Papst Franziskus gegen Ausgrenzung von Homosexuellen : Kehrtwende in der katholischen Kirche?

Das Oberhaupt der Katholiken, Papst Franziskus, stellt sich öffentlich gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen. Ändert sich damit die Haltung der Kirche?

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Papst Franziskus
Vermag Papst Franziskus eine Kehrtwende in der katholischen Kirche zu bewirken?Foto: dpa

Auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Brasilien nach Rom hat sich Papst Franziskus vor Journalisten gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen ausgesprochen. Beobachter werten dies als Zeichen einer neuen Offenheit.

Was hat der Papst genau gesagt?

Journalisten hatten Papst Franziskus nach einer sogenannten Schwulen-Lobby im Vatikan gefragt, über deren Existenz viel gemunkelt wurde im Zusammenhang mit der Vatileaks-Affäre. Franziskus hatte im Juni in einem internen Gespräch mit Ordensvertretern selbst über die Existenz einer solchen Lobby geklagt. Wenn Homosexuelle aus ihrer Sexualität eine Lobby machen würden, sei das „nicht in Ordnung, weil Lobbys nicht in Ordnung sind“, sagte er jetzt im Flugzeug. Allerdings habe er noch keinen Ausweis im Vatikan gefunden, auf dem stehe, dass der Inhaber homosexuell sei.

Entscheidend ist Franziskus’ rhetorische Frage: „Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, um über ihn zu richten?“ Im Übrigen gehe aus dem Katechismus der katholischen Kirche klar hervor, dass diese Menschen nicht an den Rand gedrängt werden dürften, sondern im Gegenteil in die Gesellschaft integriert werden müssten. „Inhaltlich hat der Papst damit nichts Neues gesagt“, sagte Klaus Jetz, der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland. „Aber der Ton ist ein anderer.“

Papst Franziskus in Brasilien
Stürmisch und mit Herzlichkeit ist Papst Franziskus am 22. Juli (Ortszeit) in Brasilien empfangen worden. Aus seinem Papstmobil heraus begrüßte der Pontifex Gläubige im Stadtzentrum von Rio de Janeiro. Nachdem der Chauffeur einen falschen Kurs einschlug, hatten Schaulustige die Chance, das Papstmobil zu umdrängen.
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23.07.2013 19:37Stürmisch und mit Herzlichkeit ist Papst Franziskus am 22. Juli (Ortszeit) in Brasilien empfangen worden. Aus seinem Papstmobil...

Hat Franziskus damit einen Kurswechsel in der katholischen Kirche eingeleitet?

Nein. Denn im Katechismus steht auch, dass praktizierte Homosexualität Sünde ist. Nach der Erklärung der Glaubenskongregation „Persona Humana“ von 1975, auf das sich der Katechismus bezieht, sind „homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz“ verstießen, da die Weitergabe des Lebens beim Geschlechtsakt ausgeschlossen bleibe. Sie seien „in keinem Fall zu billigen“. Auf die Frage der Journalisten, wie er praktizierte Homosexualität beurteile, ging Franziskus nicht ein.

Da ist der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki vor einem Jahr schon weiter gegangen, als er beim Katholikentag in Mannheim sagte, dass homosexuelle Partnerschaften, wenn sie auf Treue und Verantwortung basierten, „ähnlich zu bewerten“ seien wie heterosexuelle Partnerschaften. In einem Interview mit der „Zeit“ legte er später noch einmal nach und sagte, dass man „homosexuelle Beziehungen nicht ausschließlich als ,Verstoß gegen das natürliche Gesetz‘“ sehen dürfe, wie es der Katechismus formuliere.

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