25 Jahre WWW : Wie Tim Berners-Lee das Web erfand

Grüne Schrift auf schwarzem Grund: Tim Berners-Lee veröffentlichte die erste Webseite der Welt. Kaum zu glauben, dass das erst 25 Jahre her ist.

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Revolutionär. Tim Berners-Lee 1994 an seinem Arbeitsplatz im CERN.
Revolutionär. Tim Berners-Lee 1994 an seinem Arbeitsplatz im CERN.Foto: CERN

Grauer Linoleumboden, Neonlicht. Es ist kein gemütlicher Ort, an dem Tim Berners-Lee anfängt, die Welt zu verändern. In seinem Büro im europäischen Kernforschungszentrum CERN schreibt der britische Informatiker seine Vision von einem weltweiten, verbundenen Informationssystem nieder. Damals, 1989, interessiert seine Idee selbst an seinem Arbeitsplatz kaum jemanden.

Aber Berners-Lee treibt sein Projekt voran, auch wenn er dafür keine Wertschätzung bekommt. Am 6. August 1991, vor 25 Jahren, veröffentlicht er schließlich ein Dokument, das den Lauf der Geschichte verändern wird. In ein Internetforum postet der damals 36-Jährige den Link zur ersten Webseite der Welt. Auf http://info.cern.ch informierte er über seine Entwicklung: das World Wide Web. Der Beginn einer sozialen Revolution.

Das Web hat ihn nicht reich gemacht

Berners-Lee hat kein Star-Appeal, er ist kein Mark Zuckerberg, kein Steve Jobs, kein Bill Gates. Seine Erfindung hat ihn nicht reich gemacht und nicht berühmt. Kaum jemand kennt seinen Namen, obwohl Millionen das Netz nutzen, obwohl es heute über eine Milliarde Webseiten gibt.

Wer mehr über seine Geschichte erfahren will, stößt schnell an Grenzen. Zwar hat der Informatiker ein Buch geschrieben, das den Weg zu seiner Erfindung beschreibt – „Der Web-Report“ heißt es auf Deutsch. Aber damit scheint für ihn alles gesagt. Er ist schwer zu erreichen, hat an einem Interview kein Interesse.

Am CERN aber arbeiten noch Menschen, die dabei waren, als Tim Berners-Lee das Web erfand. „Tim war sehr nett,“ erinnert sich sein Mentor Ben Segal. „Aber einige Leute fanden es schwierig, mit ihm zu kommunizieren. Sein Verstand arbeitete so schnell, dass er Probleme hatte, sich auszudrücken.“ Manchmal habe Berners-Lee so viel auf einmal sagen wollen, dass er zu stottern begann, erzählt Segal im Videotelefonat.

Web und Internet - ein großer Unterschied

Zu Beginn suchte Berners-Lee Rat bei Segal. Der versuchte zu dieser Zeit selbst, in einer Art Untergrund-Aktion das Internet am CERN einzuführen. Wohlgemerkt: Das World Wide Web ist nicht das Internet. Die Verbindung zwischen Computern existiert bereits seit den 1970er Jahren, sie ging aus einem Projekt des US-Verteidigungsministeriums hervor. Das Internet ist wie ein Netzwerk von elektronischen Straßen, die viel beschworenen Datenautobahnen. Infrastruktur also. Das World Wide Web ist eine Anwendung, die das Internet nutzt – so wie auf einer Straße verschiedene Fahrzeuge fahren.

Vor dem Web gab es bereits E-Mails und das sogenannte Usenet. Es stellte seinen Mitgliedern Diskussionsforen in reiner Textform zur Verfügung – ein relativ geschlossener Kosmos. Das Prinzip hinter dem World Wide Web ist dagegen: Sobald jemand ein Dokument, ein Bild, ein Video verfügbar macht, ist es von überall auf der Welt zugänglich und lässt sich verlinken, damit andere es finden können.

Das Internet ist erst einmal suspekt

Tim Berners-Lee kommt – nach einem kurzen Intermezzo einige Jahre zuvor - 1984 ans CERN. Das Forschungszentrum liegt nahe Genf an der schweizerisch-französischen Grenze. Man sieht das Jura-Gebirge, die Skigebiete sind nur zehn Minuten entfernt. Ein angenehmer Ort zum Leben. Doch obwohl das CERN für ehrgeizige Forscher viele Möglichkeiten bietet, ist es eine konservative Einrichtung. Das Internet ist vielen hier suspekt.

Die Wissenschaftler kommen aus allen Teilen der Welt und arbeiten mit völlig unterschiedlichen Computern. Dort speichern sie Daten, die von anderen Geräten aus nicht zugänglich sind. Oft ist es einfacher, andere Ingenieure beim Kaffee nach einer Information zu fragen. Berners-Lee soll in der IT-Abteilung ein Programm schreiben, das die Kommunikation zwischen den Computern am CERN vereinfacht. Aber er denkt viel größer.

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