 1993 ihr international agierendes Luxus-Stricklabel Allude in München gründete: „Es geht darum, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und sich als Land im internationalen Wettbewerb stark und geschlossen aufzustellen.“ Obwohl Karg, ein „bekennender Münchenfan“, ihre Kollektion auf der Pariser Modewoche zeigt, trägt sie gerne dazu bei, die Modebranche gemeinsam voranzubringen. Das nütze nicht nur Allude, sondern allen ansässigen Labels. „Auch, wenn wir eine international operierende Marke sind, liegt mir Deutschland doch sehr am Herzen.“

Saskia Diez und Anna Heinrich denken ähnlich. Diez, eine Schmuckdesignerin, die mit ihrer Familie in München lebt, findet, dass die deutsche Modebranche endlich eine Professionalisierung verdiene. Vom Berliner Modesalon erhofft sie sich einen Austausch der Designer untereinander. Anna Heinrich hat sich mit ihrem Label Horror Vacui auf kunstvoll gemusterte Luxus-Pyjamas für Frauen und Männer spezialisiert. An München liebt sie die großartigen Kunstmuseen – für sie eine Quelle der Inspiration.

Gleichzeitig sei München, genau wie die gesamtdeutsche Modebranche, für Designer ein schwieriges Pflaster, „da Mode als Wirtschaftsgut nicht so ernst genommen wird wie beispielsweise der Maschinenbau“, sagt Heinrich. Nachvollziehbar findet sie das nicht: „Immerhin ist Deutschland nicht nur auf die Automobilhersteller stolz, sondern auch auf die Dichter, Künstler und Musiker, die es in den letzten Jahrhunderten hervorgebracht hat. Und auch die Textilindustrie ist in Deutschland vorhanden.“ Deshalb hat die Gründung des German Fashion Councils für Heinrich Signalwirkung: „Eine Lobby ist unheimlich wichtig für junge Designer und den Stellenwert, den Mode in Deutschland hat.“