Prozess gegen Amanda Knox : Immerfort Knox

Es ist der vierte Prozess um den Tod der Studentin Meredith Kercher, der am Montag in Florenz begann. Die Angeklagte Amanda Knox bleibt vorsichtshalber fern und betrachtet das Ganze aus der Ferne in den USA.

Kirstin Hausen
Amanda Knox.
Amanda Knox.Foto: Reuters

Die Tat ist fast sechs Jahre her. Wegen des Mordes an der Studentin Meredith Kercher steht die US-Amerikanerin Amanda Knox erneut vor Gericht. Es ist bereits der vierte Prozess, der dazu am Montag in Florenz begonnen hat. „Hoffentlich kommen wir der Wahrheit einen Schritt näher“, sagte der Anwalt der Angehörigen am ersten Prozesstag.

Seit sechs Jahren beschäftigt der Fall Amanda Knox die Weltöffentlichkeit

Seit sechs Jahren beschäftigt der qualvolle Tod der britischen Austauschstudentin die italienische Justiz. Der 21-Jährigen wurde in der Nacht zum 2. November 2007 in der umbrischen Universitätsstadt Perugia die Kehle durchgeschnitten. Ihre halbnackte Leiche war von Messerstichen übersät und wurde in der Wohnung entdeckt, die sie zusammen mit der Amerikanerin Amanda Knox bewohnt hatte. Die Autopsie ergab, dass Kercher außerdem vergewaltigt wurde. Laut Gerichtsmedizin starb sie einen „langsamen, qualvollen“ Tod. War sie Opfer eines Sexspiels geworden, das außer Kontrolle geriet? Das behauptet die Staatsanwaltschaft. Wurde sie im Drogenrausch von Amanda Knox und ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito ermordet?

Der Fall Amanda Knox: Spektakuläre Mischung aus Sex, Drogen und Mord

Die spektakuläre Mischung aus Sex, Drogen und Mord elektrisierte die Öffentlichkeit und die hübsche Angeklagte eignete sich vortrefflich als Hassobjekt. „Der Engel mit den Eisaugen“ wurde sie von der italienischen Presse genannt und der erste Prozess gegen sie und ihren damaligen Freund Raffaele Sollecito wurde zu einem Krimi mit internationalem Medienecho. Er endete mit einem Schuldspruch für die beiden Angeklagten und Haftstrafen von 26 und 25 Jahren. Doch 2011 sprach ein Berufungsgericht Knox und Sollecito aus Mangel an Beweisen frei. Nur ein Bekannter der beiden, der in der Mordnacht ebenfalls zugegen war, wurde zu sechzehn Jahren Haft verurteilt. Im März dieses Jahres kassierte das oberste italienische Berufungsgericht jedoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Freispruch wegen Widersprüchen und Unzulänglichkeiten und ordnete an, das Verfahren neu aufzurollen.

Der Anwalt der Opferfamilie wirft Amanda Knox Opferhaltung vor

Sollecitos Vater erklärte am Montag im Gerichtssaal, sein Sohn sei sehr besorgt und werde voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht erscheinen. Amanda Knox, die seit ihrer Freilassung 2011 in ihrer Heimatstadt Seattle lebt, schließt eine Rückkehr nach Italien kategorisch aus. „Ich war bereits als unschuldige Person in Italien eingesperrt“, sagte sie dem US-Fernsehsender NBC.

Sie verlöre alles, was sie sich aufgebaut habe. Als sie im Gefängnis war, habe sie befürchtet, ihr ganzes Leben hinter Gittern verbringen zu müssen und niemals Mutter werden zu können. Sie habe sogar einen Brief an ein ungeborenes Kind geschrieben, erzählte sie. Knox hat ein Buch veröffentlicht („Zeit, gehört zu werden“) und geht medial in die Offensive. Im Interview mit einer italienischen Tageszeitung beklagte sie sich darüber, von den Medien unerbittlich beobachtet zu werden. Was passieren würde, wenn sie nun doch wieder zu einer Haftstrafe verurteilt werden würde, mache ihr furchtbare Sorgen, erzählte sie. „Ich denke die ganze Zeit darüber nach. Alles steht auf dem Spiel.“

Gegen das neue Urteil kann Berufung eingelegt werden

„Fast unerträglich“ seien derartige Äußerungen, sagte der Anwalt der Familie Kercher der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Er fordert, dass Knox vor Gericht erscheint: „Sie denkt immer nur an sich, dabei wäre auch Respekt vor dem Opfer angebracht.“ Der Mordfall Kercher wird auch neu aufgerollt, weil sich Amanda Knox während ihrer Befragungen in Widersprüche verstrickt hatte. Und sie beschuldigte fälschlicherweise den kongolesischen Barbesitzer Patrick Lumumba, ihre britische Mitbewohnerin umgebracht zu haben. Der junge Mann saß zwei Wochen in U-Haft, dann wurde der Vorwurf entkräftet. Lumumba sagte am Montag im Gericht über Knox: „Sie ist schuldig, sonst hätte sie mich nicht beschuldigt.“ Knox hatte dagegen erklärt, sie habe die Falschaussage unter Zwang gemacht und weil sie verwirrt gewesen sei. Ein erneutes Urteil wird für Anfang 2014 erwartet. Dagegen können beide Seiten erneut Berufung einlegen. Bis zu einem endgültigen Urteil können noch Jahre vergehen.

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