Weltraumreisen : Einmal ins All, bitte

Großbritannien plant einen Weltraumbahnhof. 2030 könnte er fertig sein - und viel Geld einbringen.

Teresa Dapp
Spacy. Computeranimation des geplanten Weltraumbahnhofs.
Spacy. Computeranimation des geplanten Weltraumbahnhofs.Foto: dpa

Wohin geht die Reise in diesem Sommer, nach Italien, Thailand oder in die Schwerelosigkeit? Glaubt man einigen Unternehmen, ist das bald keine abwegige Frage mehr - für Kunden mit dickem Geldbeutel. 2030 könnten Reisen in den Weltraum ein Geschäft von 40 Milliarden Pfund (gut 50 Milliarden Euro) jährlich sein, errechnet Großbritanniens staatliche Weltraum-Agentur. Mit einem Bahnhof, von dem aus abenteuerlustige Touristen die Erde verlassen, will das Land sich ein großes Stück vom "Space-Kuchen" sichern.

Bekannt wurde das Vorhaben jetzt auf der Flugmesse. Im südenglischen Farnborough stellte der Luftfahrtbeauftragte Robert Goodwill es nun offiziell vor. "Um in der kommerziellen Raumfahrt eine Führungsrolle zu haben, brauchen wir einen Weltraumbahnhof, der uns regelmäßige Flüge ermöglicht", sagte er. Es wäre der erste in Europa. Schon 2018 sollen von Großbritannien aus kleine Satelliten und auch Superreiche ins All befördert werden. Bis 2030 sollen zehn Prozent des weltweiten Geschäfts mit dem Weltraum dann britisch sein.

Große Pläne einer Nation, die in der Raumfahrt bislang nicht gerade glänzte. Immerhin: 34 000 Menschen im Land verdienen ihr Geld inzwischen in der Branche, die mehr als elf Milliarden Pfund im Jahr erwirtschaftet. Es soll mehr werden, im Rahmen der Re-Industrialisierung fördert die Regierung die Luft- und Raumfahrt.

Doch Details zu den Bahnhofsplänen gibt es nicht. Was kostet das Projekt, wie viel müssen Steuerzahler stemmen? "Wir sind noch in der Erkundungsphase", weicht Catherine Mealing-Jones von der UK Space Agency aus. Um die Investitionsfrage werde man sich natürlich kümmern. Medienberichten zufolge hofft die Regierung auf den milliardenschweren Briten Richard Branson. Seine Firma Virgin Galactic hatte schon für 2011 die ersten privaten Weltraumflüge mit dem "SpaceShipTwo" von New Mexico aus angekündigt. Mehrere hundert Menschen haben nach Angaben der Firma bereits Tickets gekauft. Es locken Flüge in 100 Kilometer Höhe und mehrere Minuten Schwerelosigkeit.

Geflogen ist allerdings noch keiner. Die bisher sieben Weltraumtouristen waren auf der internationalen Raumstation ISS rund 400 Kilometer über der Erde, Dennis Tito machte 2001 den Anfang. Man kann darüber streiten, ob Unternehmen wie Virgin Galactic oder XCor überhaupt "echten" Weltraumtourismus anbieten würden, wenn ihre Raumgleiter zum Einsatz kämen. Doch auch diese Flüge seien technisch extrem anspruchsvoll und bräuchten spezielle Flughäfen, erklärt Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: "Mit viel Regen und Wind geht nichts." Aus Sicherheitsgründen müssen die Anlagen in unbewohntem Gebiet liegen.

Immerhin acht angeblich geeignete Orte haben Experten in Großbritannien ausgemacht - sechs davon in Schottland. Das ist vielleicht kein Zufall, auf jeden Fall ist es ein Politikum. Denn in gut zwei Monaten entscheiden die Schotten, ob sie weiterhin zum Königreich gehören wollen. Ist der Bahnhof ein Werbeversprechen für Fans der Unabhängigkeit? Oder gar Druckmittel? Schottlands Regierungschef Alex Salmond versicherte jedenfalls eilig, das Land bleibe am besten geeignet, egal, wie das Referendum ausgehe.

Doch David Parker, Chef der UK Space Agency, sagte am Dienstag: "Wir planen auf der Basis, dass Schottland ein Teil Großbritanniens bleibt." Und eine Entscheidung über den Standort werde "selbstverständlich" erst nach der Abstimmung gefällt. (dpa)

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