Sexismus-Debatte in Amerika : Ein #Aufschrei nach Amoklauf in den USA

Nach dem Manifest des frauenhassenden Amokläufers Elliot Rodgers entwickelt sich im Internet eine heftige Diskussion über alltäglichen Sexismus. Das erinnert an die #Aufschrei-Debatte in Deutschland.

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Studenten an der University of California in Goleta bei einer Trauerveranstaltung für die Opfer des Amokläufers.
Studenten an der University of California in Goleta bei einer Trauerveranstaltung für die Opfer des Amokläufers.Foto: dpa

Die USA erleben gerade ihren #Aufschrei-Moment. Nachdem am vergangenen Wochenende das „Manifest“ des 22-jährigen Elliot Rodgers bekannt geworden ist, findet vor allem in den USA und Großbritannien, aber auch weltweit, eine hitzige Diskussion über alltäglichen Sexismus statt.

Am 24. Mai hatte Elliot Rodgers sechs Menschen ermordet und seinem eigenen Leben ein Ende gesetzt. Der Sohn eines britischen Regisseurs hat ein inzwischen gelöschtes Youtube-Video hinterlassen, in dem er bedauerte, keine Freundin zu finden: „Ich fühle mich so unsichtbar.“ Am Wochenende wurde ein 144 Seiten langes Manifest bekannt, in dem Rodgers beklagte, dass Frauen nichts von ihm wissen wollten. „Das ist eine Ungerechtigkeit, die nicht straflos bleiben darf“, heißt es darin.

In sozialen Netzwerken werden Erlebnisse gesammelt

Daraufhin begann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Stichwort #YesAllWomen eine intensive Diskussion über alltäglichen Sexismus, dem sich Frauen ausgesetzt sehen. Auf einem weiteren sozialen Netzwerk, Tumblr, legten einige Frauen die Seite „When Women refuse“ (Wenn Frauen Nein sagen) an, auf der ebenfalls Erlebnisse von Frauen gesammelt werden. Da geht es unter anderem um Frauen, die von ihren Ex-Freunden ermordet worden sind oder die wochen- oder monatelang von ihren ehemaligen Männern verfolgt werden.

Jasna Strick fühlte sich sofort an die #Aufschrei-Debatte erinnert. Viele der Beiträge lesen sich wie die Sammlung von Erfahrungen, die unter diesem Stichwort seit Januar 2013 zusammengekommen sind. Strick hatte gemeinsam mit Anne Wizorek und Nicole von Horst die Internetdebatte begonnen. Jasna Strick ist überzeugt, dass der kollektive #Aufschrei deutscher Frauen etwas verändert hat. „Die Debatte wird anders geführt als vorher“, sagte sie dem Tagesspiegel. Das Thema Sexismus „ist wieder salonfähig“. Angesichts der Erfolge bei der Gleichstellung sei lange nicht mehr beachtet worden, wie viele Frauen in ihrem Alltag Opfer sexualisierter Gewalt und blöder Anmache werden.

Bei #Aufschrei tummeln sich inzwischen vor allem Frauenhasser

Die Australierin Estelle Tang hat ihre Erfahrungen in einem „Offenen Brief an meine männlichen Freunde“ im britischen „Guardian“ zusammengefasst. Am Freitag wurde allein dieser Text mehr als 1200 Mal kommentiert. Jasna Strick hofft, dass #YesAllWomen dazu beitragen wird, „dass mehr über Amokläufe gegen Frauen gesprochen wird“. Auch im Zusammenhang mit #Aufschrei, wo sich inzwischen vor allem Frauenhasser austauschen, sind sie und ihre Mitstreiterinnnen mit massiven Drohungen konfrontiert worden.

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood ist mehrfach mit einem Zitat aus ihrem Roman "Die Essbare Frau" in der #YesAllWomen-Strecke zitiert worden: „Männer fürchten sich davor, dass Frauen über sie lachen könnten. Frauen fürchten sich davor, dass Männer sie umbringen könnten.“ Die Autorin selbst hat sich mit folgenden zwei Twitter-Meldungen an der Debatte beteiligt:

(Der Text ist am 1.6. an zwei Stellen korrigiert worden. Jasna Stricks Name war einmal falsch geschrieben. Entschuldigung dafür! Und eine Stelle, die missverständlich formuliert war, ist klarer gefasst worden. Jasna Strick meinte natürlich nicht, dass "Sexismus wieder salonfähig" geworden sei. Der sei ja immer salonfähig gewesen, stellt sie zurecht fest. Es geht um das "Thema Sexismus", das wieder salonfähig geworden ist. Auch das habe ich korrigiert. Und auch das Atwood-Zitat entstammt nicht der aktuellen Debatte. Danke für die Hinweise an Jasna Strick. Dagmar Dehmer)

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