Nach Missbrauchsvorwürfen : Papst Franziskus lässt Erzbischof verhaften

Der frühere Papst-Botschafter Jozef Wesolowski ist des vielfachen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Nun hat ihn die Vatikan-Gendarmerie verhaftet - ein außergewöhnlicher Vorgang.

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Erzbischof Jozef Wesolowski, ehemaliger Boschafter des Vatikan in der Dominikanischen Republik, auf einem Foto von 2009.
Erzbischof Jozef Wesolowski, ehemaliger Boschafter des Vatikan in der Dominikanischen Republik, auf einem Foto von 2009.Foto: Reuters

Schon oft hat Papst Franziskus die Amtsträger der katholischen Kirche zur “Barmherzigkeit” gegenüber Sündern aufgefordert. Aber wer das als einen Kurs flauer Nachgiebigkeit verstanden hat, sieht sich spätestens seit Dienstag Abend getäuscht: Erstmals seit Menschengedenken hat – „auf ausdrückliche Anordnung des Papstes“, wie es heißt – die Vatikangendarmerie einen Erzbischof verhaftet.

Es handelt sich um den Polen Jozef Wesolowski (66), der des vielfachen Kindesmissbrauchs angeklagt ist. Als Botschafter („Nuntius“) des Papstes in der Dominikanischen Republik soll er  „in Ausnutzung ihrer prekären sozialen Lage“ sexuelle Dienstleistungen bei Jugendlichen gekauft und sich an den einschlägigen Plätzen für die Prostitution mit Minderjährigen herumgetrieben haben. In einem kirchenrechtlichen Verfahren hatte ihm die Glaubenskongregation bereits Ende Juni das Priesteramt entzogen; Wesolowski hat dagegen Berufung eingelegt. Dennoch muss er sich jetzt auch noch einem  einem regulären Strafverfahren stellen, auch im Vatikan zwar, aber nach weltlichem Recht. Es droht ihm eine Haftstrafe von zehn oder mehr Jahren.

Außerdem hat der Vatikan darauf hingewiesen, dass Wesolowski schon mit dem  Spruch der Glaubenskongregation seine diplomatische Immunität verloren und deswegen auch für „Ermittlungen anderer Justizbehörden“ greifbar sei. Santo Domingo und Warschau haben bereits angekündigt, Wesolowski den Prozess machen zu wollen.

Wesolowski bekam einen Hausarrest zugebilligt

Vor Wesolowski hatte die heutige Vatikanjustiz nur einen einzigen Kirchenbediensteten festgesetzt: vor gut zwei Jahren den Butler Benedikts XVI., Paolo Gabriele, der interne Dokumente entwendet und – der Fall wurde als „Vatileaks“ bekannt – an die Öffentlichkeit gegeben hatte. Während Gabriele aber in einer von zwei vatikanischen Haftzellen schmachtete, bekam Wesolowski jetzt „angesichts seiner Gesundheitszustandes” einen Hausarrest zugebilligt. Diesen und damit auch den Vatikan darf er nicht verlassen. Im Juli, also noch nach seiner kirchenrechtlichen Verurteilung, war der Ex-Geistliche beim Spaziergang durch Rom erkannt worden; entsprechende Bilder bei Twitter hatten heftige Empörung hervorgerufen.

Mit Wesolowskis Verhaftung hat Papst Franziskus seine harten Worte gegen klerikalen Kindesmissbrauch erstmals direkt in die Tat umgesetzt. Im Mai, beim Rückflug aus Israel, hatte der Papst solche Taten mit dem “Abhalten einer Schwarzen Messe” verglichen. “Es ist wie ein gotteslästerlicher Kult; denn diese Jungen und Mädchen waren dem priesterlichen Dienst anvertraut, um sie zu Gott zu führen, und jene haben sie dem Götzen ihrer Begierde geopfert“, sagte Franziskus, als er im Juli sechs Missbrauchsopfer aus verschiedenen Ländern in seiner Wohnung empfing. Er erwähnte dabei sogar das Jesus-Wort aus dem Evangelium: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“

Ferner hat Franziskus eine „Päpstliche Kinderschutzkommission“ gegründet; sie hat sich im Juli zum ersten Mal getroffen und will ihre Arbeit formell im Oktober aufnehmen. Sie soll unter anderem Strategien entwickeln, wie sexuellem Missbrauch vorgebeugt werden kann.

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