Mode: Fashion Week in Berlin : Avelon und die pragmatische Avantgarde

Der Niederländer Erik Frenken macht mit seinem Label Avelon Kleidung, die nach viel aussieht, aber ganz einfach zu tragen ist.

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Richtig gewickelt. Ein Outfit aus der Resort-Kollektion von Avelon. Foto: dpa
Richtig gewickelt. Ein Outfit aus der Resort-Kollektion von Avelon. Foto: dpaFoto: dpa

Vor zwei Jahren hat sich meine Mutter in Rotterdam ein schwarzes Kleid von Avelon kauft. Toll sah sie darin aus! „Genau so soll es sein, meine Sachen sollen elegant, aber einfach zu tragen sein“, sagt der Designer Erik Frenken. Er kann sich genau an das mehrlagige Kleid erinnern. Dass eine 62-Jährige sich in seiner Mode wohlfühlt, ist ihm nur recht.

Diesen Eindruck machen auch seine Entwürfe, die am Dienstagmorgen bei der ersten Schau der Berliner Modewoche im Erika-Hess-Eisstadion zu sehen sind. Da merkt man, wie hilfreich das Insiderwissen der eigenen Mutter sein kann. Die anderen müssen das erst lernen, immer wieder hört man die Frage, wer Avelon eigentlich sei. Das ist der Grund, warum Frenken sich entschlossen hat, seine Mode diese Saison nicht nur in Paris, sondern auch in Berlin zu zeigen.

Wobei das einem Zufall geschuldet war: Eine Mitarbeiterin des Veranstalters der Mercedes Benz Fashion Week kam nach der Mittagspause mit einem neuen Rock von Avelon zurück. Auch er war schwarz, er hatte tiefe Falten, die von innen knallgelb leuchteten und gefiel allen so gut, dass sie beschlossen, den 40-Jährigen nach Berlin einzuladen.

Frenken will auf dem deutschen Markt expandieren

Das kam dem Niederländer gerade recht, denn in Deutschland will er expandieren. Es gibt landesweit 15 Läden, aber er glaubt, dass mehr Geschäfte seine Kleider im Sortiment vertragen könnten. „Die Boutiquen stehen sehr unter Druck. Sie brauchen etwas, das einzigartig genug ist, um aufzufallen, aber auch nicht so, dass man lächerlich wirkt.“

Eben wie das Kleid meiner Mutter. Auch die in Berlin gezeigten Kleider erfüllen diesen Anspruch, aber vor allem wirken sie professionell gemacht, im Gegensatz zu einigen Kollektionen, die man von Berliner Designern während der Fashion Week zu sehen bekommt. Da sitzt jede Falte einer Bluse, ein knallroter Rock ist genau an der richtigen Stelle in der Taille geschnürt, das lange Kleid im klassisch gestreiften Blusenstoff fällt locker um die Hüften.

Das nennt Frenken „Casual Couture“, und es trifft gleich doppelt auf das hier Gezeigte zu: Es ist seine Resort-Kollektion, die zwischen die Winter- und Sommersaison geschoben wird, um den Kunden öfter etwas Neues zu bieten und die Umsätze nicht nur auf die zwei Hauptkollektionen zu konzentrieren. Deshalb bekamen die Berliner Zuschauer auch keine flatterigen Sommerkleider zu sehen, das aufwendigste Kleidungsstück war ein aus einzelnen Streifen zusammengesetzter Lederrock.

Auch wenn Erik Frenken in Amsterdam lebt, ist Paris das Zentrum für seine Arbeit. Trotzdem findet er die Berliner Modewoche nicht überflüssig: „Hier ist es ähnlich chaotisch wie in Amsterdam. Wir sollten uns nicht mit den großen Modestädten wie Mailand oder Paris vergleichen, es ist gut, dass es Modewochen wie die Berliner gibt. Da geht es darum, den Kunden vor allem mehr über Mode beizubringen, das ist unser Job.“ Den hat Erik Frenken mit seiner Modenschau erfüllt. Sie zeigt, wie gut Mode auf einem internationalen Level aussehen kann.

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