Noch mehr zur Hochzeit : Ein Ehering ist nicht irgendein Schmuckstück

Bei der Fertigung von Eheringen kommt es auf das Gespür für die besondere Bedeutung an, weiß die Goldschmiedin Katja Morkel.

Bettina Homann
Eheringe von Katja Morkel.
Eheringe von Katja Morkel.Foto: promo

Was ist für einen Goldschmied oder Schmuckdesigner interessant an Eheringen – so richtig viel zu entwerfen gibt es da ja eher nicht.

 Ja, da haben Sie recht. Tatsächlich sind es Ringe, die sehr traditionell sind, schlichte Bandringe, die handwerklich nicht schwierig sind. Sie müssen bequem und haltbar sein. Die Herausforderung für mich ist es, gemeinsam mit dem Paar etwas zu finden, das beide mögen.

 Ist das schwierig?

Manchmal schon. Insbesondere die Männer tun sich oft schwer, kommen aber mit dem Entschluss, das mitzumachen. Meist braucht es mehrere Besuche, bis die Entscheidung steht. Ein Ehering ist ja auch nicht irgendein Schmuckstück, das man weglegt, wenn es einem nicht mehr gefällt, der soll ja für immer sein.

 Und was mögen Männer?

Viele mögen Graugold, eine Legierung mit Palladium, das geht in Richtung Platin. Aber es kommt auch vor, dass Paare mit der klaren Ansage: „Auf keinen Fall goldfarben“ kommen und sich beim Anprobieren dann doch umentscheiden und zum Beispiel Rotgold nehmen, das sieht insbesondere zu heller Haut sehr dezent aus.

 Gibt es bei Eheringen modische Trends?

Eher nicht, die meisten bleiben klassisch. Am beliebtesten sind Modelle, die innen und außen gewölbt sind, die sind einfach sehr bequem zu tragen. Ich habe aber beobachtet, dass die Ringe in den letzten Jahren schmaler und zierlicher geworden sind und das liegt wohl nicht nur am Goldpreis.

 Und wie sieht es mit ausgefallenen Modellen aus?

Die werden selten gewählt. Ich habe zum Beispiel diese Modelle, für die kleine Ästchen abgeformt wurden, die mögen viele Frauen, aber da haben die Männer ein Problem, das ist ihnen einfach zu verspielt.

 Kommt es denn auch vor, dass jeder einen anderen Ring wählt?

Ja, gar nicht mal so selten. Jeder soll seinen Ring ja sehr gerne anziehen und wenn man gar nicht zusammenkommt, dann bekommt halt jeder seinen. Einer einen silbernen und einer einen goldenen zum Beispiel. Ich versuche dann wenigstens symbolisch eine Verbindung zu schaffen, indem ich zum Beispiel kleine Teile austausche und in den silbernen Ring ein Stück Gold integriere und umgekehrt. Oder man macht es mit der Gravur.

 Lassen denn alle ihre Ringe gravieren?

Ja, sicherlich 90 Prozent, das macht den Ring ja erst so richtig zum Ehering.

 Sie haben hier auch Modelle, auf die außen Text graviert ist.

Ja, ich habe ein Modell, auf das ich das älteste überlieferte Liebesgedicht in deutscher Sprache gestempelt habe „Du bist min, ich bin din ...“ .  Manche bringe auch ihren eigenen Text.

 Kommt es vor, dass Leute etwas ganz anderes wollen als Ringe, zwei gleiche Ketten zum Beispiel?

Ganz ganz selten. Es gibt es schon mal, dass nur die Frau einen Armreif bekommt oder nur die Frau einen Ring, dann kommen eben beide Namen in einen.

 

Der Laden von Katja Morkel liegt in der Choriner Str. 41, Prenzlauer Berg, www.morkel.de

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