Schwimmen : Urin im Pool - wie gehen Hallenbäder damit um?

Besucher im Schwimmbad hinterlassen durchschnittlich 200 Liter Urin im Becken. Die US-Schwimmstars Phelps und Lochte haben das Thema mit Selbstbezichtigungen aufgebracht. Die Berliner Bäderbetriebe sehen keine Gesundheitsgefahr.

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„Ich denke, jeder pinkelt in den Pool.“ Schwimmstar Michael Phelps, hier mit Ryan Lochte nach dem 200-Meter-Lagen-Sieg.
„Ich denke, jeder pinkelt in den Pool.“ Schwimmstar Michael Phelps, hier mit Ryan Lochte nach dem 200-Meter-Lagen-Sieg.Foto: dapd

Als ob das Geständnis an sich noch nicht gereicht hätte. Jetzt führt es Ryan Lochte, der Olympiasieger aus den USA, in beinahe epischer Breite aus. In einem Video erklärt er, warum er es beim Schwimmen einfach laufen lässt. „Das Becken ist die größte Toilette – und sie gehört mir“, erzählt Lochte so ernst, wie es geht. „Tiere markierten ihr Revier, und mein Revier ist eben der Pool. Da pinkle ich rein.“ Und mit dieser Eigenart ist Lochte nicht allein. Sein Kollege Michael Phelps, immerhin Rekord-Goldmedaillensammler, ging kürzlich sogar davon aus, dass wohl jeder ins Becken pinkle. Er also auch.

Was Olympiasieger nicht schreckt, dürfte für gewöhnliche Badegäste in deutschen Schwimmbädern dann doch wohl erst recht gelten. Wie viele Menschen genau in die Pools urinieren, lässt sich freilich nicht ermitteln – zumal es nicht jeder zugeben wird. Klar ist jedoch, dass sich pro Liter in der Regel zwischen 0,7 und 1,6 Milligramm Harnstoff im Beckenwasser befinden, wie Messungen ergaben. Das hört sich zunächst wenig an, aber so kommen in einem gewöhnlichen Hallenbad 200 Liter Urin pro Tag zusammen; verteilt auf eine gesamte Wassermenge von knapp einer Million Liter.

Wirklich sauber geht es nirgends zu, wo viele Menschen durch Wasser toben, sie hinterlassen Schweiß, kleine Haare, Reste von Sonnencreme – und eben manchmal Urin. Deswegen werden die Bäder auch gechlort. „Wir sind verpflichtet, eine bestimmte Menge Chlor ins Wasser zu geben. Die Norm DIN 19643 sieht einen Grenzwert von einem Milligramm pro Liter Wasser vor“, sagt Wolfram Kaube, der die Abteilung Technik bei den Berliner Bäderbetrieben leitet. „Denn Chlor dient der Desinfizierung.“ Es macht Bakterien unschädlich und tötet Krankheitserreger ab.

Video: Michael Phelps: "Ich hatte Angst vor Wasser"

Damit es den Schwimmern gut geht, nimmt man in den Bädern mehrmals täglich Wasserproben. Je nach ermitteltem pH-Wert wird dann kontinuierlich nachgechlort, genauso wie immer wieder Frischwasser hinzugegeben wird. „Pro Badegast 30 Liter“, sagt Kaube. Das funktioniere sehr genau, und bedenklich sei das Baden angesichts der strengen Richtlinie in Deutschland ohnehin nicht. Trotzdem mag dem ein oder anderen komisch vorkommen, in ein Becken zu springen, in das sich ein anderer Badegast womöglich gerade erleichtert hat.

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