Samenspender : Der Vater, das Phantom

Sie gelten als unerforschte Spezies: Männer, die bei Samenbanken Geld verdienen. Es ist ein Geschäft in aller Heimlichkeit. Das ändert sich nun. Nach einem Gerichtsurteil dürfen Spender nicht mehr anonym bleiben.

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Suchen und Finden. Tausende Kinder sind in Deutschland durch Samenspende gezeugt worden. Könnte sein, dass sie bald ihre Väter kennenlernen wollen. Foto: soupstock/Fotolia
Suchen und Finden. Tausende Kinder sind in Deutschland durch Samenspende gezeugt worden. Könnte sein, dass sie bald ihre Väter...Foto: soupstock Fotolia

Nur seine besten Freunde und seine Familie wissen von seinem Nebenverdienst. Seine Mutter habe ihm ausreden wollen, bei einer Samenbank zu unterschreiben: Bei jedem fremden Kind im Supermarkt würde man doch denken, es könnte das eigene sein. „Wenn man sich so verrückt macht, ist Samenspenden natürlich der falsche Weg“, sagt der Spender. Er ist 23, blond, kurzhaarig und trägt weiße Turnschuhe. Sein Vater sei von Anfang an dafür gewesen. Auch seine Freunde fänden den Job „eine feine Sache“. „Männer sind da anders“, sagt er, „Frauen machen sich einfach mehr einen Kopf.“ Er ist einer von 70 Spendern, die bei der Samenbank Berlin Geld verdienen, und will anonym bleiben.

Der junge Mann sitzt vor einer heißen Schokolade in einem Café im Berliner Umland. Er wirkt freundlich, bodenständig. Er hat schon eine Tochter, drei Jahre alt und für ihn „das Wichtigste auf der Welt“. Dass weitere Kinder von ihm womöglich gerade in den Bäuchen fremder Frauen heranreifen, denen er den Kinderwunsch erfüllte, mache ihn weder bange noch stolz. „Nicht der Rede wert“, sagt er. Er habe nur nach einem möglichst unaufwendigen Job gesucht, der sich mit seinem Maschinenbau-Studium und den Vaterpflichten verbinden lasse. 105 Euro verdient er beim wöchentlichen Besuch in der Samenbank.

Ganz so unkompliziert ist die Sache seit Anfang dieses Monats allerdings nicht mehr. Eine Frau, die vor 22 Jahren mithilfe einer Samenspende gezeugt worden war, zwang per Gerichtsbeschluss einen Samenbankchef, ihr die Daten ihres biologischen Vaters herauszugeben. Mit dem Urteil verlieren Samenspender in Deutschland endgültig ihre Anonymität. „Oberlandesgericht Hamm, weiß ich“, sagt der junge Mann. Für einen kurzen Moment tut sich die Kluft auf zwischen seinem flüchtigen Tun und dessen weitreichenden Folgen. „Das Urteil hält mich nicht davon ab weiterzumachen.“

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