Red Bull : Der Tod fliegt mit

Der Deutsche Guido Gehrmann ist der achte Extremsportler von Red Bull, der sein Leben verloren hat. Die Marke steht für das Lebensgefühl einer Wohlstandsgeneration, die den Kick sucht.

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Waghalsige Stunts als Markenzeichen. Ein Motocross-Fahrer von Red Bull. Foto: AFP
Waghalsige Stunts als Markenzeichen. Ein Motocross-Fahrer von Red Bull. Foto: AFPFoto: AFP

„Red Bull verleiht Flügel“ – dieser fröhliche Werbespruch könnte angesichts der jüngst publik gewordenen Todesfälle zunehmend zum Bumerang für das Unternehmen des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz werden. Am vergangenen Mittwoch verunglückte der 38-jährige Deutsche Guido Gehrmann mit einem Kleinflugzeug auf dem Rückflug von einer Flugshow im Zillertal. Er ist bereits der achte von Red Bull gesponserte Extremsportler, der ums Leben gekommen ist. Bittere Ironie des Zufalls: Erst zwei Tage zuvor hatte eine ARD-Reportage („Die dunklen Seiten von Red Bull“) erstmals ausführlich über vorangegangene Todesfälle berichtet.

Der 68-jährige Flugzeugnarr Mateschitz verknüpft sein Getränkeunternehmen mit einem jungen, sportlichen Image, das grenzenloses Vergnügen verheißt. Mehr als 500 Extremsportler stehen bei Red Bull unter Vertrag und sollen bei von Red Bull gesponserten Veranstaltungen immer wieder aufs Neue beweisen: Der Mensch kann, wenn er nur will, Grenzen überschreiten, sogar die Naturgesetze außer Kraft setzen. Männer und Frauen, die sich auf Skiern fast senkrechte Abhänge hinunterstürzen, die aus Flugzeugen, von Hochhäusern und Berggipfeln springen und erst im letzten Moment den Fallschirm öffnen, oder die mit Anzügen wie menschliche Vögel durch die Luft sausen – das ist der Kick einer jungen Wohlstandsgeneration. Und Red Bull ist die Marke dazu.

Das Getränk ist eher Nebensache, der Konzern verkauft ein Lebensgefühl und bastelt dafür auch an einem eigenen Medienimperium. Mit eigenen Firmen produziert Red Bull Kinofilme und Zeitschriften, Red Bull TV wird mehr und mehr zum anerkannten Mitspieler auf dem Fernsehmarkt. Vor allem aber mit einem üppigen Angebot an Videos und Games im Internet bringt das Mateschitz-Unternehmen seinen Markennamen bei der jungen Zielgruppe ins Gespräch. Und sorgt für spektakuläre Unterhaltung wie beim Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner, den im Oktober 2012 acht Millionen Menschen live im Web verfolgt haben.

Dass dieses einzigartige Marketingkonzept mit einer gehörigen Portion Risiko verbunden ist, wird mit jedem weiteren Unglück offenkundig. Auch wenn die Extremsportler dieses Risiko ohnehin in Kauf nehmen, ob mit oder ohne Red-Bull-Vertrag, stellt sich die Frage nach der Mitverantwortung, denn das Unternehmen generiert aus dem Wagemut seiner Schützlinge einen Markengewinn und am Ende womöglich bare Münze. Bisher verhielt sich Red Bull nach Todesfällen ausgesprochen schmallippig, drückte sein Bedauern aus – und ging zur Tagesordnung über. Oder nutzte das Drama auf seine Weise: Im Fall des im März 2009 tödlich verunglückten Extrem-Skifahrers Shane McConkey wird ein Kino-Dokumentarfilm vorbereitet.

Und Mateschitz? Der ehemalige Handelsvertreter und Selfmademan gibt nicht gerne Interviews, bleibt im Hintergrund und zeigt sich nur selten, etwa bei der Titelverteidigung von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Der Österreicher, dessen Vermögen auf 5,3 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, ist auch als Wohltäter in Erscheinung getreten. So hat er Millionen gespendet und eine Stiftung zur Heilung von Querschnittslähmung gegründet. Thomas Gehringer

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